Bundestrainer Wück: Männerfußball sollte von Frauen lernen bei Homosexualität
Der Frauen-Bundestrainer Christian Wück hat sich deutlich zum Thema Homosexualität im Fußball geäußert und dabei die Spielerinnen als Vorbilder für ihre männlichen Kollegen bezeichnet. „Auch da müssen die Männer vielleicht ein bisschen mehr von den Frauen lernen. Ich glaube, bei den Frauen ist es ganz normal“, erklärte der 52-jährige Ex-Profi während einer DFB-Pressekonferenz in Frankfurt am Main.
Coming-out von St. Paulis Nachwuchscoach löst Diskussion aus
Die Äußerungen Wücks erfolgten im Kontext des kürzlichen Coming-outs von Christian Dobrick, dem U19-Coach des FC St. Pauli. Der 29-jährige Nachwuchstrainer hatte seine Homosexualität öffentlich gemacht und dabei scharfe Kritik am männlichen Spitzenfußball geäußert. „Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische“, sagte Dobrick in Interviews mit dem „Stern“ und RTL.
Dies löste eine breite Diskussion innerhalb der Fußballwelt aus. Männer-Bundestrainer Julian Nagelsmann positionierte sich ebenfalls klar für einen offeneren Umgang mit dem Thema. „Ich finde es sehr schade, dass wir immer noch darüber diskutieren müssen“, betonte Nagelsmann in einem Interview bei RTL/ntv. Für ihn sei Homosexualität etwas völlig Normales.
Unterschiedliche Realitäten im Frauen- und Männerfußball
Wück hob in seinen Ausführungen den deutlichen Kontrast zwischen den beiden Fußballwelten hervor. Während im Frauenfußball die sexuelle Orientierung einer Spielerin seit langem keine besondere Rolle mehr spiele, stelle sie im Männerbereich nach wie vor ein Tabuthema dar. „Bei den Männern ist es jetzt mit das erste Mal, das so etwas passiert. Am Anfang ist es immer schwer“, so der Bundestrainer.
Tatsächlich gab es in den höchsten drei deutschen Profiligen bislang kein Coming-out eines aktiven Spielers, obwohl insbesondere Fanvertreter immer wieder für mehr Offenheit werben. Wück äußerte die Hoffnung, dass sich dies in Zukunft ändern könnte: „Vielleicht wird es bei uns generell im Fußball irgendwann einmal normal werden.“
Pressekonferenz vor WM-Qualifikationsspielen
Die Statements fielen im Rahmen der Vorbereitung auf die anstehenden WM-Qualifikationsspiele der Frauen-Nationalmannschaft gegen Österreich. Die Pressekonferenz diente eigentlich der sportlichen Vorbereitung, entwickelte sich jedoch schnell zu einer Plattform für diese gesellschaftlich relevante Diskussion.
Die unterschiedlichen Herangehensweisen von Frauen- und Männerfußball an das Thema Homosexualität zeigen sich dabei deutlich. Während im Frauenbereich Offenheit und Akzeptanz längst etabliert sind, kämpft der Männerfußball noch mit Vorurteilen und einem Klima der Verschwiegenheit.
Die Äußerungen der beiden Bundestrainer Wück und Nagelsmann markieren einen wichtigen Schritt in der öffentlichen Debatte und könnten den Weg für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz im deutschen Fußball ebnen.



