Schüler setzen in Güstrow ein Zeichen für Solidarität und Vielfalt
Laut und farbenfroh zog am Sonnabend ein Demonstrationszug durch die historischen Straßen der Altstadt von Güstrow. Auf einem großen Transparent an der Spitze standen klare Botschaften: „Solidarität. Feministisch, queer, solidarisch & antifaschistisch“, „Love is Love“ und „Wir sind bunt“. Etwa 200 Menschen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern nahmen an der Veranstaltung teil, um gemeinsam für ein solidarisches Miteinander einzutreten.
Organisation durch engagierte Schüler
Die Demonstration wurde von Schülern der Freien Schule Güstrow aus dem Kurs „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Klassenstufen 5 bis 11 organisiert. Die Planungen liefen bereits seit Oktober. „Wir waren etwa 200 Menschen“, berichtete Versammlungsleiter J. aus der 10. Klasse nach Abschluss der Veranstaltung. „Wir hatten auch Gäste aus ganz Mecklenburg-Vorpommern dabei, aus Schwerin, Rostock, Greifswald, Wismar und Parchim.“ Bis auf kleinere Details habe alles reibungslos funktioniert. „Das war viel Arbeit. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Polizei war optimal“, so der Zehntklässler.
Route und Botschaften der Demonstration
Der Zug startete im Rosengarten und führte durch die Altstadt über den Schlossgarten, den Domplatz und die Uwe-Johnson-Bibliothek bis zum Bahnhof. Eine Sprecherin informierte die Güstrower Bürger über die Ziele der Demo: „Wir sind heute auf der Straße für Gerechtigkeit, für Solidarität“, rief sie. Während der etwa zweieinhalbstündigen Demonstration skandierten die Teilnehmer immer wieder Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität“, „Nie, nie wieder Wehrpflicht!“ oder „We are here, we are queer!“. An verschiedenen Stationen wurden Reden gehalten, die die Bedeutung von Solidarität und Vielfalt betonten.
Hintergrund und Herausforderungen
Nur eine halbe Stunde vor Beginn der Schülerdemonstration endete am 28. März eine Kundgebung der als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei „Der Dritte Weg“ am Borwinbrunnen auf dem Güstrower Pferdemarkt. Diese Partei gilt als neonazistisch und soll ein Sammelbecken für militante Neonazis und ehemalige NPD-Mitglieder sein. „Aber die Polizei hat dafür gesorgt, dass sich die Demonstranten und Kundgebungsteilnehmer nicht begegnen“, erklärte der Versammlungsleiter. Dennoch hatten einige Schüler und Redner aus Angst vor einer Konfrontation ihre Teilnahme abgesagt oder ihre Reden als Audiodatei abspielen lassen. Die Demonstration wurde im Vorfeld auf Instagram angefeindet.
Emotionale Reden und persönliche Ängste
In der ersten Rede im Rosengarten sagte ein Schüler: „Solidarität ist mehr als nur ein Wort oder ein willkürliches Motto. Es ist eine Art, sein Leben zu führen. Es ist ein Ausdruck von Empathie und Hilfsbereitschaft. Es ist eine selbstlose Entscheidung zugunsten von Hilfsbedürftigen.“ Er fügte hinzu: „Ich bin begeistert, dass wir heute alle gemeinsam solidarisch in Güstrow stehen. Es erfordert Mut und Engagement, sich in einer Kleinstadt wie Güstrow politisch und solidarisch zu zeigen. Nicht, weil es falsch ist, sondern gefährlich.“ In einer Kleinstadt wie Güstrow, in der jeder jeden kennt, könne es ernste Konsequenzen haben, für eine bunte und offene Welt einzutreten.
Der Schüler betonte, dass vor allem junge Menschen oft aufgrund mangelnder Freizeitalternativen von rechtsextremen Gruppen angesprochen werden. „Dass es sich am Ende um eine Kaderschmiede von knallharten Rechtsextremen handelt, fällt meist erst spät auf. Diese Entwicklung in Güstrow macht mir Angst. Ich habe Angst, alleine am Bahnhof zu stehen. Ich habe Angst, heute hier zu stehen und mein Gesicht zu zeigen. Ich weiß, dass es Menschen heute nicht geschafft haben, hier zu sein aufgrund dieser Befürchtungen.“ Am Ende appellierte er an alle: „Seid solidarisch miteinander! Egal, ob es der Rentner ist, der am Monatsende Pfandflaschen sammelt. Ob es die alleinerziehende Mutter ist, die ihren Kindern die Mitgliedschaft im Fußballverein nicht ermöglichen kann. Oder ob es eure engsten Freunde sind, die Angst haben, alleine durch Güstrow zu laufen.“
Unterstützung durch die Schule
„Wir wurden schon im Herbst angefragt, ob die Schüler diese Demonstration organisieren dürfen, und wir haben sofort unsere volle Zustimmung gegeben“, erklärte Arne Busch, Leiter der Freien Schule Güstrow, nach dem Ende der Demo. „Ich fand's super. Das war ein gutes Zeichen dafür, wofür unsere Schule steht, für Solidarität mit anderen Menschen. Es hat mich gefreut, dass so viele aus unserer Schule, aber auch Eltern und Ehemalige mit dabei waren.“ Trotz strömenden Regens setzte sich der Demonstrationszug entschlossen in Bewegung und sendete ein starkes Signal für Toleranz und Zusammenhalt in der Region.



