Herztransplantation durch den Nachbarn: Eine Geschichte von Freundschaft und Überleben
Plötzlich stand Eike Kinzel dem Tod gegenüber. Atemnot und geschwollene Beine machten ihm jeden Schritt zur Qual. Sein krankes Herz versagte zunehmend, und die Ärzte gaben ihm nur noch eine minimale Überlebenschance. Was der Autohändler in diesem Moment nicht wusste: Sein Lebensretter war bereits an seiner Seite – sein Nachbar und enger Freund Dr. Tim Sandhaus.
Von Geburt an mit Herzfehler
Eike Kinzel kam mit einem Herzfehler zur Welt. „Aber irgendwie ging es immer weiter, mal besser, mal schlechter“, erinnert sich der heute 60-Jährige. Die Begegnung mit Tim Sandhaus, heute 49 Jahre alt, erfolgte, als Kinzel in ein altes Schloss in Gumperda bei Jena zog und es sanierte. „Mit Tim, dem Chirurgen, verstand ich mich auf Anhieb“, sagt Kinzel mit einem Lächeln. „Wir feierten bei Grillpartys miteinander – eine echte, enge Nachbarschaft entstand, die schließlich zur Freundschaft wurde.“
Überlebenschance von nur 5 bis 10 Prozent
Im November 2018 verschlechterte sich Kinzels Zustand dramatisch, nachdem er von einer Reise aus der Ukraine zurückgekehrt war. „Jeder Schritt fiel mir schwer – ich schnaufte wie eine alte Dampflok“, beschreibt er. Die Medikamente zeigten keine Wirkung mehr, und seine Hausärztin überwies ihn dringend in die Uniklinik Jena.
Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Herzchirurgie, erklärt die ernste Lage: „Seine Überlebenschance lag bei 5 bis 10 Prozent. Wir mussten bis zu einem Spenderorgan dringend überbrücken, am besten mit einem Kunstherz.“ In einer mehrstündigen Operation wurde Kinzel ein Linksherz-Unterstützungssystem, ein sogenanntes Kunstherz, eingesetzt. „Das kleine Gerät rauschte, machte klack-klack, die Batterie musste ausgetauscht werden, sobald sie leer war“, erinnert sich Kinzel.
Der Freund holt das Spenderherz persönlich ab
Nach etwa drei Viertel Jahr, während des Abendbrots um 17 Uhr, kam die lebensverändernde Nachricht: Ein Spenderherz war auf dem Weg. Sein Freund Tim Sandhaus, Chef der Herz- und Lungentransplantation an der Uniklinik Jena, war bereits auf dem Rückweg aus Norddeutschland und holte das Organ persönlich ab. „Die Daten auf dem Papier sind das eine, aber ich musste das Herz vor Ort selbst begutachten“, erklärt Sandhaus.
Die erfolgreiche Transplantation
Am 6. Juni 2019, nach einer fünfstündigen Operation mit einem Team von Spezialisten, begann das neue Herz in Eike Kinzels Brust zu schlagen. Wochenlang verbrachte er danach auf Station B 240, wo er sich die Zeit mit Puzzeln vertrieb. „Ein großes Puzzle, natürlich ein Herz, schmückt heute den Stationsflur“, sagt er stolz. Ebenso stolz zeigt er sein Tattoo am linken Arm – „meinen ersten neuen Herzschlag“.
Eine Freundschaft, die stärker ist als je zuvor
Heute, wie jedes halbe Jahr, geht Eike Kinzel zur Nachuntersuchung – zu seinem besten Freund Tim Sandhaus. Dieser schaut auf den Ultraschall, lächelt zufrieden und sagt: „Alles in Ordnung.“ Bis zu dreimal im Monat treffen sich die beiden privat. Sie essen, plauschen und lachen miteinander – eine fast ganz normale Männerfreundschaft, die durch eine außergewöhnliche medizinische Geschichte noch enger geworden ist.
Diese bewegende Geschichte aus Jena zeigt, wie Freundschaft und medizinische Expertise zusammenkommen können, um Leben zu retten. Sie unterstreicht die Bedeutung der Organspende und die menschliche Seite der modernen Medizin.



