Was ist eine bakterielle Vaginose?
Viele Frauen bemerken zuerst einen ungewohnten Geruch im Intimbereich – oft nach dem Sex oder während der Periode. Dahinter kann eine bakterielle Vaginose stecken: keine klassische Infektion, sondern ein Ungleichgewicht der Scheidenflora. Gynäkologin Dr. med. Heidi Gösslinghoff erklärt, was dahintersteckt, warum Rückfälle so häufig sind und was dagegen hilft.
Was passiert dabei im Körper?
Im Kern verschiebt sich das vaginale Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Bakterien in der Vagina. „Eine bakterielle Vaginose ist keine Infektion im eigentlichen Sinne“, sagt die Medizinerin zu FITBOOK. Normalerweise schützen Laktobazillen (Milchsäurebakterien) das saure Milieu. Bei der Vaginose sind sie vermindert, andere Keime – etwa Gardnerella vaginalis – dominieren.
Anzeichen und Auslöser einer bakteriellen Vaginose
Auffällig sei vor allem der Geruch: „Viele beschreiben diesen Geruch als ‚fischartig‘“, so Gösslinghoff. Der Ausfluss sei dann „dünnflüssiger und von gräulich-weißlicher Farbe“. Juckreiz trete – ganz anders als bei einer Pilzinfektion – selten auf. Bestätigt werde der Verdacht auf bakterielle Vaginose per Abstrich, auf den eine spezielle Testlösung gegeben werde. Gösslinghoff: „Tritt ein fischiger Geruch auf, ist eine bakterielle Vaginose sehr wahrscheinlich.“ Auslöser gebe es mehrere: neue Partner mit anderem Mikrobiom, Antibiotika, aggressive Intimpflege oder übertriebene Hygiene. Auch hormonelle Schwankungen, eine Spirale in seltenen Fällen und häufiger Geschlechtsverkehr können eine Rolle spielen.
Warum das Problem oft zurückkommt
Die Beschwerden können laut der Gynäkologin von selbst verschwinden. Leider tritt die bakterielle Vaginose jedoch gerne immer wieder auf. Dann steckt meist ein dauerhaft verschobenes Scheidenmilieu dahinter.
Behandlung
Standard sei eine Antibiotikatherapie gegen die beteiligten Keime. Das Problem laut Expertin: „Diese Behandlung kann der Grundstein für die nächste Verschiebung des Scheidenmilieus sein.“ Hausmittel wie Essigspülungen oder Teebaumöl würden diskutiert, seien aber nicht gut belegt und könnten reizen. Die Ärztin berichtet von guten Erfahrungen bei Patientinnen mit Joghurttampons. Belastbare Daten fehlen. Bei sehr hartnäckigen Verläufen könne auch Geschlechtsverkehr mit Kondomen Ruhe bringen.
Normales Scheidenmilieu unterstützen
Wichtig seien vorbeugende und unterstützende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung eines normalen Scheidenmilieus. Konkret:
- Keine aggressive Intimpflege
- Luftdurchlässige Slipeinlagen
- Waschen mit klarem Wasser oder pH-neutralen Produkten im Intimbereich
Eine Studie zeigte kürzlich, dass bestimmte Laktobazillen, besonders wenn sie vaginal eingesetzt werden, das Milieu der Scheide stabilisieren.



