Manchmal reicht ein einziger Schluck, um wieder in der Vergangenheit zu sein: in der Kaufhalle, im Freibad, im Kleingarten oder am heimischen Küchentisch. Getränke waren in der Deutschen Demokratischen Republik ein fester Bestandteil des Alltags. Sie standen für Sommerferien und Kindergeburtstage, für das Feierabendbier nach der Schicht und für gesellige Abende mit Freunden. Ob Brause, Cola oder Saft – viele dieser Getränke hatten einen festen Platz im Leben der Menschen. Manche entstanden aus staatlichen Vorgaben, andere gewannen durch Gewohnheit und Geschmack eine hohe Beliebtheit. Nach der Wiedervereinigung verschwanden viele dieser Klassiker zunächst aus den Regalen, einige kehrten jedoch zurück und sind bis heute erhältlich. Und manches ist trotzdem unvergessen geblieben.
1. Vita Cola: Die staatlich verordnete DDR-Cola als Kultmarke
Die wohl bekannteste Limonade der DDR war Vita Cola. Sie entstand nicht zufällig, sondern auf staatlichen Wunsch hin. Im Jahr 1956 verlangte der zweite Fünfjahresplan eine eigene Cola, um die Bevölkerung unabhängiger vom Westen versorgen zu können. Also machte man sich im Osten selbst ans Werk. Die DDR-Marke Vita Cola erfreut sich bis heute großer Beliebtheit.
Vita Cola schmeckte bewusst anders als Coca Cola. Sie war zitroniger, etwas herber und weniger süß. Viele schworen darauf, dass sie „ehrlicher“ war als die westliche Konkurrenz. Entwickelt wurde die Rezeptur vom Chemiker Hans Zinn. Er mischte dafür Zitrusöle, Vanille, Kolanuss, Koffein und Vitamin C. Anfangs gab es noch technische Probleme: Die Cola schäumte so stark, dass die Flaschen nicht richtig gefüllt werden konnten. Erst mit Hilfe der Technischen Hochschule Dresden bekam man das Problem in den Griff.
Schon Anfang der 1960er-Jahre wurde Vita Cola zum echten Volksgetränk. Mehr als 100 Betriebe durften sie abfüllen – oft mit ganz unterschiedlichen Etiketten, aber immer mit demselben Geschmack. Beworben wurde das Getränk als Muntermacher für Autofahrer und lange Sitzungen: Eine Flasche entsprach angeblich einer halben Tasse Kaffee und dem Vitamin C einer Zitrone. Nach der Wende verschwand der Softdrink erst einmal aus den Regalen, kehrte aber im Jahr 1994 zurück. Heute gibt es Vita Cola wieder in ganz Deutschland. Für viele ist sie ein Schluck Kindheit. In Teilen Ostdeutschlands ist sie sogar beliebter als die westliche Konkurrenz.
2. Club Cola: Die DDR-Alternative mit West-Geschmack
Doch nicht alle waren mit dem Geschmack der Vita Cola zufrieden. Auf Wunsch der SED sollte es zusätzlich eine DDR-Cola geben, die näher an die westlichen Vorbilder herankam. Fast zehn Jahre nach der Einführung der Vita Cola erschien deshalb die Club Cola. Sie schmeckte weicher, süßer und erinnerte deutlich stärker an die bekannten Cola-Marken aus dem Westen. Nach der Wiedervereinigung verschwand auch die Club Cola zunächst aus den Regalen, doch im Jahr 1992 brachte die Firma Spreequell sie wieder auf den Markt. Daran können sich noch viele DDR-Bürger erinnern: das charakteristische Etikett der Club Cola.
3. Quick Cola: Die dritte Cola der DDR mit Kräuternote
Neben Vita und Club Cola gab es in der DDR sogar noch eine dritte bekannte Cola-Variante: Quick Cola. Sie wurde im Inland entwickelt und war nicht einfach eine weitere Kopie des Westens, sondern hatte einen eigenen Charakter mit einer speziellen Kräutermischung, die sie unverwechselbar machte. Insgesamt drei eigene Cola-Marken hat es in der DDR gegeben. Nach der Wende endete die Produktion zunächst, doch ein Familienbetrieb aus Calbe (Saale) sicherte sich die Markenrechte und brachte Quick Cola wieder heraus. Heute wird sie weiterhin in kleinerem Maßstab produziert.
4. Rote Brause: Das süßeste Getränk der DDR-Kindheit
Das Getränk jeder Kindheit: knallrot, extrem süß und immer ein bisschen künstlich. Rote Brause mit Himbeergeschmack gehörte in der DDR zu Kindergeburtstagen, Schulausflügen und Sommerferien. Wer sie trank, hatte sofort klebrige Finger, aber ein breites Grinsen im Gesicht. Produziert wurde sie nicht zentral an einem Ort, sondern in verschiedenen Getränkebetrieben im ganzen Land. Die Flaschen trugen je nach Hersteller oft unterschiedliche Etiketten, aber fast alle Kinder kannten den typischen Geschmack. Heute gibt es noch vereinzelt Getränke, die an die rote Brause von früher erinnern oder sogar nach alten DDR-Rezepten hergestellt werden. Meist kommen sie aus den Betrieben mit Tradition, zum Beispiel von Zahnaer Brause.
5. Mandora: Die Fanta der DDR
Neben Cola und Brause war Mandora eines der bekannten Erfrischungsgetränke der DDR. Die Limonade wurde aus Zitrus- und Mandarinensaft hergestellt, mit Kohlensäure versetzt und naturtrüb abgefüllt. Produziert wurde Mandora in verschiedenen Betrieben, meist regional. Ein einheitliches Flaschendesign gab es nicht. Mandora gehörte zu Familienfeiern, Jugendtreffs und zum Alltag vieler Menschen. Ihr fruchtiger Geschmack und die leuchtend orange Farbe machten sie unverwechselbar. Oft wurde Mandora als DDR-Antwort auf Fanta bezeichnet, aber ohne den Anspruch, das westliche Vorbild zu kopieren. Nach der Wende verschwand Mandora aus den Regalen, vereinzelt wird sie heute jedoch noch von Brauereien angeboten.
6. Karena: Kalorienreduziertes DDR-Getränk mit wenig Zucker
Karena war ein besonderes Getränk aus der DDR. Der Fruchtsaft mit Kohlensäure hatte wenig Zucker, was damals selten war. Viele Erwachsene mochten ihn deshalb sehr. Der Name stand für „kalorienreduziert, naturtrüb“. Abgefüllt wurde das Getränk in Mehrwegflaschen mit einem hellblauen Etikett. Heute ist Karena nicht mehr erhältlich. Auch wenn sie weniger bekannt ist als die Colas oder rote Brause, gehörte sie für viele zum Alltag in der DDR.
7. Selterswasser: Wie ein Quellenname zum Allgemeinbegriff wurde
In der DDR stand „Selters“ meist ganz allgemein für Mineralwasser mit Kohlensäure. Der Name geht ursprünglich auf die Mineralquellen im hessischen Selters zurück, deren Wasser schon seit Jahrhunderten bekannt war. Mit der Zeit wurde der Begriff so stark mit sprudelndem Wasser verbunden, dass er im Osten unabhängig vom Herkunftsort verwendet wurde. Abgefüllt wurde das Mineralwasser in regionalen Betrieben, meist in den typischen 0,7-Liter-Flaschen. Bis heute hat sich „Selters“ als Bezeichnung für Mineralwasser im Osten gehalten und wird auch als Markenname genutzt.



