Die Debatte um eine mögliche Zuckerabgabe auf gesüßte Erfrischungsgetränke in Deutschland gewinnt an Fahrt. Während die Bundesregierung eine Einführung ab dem Jahr 2028 plant, zeigen sich die Reaktionen aus der Lebensmittelbranche gespalten. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Händlern, Herstellern, Verbänden und Experten offenbart ein geteiltes Echo.
Hintergrund der geplanten Abgabe
Die Bundesregierung beabsichtigt, ab 2028 eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke zu erheben. Grundlage sind Empfehlungen einer Kommission, die vom Gesundheitsministerium eingesetzt wurde. Diese schlägt unter anderem eine gestaffelte Steuer auf Limonaden und Colas vor, um Krankheitskosten zu senken und die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern.
Befürworter der Zuckerabgabe
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) begrüßt die Pläne. Sie betont, dass eine solche Abgabe zur Prävention von Adipositas und anderen ernährungsbedingten Erkrankungen beitragen könne. Aus wissenschaftlicher Perspektive seien Steuern auf Süßgetränke eine wirksame Maßnahme der Vorsorge.
Kritik von Edeka-Chef Markus Mosa
Der Vorstandsvorsitzende der Edeka-Zentrale, Markus Mosa, äußerte sich ablehnend. Er argumentiert, dass zusätzliche Abgaben das ohnehin angespannte Konsumklima weiter verschlechtern würden. Statt Wachstumsimpulsen drohe eine Belastung der Verbraucher. Mosa betont: „Unsere Kundinnen und Kunden sollen selbst entscheiden, was sie kaufen und essen.“ Edeka setze auf eine große Auswahl und transparente Kennzeichnung. Bei Eigenmarken werde seit Jahren kontinuierlich Zucker und Salz reduziert.
Verbände der Ernährungswirtschaft lehnen ab
Die Verbände der deutschen Ernährungswirtschaft sprechen sich klar gegen die Zuckersteuer aus. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und des Lebensmittelverbands Deutschland, warnt: „Die Idee der Zuckersteuer hat Gewinner und Verlierer. Die Gewinner sind der Finanzminister, die Inflation und leider die AfD.“ Kritiker befürchten, dass eine solche Abgabe die Argumentation der AfD stützen könnte, der Staat bevormunde seine Bürger. Zu den Verlierern zählten vor allem die Verbraucher.
Zuckerwirtschaft und Getränkefachgroßhandel kritisieren
Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, hält die Abgabe für den falschen Ansatz: „In keinem Land führte das zu weniger Übergewicht.“ In Großbritannien hätten Hersteller Zucker durch künstliche Süßstoffe ersetzt, dennoch stiegen die Übergewichtsraten weiter.
Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels lehnt die Abgabe ebenfalls ab. Er verweist darauf, dass der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei. Zudem habe die Lebensmittelwirtschaft bereits gehandelt: Der Zuckergehalt von marktrelevanten Getränken sei seit 2018 um rund 15 Prozent gesenkt worden.
Rewe-Chef Lionel Souque zurückhaltend
Der Chef der Rewe-Gruppe, Lionel Souque, zeigte sich zurückhaltend: „Da muss man sich immer genau anschauen, was es bringt.“ In Großbritannien habe die Zuckersteuer hinsichtlich der Gesundheitswirkung keinen eindeutigen Erfolg erzielt. Rewe sei bereits selbst aktiv: „Wir reduzieren bei allen unseren Eigenmarken bereits Salz, Zucker und Zusatzstoffe – soweit das geschmacklich geht. Und wir setzen auf klare Informationen und Auswahl – statt auf neue Abgaben.“ Souque betont: „Ich bin der Meinung, dass die Menschen selbst entscheiden sollen.“
Lebensmittelhandel verfolgt Diskussion ergebnisoffen
Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels gibt sich neutral und verfolgt die Diskussion „ergebnisoffen“. Entscheidend seien wissenschaftliche Belege für eine nachhaltige Verbesserung der Gesundheit, sagte Hauptgeschäftsführer Philipp Hennerkes. Der Handel trage mit einem breiten Sortiment und Informationsangeboten zu einer ausgewogenen Ernährung und Wahlfreiheit bei. Aldi Nord und Aldi Süd wollten sich auf Anfrage nicht äußern.



