Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: WHO vermutet Mensch-zu-Mensch-Übertragung
Hantavirus auf Schiff: WHO vermutet Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Ein möglicher Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ vor der Küste Kap Verdes sorgt für Besorgnis. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermutet, dass sich die Menschen an Bord gegenseitig angesteckt haben. Bislang gibt es sieben bestätigte oder vermutete Infektionen, drei Passagiere sind gestorben. Rund 150 Menschen sitzen auf dem Schiff fest und dürfen vorerst nicht an Land.

WHO: Übertragung von Mensch zu Mensch wahrscheinlich

Die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove erklärte, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei sehr engem Kontakt vermutet werde. Der erste erkrankte Passagier habe sich wahrscheinlich bereits vor dem Boarding infiziert. Insgesamt wurden bislang zwei Fälle labortechnisch bestätigt, fünf weitere gelten als mutmaßlich. Die Behörde konzentriert sich nun darauf, zwei erkrankte Passagiere zu evakuieren und das Schiff anschließend zu den Kanarischen Inseln weiterfahren zu lassen. Das Risiko für die breite Öffentlichkeit bleibt nach WHO-Angaben gering.

Tropenmediziner: Außergewöhnliches Infektionsgeschehen

Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg bezeichnete den Ausbruch als außergewöhnlich. „Das ist ein Infektionsgeschehen, das man in dieser Form auf einem Kreuzfahrtschiff nicht erwarten würde“, sagte er dem Science Media Center. Allerdings handle es sich bei mehreren Fällen noch um Verdachtsfälle. Hantaviren werden normalerweise von Nagern auf Menschen übertragen. Eine Ausnahme sei das südamerikanische Andes-Virus, für das eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben sei. Da das Schiff aus dem Süden Argentiniens komme, müsse dieses Szenario geprüft werden.

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Drei Todesfälle und ein kritischer Patient

Die WHO ist seit dem 2. Mai 2026 über den Ausbruch schwerer Atemwegserkrankungen auf dem Schiff informiert. Bislang sind drei Menschen gestorben: ein 70-jähriger Niederländer am 11. April an Bord, seine 69-jährige Ehefrau, die später am Flughafen von Johannesburg zusammenbrach und starb, sowie ein deutscher Passagier, dessen Leiche noch an Bord ist. Die Todesursache des Deutschen ist noch ungeklärt. Ein britischer Passagier befindet sich in kritischem Zustand auf einer Intensivstation in Südafrika; bei ihm wurde eine Hantavirus-Infektion bestätigt. Zwei Crewmitglieder mit ausgeprägten Atemwegsbeschwerden benötigen dringend medizinische Versorgung.

Symptome und Übertragungswege

Hantaviren sind seltene, aber potenziell tödliche Erreger, die von Nagern übertragen werden. Die Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden bis zu plötzlicher Atemnot und Lungenversagen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen, kann aber auch bis zu acht Wochen dauern. Die Erkrankten zeigten zunächst Fieber und gastrointestinale Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfall; bei den Schwerstkranken kam es rasch zu Lungenentzündung, akutem Atemnotsyndrom und Schock.

Ausbruch theoretisch gut eindämmbar

David Hayman, Experte für Infektionskrankheiten der Massey University in Neuseeland, betonte, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nur bei sehr engem Kontakt stattfinde. „Ich wäre selbst ungern auf diesem Schiff“, sagte er. „Aber man geht davon aus, dass es sehr engen Kontakt benötigt, damit es überhaupt zu einer Übertragung kommt.“ Auf einem Kreuzfahrtschiff mit vielen Menschen erhöhe sich das Risiko, aber der Ausbruch sollte sich theoretisch relativ gut eindämmen lassen, da die Infektionen unter Menschen nicht besonders leicht übertragbar seien.

Die Reederei „Oceanwide Expeditions“ teilte mit, dass die Stimmung an Bord ruhig sei und die Passagiere insgesamt gefasst seien. Man arbeite daran, die Menschen medizinisch zu untersuchen und von Bord zu bringen. Zudem werde erwogen, weiter zu den spanischen Inseln Las Palmas oder Teneriffa zu fahren, wo unter Aufsicht der WHO und der niederländischen Gesundheitsbehörden weitere Maßnahmen erfolgen könnten.

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