Vor 549 Jahren verfasste Margery Brews einen Brief an ihren Geliebten John Paston III. – voller Romantik, aber auch voller Sorge um die Zustimmung ihrer Familie. Nun hat ein KI-Tool den historischen Text entschlüsselt und ein Liebesdrama ans Licht gebracht.
Der älteste Valentinsbrief der Welt
Der Brief vom Februar 1477 gilt als der älteste bekannte Valentinsbrief. Er ist Teil der berühmten „Paston Letters“, einer Sammlung von über 1000 Dokumenten der Landadelsfamilie Paston aus der Zeit zwischen 1422 und 1509. Die Briefe werden unter anderem in der British Library aufbewahrt und sind für Historiker eine wertvolle Quelle über das England des 15. Jahrhunderts. Allerdings sind die alten Schriften oft schwer lesbar: Das Mittelenglisch unterscheidet sich stark von der heutigen Sprache, und auch Rechtschreibung sowie Grammatik weichen ab.
KI macht den Brief lesbar
Das Tool Scribe der Ahnenforschungsplattform MyHeritage nutzte Künstliche Intelligenz, um den Brief zu analysieren, lesbar zu machen und ins moderne Englisch zu übersetzen. Dabei kamen bewegende Details zum Vorschein.
Margery zwischen Liebe und Geld
Margery nennt John Paston III. „mein geliebter Valentine“. Die Zeilen offenbaren einen tiefen Konflikt: Die junge Frau musste sich zwischen ihrer Liebe und dem Geld ihrer Familie entscheiden. Ihr Vater sollte eine höhere Mitgift zahlen, weigerte sich jedoch, da er eine bessere Partie für seine Tochter wünschte. Die Hochzeit stand auf der Kippe. Margery schrieb: „Aber wenn du mich liebst, wie ich fest davon überzeugt bin, wirst du mich deshalb nicht verlassen.“ Und sie versicherte ihm: „Selbst wenn du nicht halb so viel verdienen würdest, wie du verdienst, würde ich dich nicht im Stich lassen.“
Das glückliche Ende
Am Ende des Briefes betont Margery: „Und wenn meine Freunde behaupten, ich täte etwas Falsches, sollen sie mich nicht davon abhalten, mein Herz zu bewahren und dich immer mehr über alles Irdische zu lieben.“ Die Romanze nahm ein gutes Ende: Margery und John heirateten und bekamen drei Kinder. Nachfahren der Familie, die MyHeritage ausfindig machte, freuten sich über die Übersetzung. Der Archäologe Rob Edwards sagte laut „Daily Mail“: „Es erinnert einen wirklich daran, dass die Menschen, die man erforscht, uns sehr ähnlich sind.“ Ein anderer Nachkomme bemerkte schmunzelnd zu Margerys Hartnäckigkeit: „Wir sind immer noch stur.“



