Madrid – Die Passagiere an Bord der „Hondius“ wollen nur noch eines: das Schiff verlassen, endlich nach Hause und den Albtraum hinter sich lassen. Am Sonntag soll das Expeditionsschiff, auf dem vor knapp einer Woche das Hantavirus ausgebrochen ist, im Hafen von Granadilla de Abona auf Teneriffa anlegen. Das sorgt für heftigen politischen Streit, denn die Kanarische Regionalregierung will das Seuchenschiff nicht im Hafen haben.
Konflikt zwischen Regional- und Zentralregierung
Die Meinungsgegner sind Kanaren-Präsident Fernando Clavijo und der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez. Letzterer hatte die Genehmigung für das Anlegen der Hondius im Hafen Teneriffas mit der Weltgesundheitsorganisation abgestimmt. Der kanarische Regionalpräsident Clavijo äußerte nun Vorwürfe: Dies sei geschehen, ohne dass er informiert wurde. Die spanische Zentralregierung widerspricht und erklärt, die Kanaren seien jederzeit eingebunden gewesen. Clavijo fühlt sich hintergangen und befürchtet wirtschaftliche Schäden für den Tourismus, da weltweit über das infizierte Schiff berichtet wird.
Angst vor Tourismus-Einbrüchen
Bereits am Montag waren erste Informationen über die mögliche Ankunft des Schiffs bekannt geworden. Clavijo verlangte sofort Auskunft darüber, unter welchen Sicherheitsbedingungen das Anlegen erlaubt werde. Nach eigenen Angaben musste er Informationen zunächst über Medienberichte zusammentragen.
Demo gegen Hondius geplant
Auch bei den Inselbewohnern ist die Angst vor dem Seuchenschiff groß: Für Donnerstagabend wurde auf Gran Canaria eine Demonstration gegen die geplante Ankunft des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ angekündigt. Die Initiatoren fordern mehr Transparenz, gesundheitliche Sicherheitsgarantien und Kontrolle im Umgang mit dem Schiff. Auf den verbreiteten Protestplakaten stehen Slogans wie „Gesundheit ist nicht verhandelbar“ und „Unsere Inseln sind kein Experiment“.
Flugzeug mit Infizierten landet auf Kanaren
Unterdessen gab es am Mittwoch einen Zwischenfall mit einem Flugzeug, das zwei erkrankte Hantavirus-Patienten vom Schiff, das vor Kap Verde lag, ausflog. Die Maschine landete ungeplant auf den Kanarischen Inseln. Das spanische Gesundheitsministerium teilte kurz danach mit, die zwei Patienten müssten wegen technischer Probleme mit einer anderen Maschine weiterfliegen. Aus Kreisen des Ministeriums hieß es, der Arzt an Bord habe beim Auftanken einen „Fehler im Stromversorgungssystem“ bei einem Patienten bemerkt. Die spanische Regierungsdelegation auf den Kanaren erklärte, dass die gesamte Operation nur unter der Bedingung genehmigt wurde, dass während des Aufenthalts auf dem Rollfeld niemand das Flugzeug betritt oder verlässt.
30 Passagiere verließen Schiff auf St. Helena
Am Donnerstag wurde bekannt: Rund 30 Passagiere des Expeditionsschiffs sind bereits auf der abgelegenen südatlantischen Insel St. Helena von Bord gegangen – und zwar, nachdem der erste Passagier gestorben war. Dies teilten niederländische Behörden mit. Unter den Passagieren sei auch die Ehefrau eines verstorbenen Niederländers gewesen: Die niederländische Kreuzfahrtgesellschaft, die das Schiff betreibt, hatte zuvor mitgeteilt, dass sie gemeinsam mit der Leiche ihres Mannes auf St. Helena von Bord gegangen sei. Anschließend flog sie mit einem Linienflugzeug nach Südafrika und starb, nachdem sie auf einem Flughafen in Johannesburg zusammengebrochen war. Allerdings hatte das Unternehmen bislang nicht eingeräumt, dass noch weitere Personen auf St. Helena das Schiff verlassen hatten.



