Zeckenalarm in Sachsen-Anhalt: Deutlicher Anstieg von FSME und Borreliose
Mit dem Frühlingsbeginn startet in Sachsen-Anhalt die Zeckensaison mit besorgniserregenden Entwicklungen. Die winzigen Parasiten, die in Wäldern, Parks und sogar privaten Gärten lauern, übertragen gefährliche Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die aktuellen Zahlen zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend, der Naturfreunde alarmieren sollte.
Besorgniserregende Infektionszahlen
Bereits in den ersten Wochen der Zeckensaison 2026 wurden im Bundesland Sachsen-Anhalt beunruhigende Meldungen registriert. Das Landesamt für Verbraucherschutz verzeichnete bis zum 10. April insgesamt 163 Borreliose-Fälle. Zwar traten in diesem Jahr bislang keine FSME-Erkrankungen auf, doch der langfristige Trend gibt Anlass zur Sorge.
Ein Blick auf die vergangenen Jahre offenbart eine dramatische Entwicklung: Während 2020 noch etwa 500 Borreliose-Infektionen gemeldet wurden, schnellte die Zahl 2025 bereits auf über 1.700 Fälle hoch. Auch die FSME-Meldungen haben zugenommen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei der bakteriellen Borreliose.
Risikogebiete in Sachsen-Anhalt
Laut dem Robert Koch-Institut gelten in Sachsen-Anhalt mehrere Regionen als Hochrisikogebiete für FSME-Erkrankungen. Besonders betroffen sind die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau. Seit 2026 zählt auch der Stadtkreis Halle (Saale) zu den Risikogebieten.
Interessant ist die grenzüberschreitende Dimension: Der benachbarte Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg wurde ebenfalls zum FSME-Risikogebiet erklärt und grenzt direkt an den Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Diese geografische Ausbreitung unterstreicht die regionale Bedeutung des Themas.
Effektiver Schutz vor Zeckenstichen
Obwohl die Wahrscheinlichkeit schwerer Langzeitschäden nach einem Zeckenstich statistisch gering ist, sollten Schutzmaßnahmen von Frühjahr bis Herbst ernst genommen werden. Experten empfehlen einfache, aber wirksame Vorkehrungen:
- Langärmelige, helle Kleidung tragen
- Feste Schuhe und Socken anziehen
- Socken über die Hosenbeine ziehen
- Chemische Abwehrmittel zeitlich begrenzt einsetzen
Besonders wichtig ist die gründliche Kontrolle nach Aufenthalten in der Natur. Zecken bevorzugen weiche Hautstellen wie Arm- und Kniebeugen, Achselhöhlen, den Haaransatz oder den Genitalbereich. Kinder sollten besonders sorgfältig abgesucht werden.
Übertragene Krankheiten im Detail
Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen, wobei zwei besonders relevant sind:
Borreliose: Diese bakterielle Infektion wird durch Borrelien verursacht, die im Mitteldarm von etwa 30 Prozent der Holzböcke vorkommen. Die Übertragung dauert mehrere Stunden, weshalb eine schnelle Entfernung der Zecke das Risiko deutlich reduziert. Typisches Anzeichen ist eine juckende Rötung um die Einstichstelle. Nach RKI-Berechnungen erkranken nur 0,3 bis 1,4 Prozent der Gestochenen tatsächlich. 2021 wurde bei etwa 325.000 gesetzlich versicherten Patienten Borreliose diagnostiziert.
FSME: Diese virale Hirn- oder Rückenmarkentzündung wird durch Viren in den Speicheldrüsen der Zecken übertragen und kann innerhalb weniger Minuten infektiös werden. Gegen FSME existiert eine Impfung, die besonders für Risikogebiete empfohlen wird. In Deutschland treten jährlich nur 300 bis 600 gemeldete Fälle auf, da selbst in Risikogebieten maximal fünf Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert sind. In seltenen Fällen kann FSME tödlich verlaufen oder Langzeitschäden verursachen.
Klimawandel und neue Zeckenarten
Wärmere Winter begünstigen die Ausbreitung nicht-heimischer Zeckenarten in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Auwaldzecken, Reliktzecken, Braune Hundezecken und Zecken der Gattung Hyalomma beobachtet. Diese machen derzeit nur ein bis zwei Prozent aller Zeckenstiche aus, verhalten sich aber anders als heimische Holzböcke: Sie krabbeln aktiv auf Menschen und andere Wirte zu.
Besonders beunruhigend ist das potenzielle Risiko neuer Krankheiten: Reliktzecken können in Asien schweres Fieber mit Blutungsrisiko übertragen, während Hyalomma-Zecken das gefährliche Krim-Kongo-Fieber verbreiten können. Bisher wurden diese Erreger in Deutschland noch nicht in Zecken nachgewiesen, und es gab keine nachgewiesenen Ansteckungsfälle. Wissenschaftler beobachten jedoch, dass Millionen von Hyalomma-Larven jährlich mit Zugvögeln nach Deutschland gelangen.
Die zunehmende Ausbreitung neuer Zeckenarten könnte das ökologische Gleichgewicht stören und das Infektionsrisiko langfristig verändern. Steigende Temperaturen und geringere Luftfeuchtigkeit könnten diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen.
Fazit: Die Zeckensituation in Sachsen-Anhalt erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Durch einfache Schutzmaßnahmen, regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls Impfungen können Naturfreunde das Risiko jedoch deutlich minimieren und die warme Jahreszeit unbeschwert genießen.



