Zeckengefahr in Sachsen-Anhalt: FSME und Borreliose im Fokus - So schützen Sie sich effektiv
Zeckengefahr in Sachsen-Anhalt: FSME und Borreliose im Fokus

Zeckensaison in Sachsen-Anhalt: Gefahr durch FSME und Borreliose nimmt zu

Mit den ersten wärmeren Frühlingstagen beginnt in Sachsen-Anhalt die alljährliche Zeckensaison. Die kleinen Blutsauger lauern nicht nur in Wäldern, sondern auch in Parks, Gärten und auf Wiesen. Experten des Landesamts für Verbraucherschutz mahnen zur besonderen Vorsicht, da Zecken gefährliche Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose übertragen können.

FSME-Fälle in Sachsen-Anhalt: Besorgniserregende Zahlen

In den Jahren 2020 bis 2024 wurden in Sachsen-Anhalt insgesamt 18 FSME-Fälle registriert. Die bundesweite Entwicklung zeigt einen alarmierenden Trend: Im Jahr 2025 wurden deutschlandweit 693 FSME-Erkrankungen gemeldet. Diese Zahl stellt die dritthöchste Erkrankungsrate seit Beginn der systematischen Datenerfassung im Jahr 2001 dar.

Besonders betroffen sind in Sachsen-Anhalt die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau, die als Hochrisikogebiete für FSME gelten. Seit 2026 zählt auch der Stadtkreis Halle (Saale) zu diesen Risikoregionen. Zudem wurde der benachbarte Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg ebenfalls zum FSME-Risikogebiet erklärt, was die grenzüberschreitende Gefahr unterstreicht.

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Schutzmaßnahmen: Einfache Mittel mit großer Wirkung

Die gute Nachricht: Der Schutz vor Zeckenstichen ist mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich. Experten empfehlen:

  • Tragen von langer, heller Kleidung, die die Haut bedeckt
  • Feste Schuhe und das Hochziehen der Socken über die Hosenbeine
  • Verwendung von chemischen Abwehrmitteln, ähnlich wie bei Mückenschutz
  • Gründliche Körperkontrolle nach Aufenthalten in der Natur

Besonders wichtig ist das Absuchen von Kindern nach Spaziergängen in freier Natur. Zecken bevorzugen weiche Hautstellen wie Arm- und Kniebeugen, Achselhöhlen, den Haaransatz und den Genitalbereich.

Borrelien: Die unterschätzte Gefahr

Neben FSME stellen Borrelien eine weitere ernsthafte Bedrohung dar. Rund 30 Prozent der in Deutschland verbreiteten Gemeinen Holzböcke tragen diese Bakterien in sich. Die Borrelien befinden sich im Mitteldarm der Zecken, weshalb ihre Übertragung auf den menschlichen Organismus mehrere Stunden dauert.

Eine frühzeitige Entfernung der Zecke kann daher eine Infektion mit Borreliose verhindern. Typisches Anzeichen einer Infektion ist eine juckende Rötung rund um die Einstichstelle, die sich im Verlauf ausbreiten kann.

Interessanterweise erkranken laut Berechnungen des Robert Koch-Instituts nur 0,3 bis 1,4 Prozent der Menschen, die von einer Zecke gestochen werden, tatsächlich an Borreliose. Der menschliche Körper kann die Bakterien oft erfolgreich bekämpfen. Dennoch wurden 2021 bei etwa 325.000 gesetzlich versicherten Patienten in Deutschland eine Lyme-Borreliose diagnostiziert.

Klimawandel und neue Zeckenarten

Durch die zunehmend milderen Winter breiten sich in Deutschland neue Zeckenarten aus, die ursprünglich nicht hier heimisch waren. Dazu gehören:

  1. Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus)
  2. Reliktzecken (Haemaphysalis concinna)
  3. Braune Hundezecken (Rhipicephalus sanguineus)
  4. Zecken der Gattung Hyalomma

Diese Arten machen derzeit nur etwa ein bis zwei Prozent aller Zeckenstiche in Deutschland aus, zeigen jedoch ein verändertes Verhalten: Anders als der Gemeine Holzbock, der auf Gräsern und Sträuchern wartet, krabbeln diese Zecken aktiv auf potenzielle Wirte zu.

Besonders besorgniserregend ist, dass einige dieser neu eingewanderten Arten Krankheiten übertragen können, die bisher in Deutschland nicht vorkamen. Reliktzecken gelten in Asien als Überträger von schwerem Fieber mit Blutungsrisiko, während Hyalomma-Zecken das gefährliche Krim-Kongo-Fieber übertragen können. Bisher wurden diese Erreger in Deutschland noch nicht in Zecken nachgewiesen, und es gab keine dokumentierten Ansteckungsfälle.

Prävention und Impfung: Die beste Verteidigung

Gegen FSME steht eine wirksame Impfung zur Verfügung, die besonders für Bewohner und Besucher von Risikogebieten empfohlen wird. Neben den bekannten Hochrisikoregionen in Baden-Württemberg und Bayern zählen dazu auch Teile von Hessen, Thüringen, Sachsen und einzelne Landkreise in anderen Bundesländern.

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FSME-Infektionen sind in Deutschland meldepflichtig und treten mit 300 bis 600 Fällen pro Jahr vergleichsweise selten auf. Dies liegt auch daran, dass selbst in Risikogebieten nur bis zu fünf Prozent der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert sind. Dennoch können Infektionen in seltenen Fällen tödlich verlaufen oder Langzeitschäden wie Lähmungserscheinungen verursachen.

Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich schwere gesundheitliche Schäden zu erleiden, bleibt insgesamt gering. Dennoch raten Gesundheitsexperten zu konsequenten Schutzmaßnahmen von Frühjahr bis Herbst, um das Risiko einer Infektion mit FSME oder Borreliose zu minimieren.