Familie kritisiert Pflegeskandal in geschlossener Seniorenresidenz: Fünf Wochen ohne Dusche
Pflegeskandal: Fünf Wochen ohne Dusche in Seniorenheim

Pflegeskandal in Laatzen: Familie berichtet von fünf Wochen ohne Dusche für MS-Patienten

Die Schließung der Seniorenresidenz Ambiente Care in Laatzen bei Hannover hat einen erschütternden Pflegeskandal offenbart. Die Familie des 77-jährigen Joachim, der seit drei Jahrzehnten an Multipler Sklerose leidet, berichtet von unhaltbaren Zuständen in der Einrichtung, die am 1. April auf Anordnung der Heimaufsicht geschlossen wurde.

Panische Angst und Blitz-Umzug für 59 Bewohner

„Wir hatten panische Angst, dass mein Vater plötzlich ohne Versorgung dasteht“, schildert Tochter Nadine (45) die dramatischen Stunden nach der überraschenden Schließungsankündigung. Innerhalb weniger Stunden mussten alle 59 Bewohner die Einrichtung verlassen, nur 13 fanden direkt in anderen Heimen Unterkunft. Für den bettlägerigen Joachim, ehemaliger Kriminalhauptkommissar, organisierte die Familie im Dr. med. Anne Wilkening Pflegeheim einen neuen Platz.

Der Umzug gestaltete sich jedoch alles andere als reibungslos. Der gebuchte Transportdienst verspätete sich, woraufhin der schwer kranke Senior die zwei Kilometer zum neuen Heim im Elektrorollstuhl zurücklegen musste – begleitet nur von seinem neunjährigen Enkel Jonatan. „Das wäre gesundheitlich gefährlich gewesen“, erklärt Ehefrau Doris (76) die Entscheidung.

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Gravierende Missstände in der Pflege

Im neuen Zuhause angekommen, deckt die Familie nun die erschreckenden Zustände im alten Heim auf. Doris berichtet: „Früher wurde im Haus frisch gekocht, später kam das Essen nur noch von außen. Das war einfach nicht mehr gut.“ Dreimal pro Woche brachte sie selbst warme Mahlzeiten mit, um ihren Ehemann angemessen zu versorgen.

Doch die größten Probleme betrafen die Grundpflege: „Auf die Klingel kam oft keiner“, so Doris. Häufig habe sie ihren Mann selbst pflegen müssen. Der schockierendste Vorfall: „Es ist passiert, dass er fünf Wochen lang nicht geduscht wurde.“ Tochter Nadine ringt noch immer mit den Erlebnissen: „Man vertraut einem Heim sein Wichtigstes an. Und dann das!“

Familie hoffte bis zuletzt auf Besserung

Die Familie hatte trotz der offensichtlichen Missstände bis zuletzt gehofft, dass sich die Situation in der Seniorenresidenz bessern würde, und meldete die Vorfälle deshalb nicht bei den Behörden. „Man möchte doch, dass der eigene Mann vernünftig versorgt wird“, begründet Doris ihr Zögern.

Zwei Tage nach dem erzwungenen Umzug zeigt sich Joachim nun erleichtert in seiner neuen Umgebung. Mit leiser Stimme sagt der 77-Jährige: „Ich bin glücklich, fühle mich wohl hier.“ Frische Bettwäsche, ein ruhiges Zimmer und verlässliche Pflegekräfte rund um die Uhr bieten ihm endlich die Versorgung, die er verdient.

Die Schließung der Seniorenresidenz Ambiente Care wirft grundsätzliche Fragen zur Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen auf und zeigt, wie wichtig regelmäßige Kontrollen durch die Heimaufsicht sind. Für Joachim und seine Familie beginnt nun ein neues, hoffentlich sorgenfreieres Kapitel.

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