Wilma-Pflegeunternehmen trotz Insolvenz optimistisch: 40 vietnamesische und indische Auszubildende halten Treue
Wilma trotz Insolvenz optimistisch: 40 Auszubildende halten Treue

Wilma-Pflegeunternehmen trotz Insolvenz optimistisch: 40 vietnamesische und indische Auszubildende halten Treue

Das Neubrandenburger Pflegeunternehmen Wilma befindet sich nach einer Insolvenzanmeldung im vergangenen September im Sanierungsverfahren. Geschäftsführerin Lisa Cziborra, die das Unternehmen gemeinsam mit Julia Brendicke führt, äußert sich im Interview zu den Hintergründen, den laufenden Ermittlungen und den Zukunftsplänen.

Unregelmäßigkeiten und juristische Verfahren

"Wir haben Unregelmäßigkeiten in der Vergangenheit gefunden, die wir derzeit im Rahmen des Sanierungsverfahrens aufarbeiten", erklärt Cziborra. Es gebe laufende juristische Verfahren, an denen mehrere Parteien beteiligt seien. Der Ausgang dieser Verfahren müsse abgewartet werden, um vollständige Klarheit zu erhalten. Die Staatsanwaltschaft sowie Anwälte und Steuerberater würden bestimmte Entwicklungen und Vorgänge aus der Vergangenheit untersuchen.

"Es gab Vorgänge in jüngerer Vergangenheit, die zu Anzeigen geführt haben", bestätigt die Geschäftsführerin. Zum genauen Stand möglicher Ermittlungen gegen die vorherige Geschäftsführung könne sie jedoch keine Informationen geben. Trotz dieser Belastungen konzentriere man sich im Unternehmen auf die Zukunft und versuche, Wilma neu zu strukturieren.

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Volle Unterstützung von Mitarbeitern und Kunden

Erstaunlicherweise habe weder von Klienten noch von den 160 Mitarbeitern eine Kündigung vorgelegen. "Ich kann nur immer wieder voller Freude betonen, dass wir weder von Klienten noch von Mitarbeitern eine Kündigung erhalten haben", so Cziborra. Sie führt dies auf ihre langjährige Präsenz im Unternehmen seit 2017 zurück sowie auf offene Kommunikation.

Besonders erwähnenswert: Mehr als 40 vietnamesische und indische Auszubildende gehören zum Team. "Ich kenne alle 160 Mitarbeiter persönlich, auch die mehr als 40 vietnamesischen und indischen Auszubildenden", betont Cziborra. Um Ängste in der Belegschaft abzubauen, wurde ein unternehmensinterner Kummerkasten eingerichtet, wo Mitarbeiter informiert werden und Fragen stellen können.

Insolvenzplan und positive Geschäftszahlen

Die Geschäftsführung ist optimistisch, bis zum 31. August das Insolvenzverfahren abschließen zu können. "Derzeit wird der Insolvenzplan vorbereitet", erklärt Cziborra. "Da ist alles schwarz, und zwar solide schwarz." Das Problem sei nicht der Geschäftsbetrieb selbst gewesen, sondern zusätzliche Zahlungsforderungen, die auf das Unternehmen zugekommen seien.

Die Zusammenarbeit mit Insolvenzverwalter Busching aus Neubrandenburg beschreibt Cziborra als sehr gut. "Er weiß, wie solche Verfahren betreut werden müssen, und auch, dass es wichtig ist, die Beschäftigten dabei mitzunehmen", so die Geschäftsführerin. Die Idee des Kummerkastens stamme sogar von der Kanzlei des Insolvenzverwalters.

Ausbau der Palliativversorgung und internationale Ausbildung

Trotz der Insolvenz blickt Wilma nach vorn und plant den Ausbau der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV). Seit Januar begleitet das Unternehmen Patienten im Sterbeprozess ambulant – etwa in der Häuslichkeit oder in ambulanten Wohnformen. "Wir haben in diesem Bereich hochqualifiziertes Fachpersonal und glauben, dass das Thema weiter an Bedeutung gewinnen wird", sagt Cziborra.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg ist die internationale Personalgewinnung. "Ohne ausländischen Zuzug ist das Personalproblem in der Pflege nicht zu lösen", betont die Geschäftsführerin. Wilma setze seit Jahren auf Kräfte aus Vietnam und Indien und arbeite mit Agenturen in beiden Ländern zusammen. Die Ausbildung sei hochqualifiziert mit einem reinen Ausbildungsteam und Praxisanleitern.

Netzwerk statt Prominenz

Anders als ihr prominenter Vorgänger setzt Cziborra auf Netzwerkarbeit statt auf öffentliche Präsenz. "Wir werden uns als Unternehmen weiterhin für das Thema einsetzen. Aber das muss nicht unbedingt prominent passieren", erklärt sie. Als "Netzwerkfreundin" wolle sie sich mit anderen Vertretern der Branche gemeinsam für wichtige Themen einsetzen. Vorerst gelte ihre Konzentration jedoch dem Unternehmen Wilma und dem Weg aus der Insolvenz.

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Für die verbundenen Unternehmen der Unternehmensgruppe, zu der auch Emil oder TheraExpert gehören, sieht Cziborra ebenfalls eine Zukunft. Lediglich im gastronomischen Bereich – etwa der Hafenstunde – möchte man nicht mehr tätig sein.