Carolin Kebekus warnt vor dramatischen Folgen der Honorarkürzungen für Psychotherapeuten
Die Komikerin und Moderatorin Carolin Kebekus, 45, hat sich in einem eindringlichen Appell gegen die jüngsten Honorarkürzungen für Psychotherapeuten ausgesprochen. Die um 4,5 Prozent gesenkten Vergütungen psychotherapeutischer Leistungen seien völlig kontraproduktiv und würden die ohnehin angespannte Versorgungslage für gesetzlich Versicherte weiter verschärfen.
Psychotherapie droht zum "Eliten-Ding" zu werden
"Meine Befürchtung ist, dass sich viele Psychotherapeuten dann auf Privatpatienten konzentrieren werden, weil sie mit denen mehr verdienen können", erklärte Kebekus gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Dann wird Psychotherapie ein Eliten-Ding." Die Moderatorin betonte, dass psychische Gesundheit für alle Menschen gleichermaßen wichtig sei und nicht vom finanziellen Status abhängen dürfe.
Kebekus wies darauf hin, dass Psychotherapie in der Gesellschaft immer noch mit Tabus behaftet sei. "Wenn wir ein körperliches Problem haben, dann ist es klar, dass wir damit zum Arzt gehen", sagte sie. Menschen mit Depressionen oder Ängsten trauten sich jedoch häufig nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Ich glaube, dass wir als Gesellschaft sehr viel davon hätten, wenn Psychotherapie zugänglicher und bezahlbarer wäre", so die 45-Jährige.
Kritik an Verbeamtungspraxis für therapierte Lehrer
Besonders absurd findet Kebekus die Praxis, dass Menschen, die eine Therapie absolviert haben, als Lehrerinnen oder Lehrer nicht mehr verbeamtet werden. "Anstatt es anzuerkennen, dass sie etwas für ihre mentale Gesundheit getan haben, werden sie bestraft", kritisierte die Moderatorin. Dabei wäre es doch wünschenswert, psychisch gesunde Lehrkräfte in den Schulen zu haben.
Nach Angaben des Lehrerverbands hängt eine Verbeamtung unter anderem von einer Untersuchung durch den Amtsarzt ab. Ob eine psychotherapeutische Behandlung ein Ausschlusskriterium darstelle, hänge immer vom Einzelfall ab. Der Amtsarzt beurteile, ob die Person mit großer Wahrscheinlichkeit bis zur gesetzlichen Regelaltersgrenze den Beruf ausüben könne.
Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert Kürzungen
Die umstrittenen Honorarkürzungen wurden ab dem 1. April von einem gemeinsamen Ausschuss der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) beschlossen. Die KBV selbst sowie zahlreiche Interessenvertretungen von Psychotherapeuten kritisieren die Entscheidung jedoch scharf.
Die aktuelle Situation verschärft ein ohnehin bestehendes Problem: Viele Menschen in Deutschland suchen nach psychologischer Hilfe, finden jedoch keinen Behandlungsplatz. Die Honorarkürzungen könnten diese Situation weiter verschlechtern und Wartezeiten zusätzlich verlängern.
Carolin Kebekus fordert daher eine grundlegende Veränderung im Umgang mit psychischer Gesundheit: Mehr Zugänglichkeit, bessere Bezahlbarkeit und eine Entstigmatisierung psychotherapeutischer Behandlungen seien dringend notwendig, um eine gerechte Gesundheitsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.



