Roßlau/MZ. - Sie war nicht dafür gedacht, Mauern zu durchschlagen oder Häuser zu zerstören. Die Aufgabe der unscheinbaren Eisenkugel, die der Historiker Hans Schwahn in der Hand hält, war weitaus brutaler. „Sie wurde auf die gegnerischen Truppen abgefeuert und konnte bis zu zehn Soldaten töten. Entweder wurden sie durchschossen oder ihnen wurden Gliedmaßen abgerissen“, erklärt er und legt das zwei Pfund schwere Geschoss mit seinen weißen Stoffhandschuhen zurück in den Kunststoffbeutel. Dort ist es vor Sauerstoff und Korrosion geschützt – zumindest vorerst. „Die Kugel muss bald nach Halle gebracht werden, wo sie konserviert wird. Würde man sie an der Luft liegen lassen, würde sie sich auflösen“, sagt Schwahn.
Der 400. Jahrestag der Schlacht an der Elbbrücke hat bei Archäologen großes Interesse geweckt. Bei einer gezielten Suche auf dem ehemaligen Schlachtfeld stießen sie auf dieses Relikt aus dem Dreißigjährigen Krieg. Der Fund wirft nun die Frage auf, ob eine groß angelegte Ausgrabung folgen wird. Die Kanonenkugel ist ein seltenes Zeugnis der damaligen Kriegsführung und könnte weitere Erkenntnisse über die Schlacht liefern.
Historischer Hintergrund der Schlacht
Die Schlacht an der Elbbrücke fand vor 400 Jahren statt und war Teil des Dreißigjährigen Krieges, der von 1618 bis 1648 tobte. In dieser Zeit kämpften verschiedene Mächte um die Vorherrschaft in Europa. Die Region um Roßlau war damals ein strategisch wichtiger Punkt, da die Elbbrücke eine entscheidende Verbindung darstellte. Der Fund der Kanonenkugel unterstreicht die Bedeutung dieses Ortes für die historische Forschung.
Weitere Schritte der Archäologen
Experten prüfen nun, ob der Boden in Roßlau weitere Überreste der Schlacht birgt. Eine systematische Ausgrabung könnte nicht nur weitere Geschosse, sondern auch andere Artefakte wie Waffenteile oder persönliche Gegenstände der Soldaten zutage fördern. Die Stadt Roßlau und die zuständigen Behörden zeigen sich offen für solche Untersuchungen, sofern die Finanzierung gesichert ist. Die konservierte Kanonenkugel wird voraussichtlich in einem Museum ausgestellt werden, um der Öffentlichkeit einen Einblick in die Geschichte zu geben.
Hans Schwahn betont die Bedeutung solcher Funde: „Jedes Relikt erzählt eine Geschichte. Diese Kugel ist ein stummer Zeuge einer grausamen Schlacht, die vor vier Jahrhunderten stattfand.“ Er hofft, dass der Fund das Bewusstsein für die lokale Geschichte schärft und mehr Menschen für die Archäologie begeistert.



