Das Doberaner Münster in Mecklenburg-Vorpommern ist von der Bundesingenieurkammer als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet worden. Es handelt sich laut der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern um das erste sakrale Bauwerk in Deutschland, das diesen Titel erhält. Mit der Ehrung wird ein Bauwerk gewürdigt, das für die Entwicklung innovativer Konstruktionen im mittelalterlichen Ingenieurbau steht, wie eine Sprecherin mitteilte.
Minister: Bedeutung vielen nicht klar
„Bauwerke prägen Menschen und Regionen. Das Doberaner Münster unterstreicht dies eindrücklich. Die bautechnische Bedeutung des Münsters ist dagegen vielen Menschen sicherlich nicht bewusst“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Bauminister Christian Pegel (SPD).
Zu einer Feier am Donnerstag waren rund 100 Gäste aus den Bereichen Ingenieurwesen, Denkmalpflege, Wissenschaft, Kirche, Politik und Baukultur nach Bad Doberan (Landkreis Rostock) eingeladen. Dabei wurde unter anderem die Plakette „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ enthüllt. Veranstalter waren die Ingenieurkammer MV und die zuständige Kirchengemeinde.
Münster zeitweise in schlechtem Zustand
„Uns freut, dass die Würdigung des Doberaner Münsters durch die Bundesingenieurkammer noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses technische Denkmal in Mecklenburg lenken wird“, teilte Gesa Haroske, Präsidentin der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern, mit. Zeitweise sei das Münster im Verlauf der Jahrhunderte in einem eher schlechten Zustand gewesen, sagte Münsterkustos Martin Heider in einem Film anlässlich der Auszeichnung. Heute dazu beitragen zu können, dass die vor über 700 Jahren erbaute Kirche und deren reiche Ausstattung erhalten bleiben können, sei eine schöne Aufgabe. „Wir sind dankbar über die Fördergelder und Spenden, die dies ermöglichen.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch eine Publikation vorgestellt, die Baugeschichte, Konstruktion und ingenieurtechnische Bedeutung des Münsters darstellt.
Münster so groß wie eine Kathedrale
Das im späten 13. Jahrhundert errichtete Münster zählt zu den herausragenden Beispielen der Backsteingotik im Ostseeraum. Mit einer Länge von 81 Metern, einer Breite von 40 Metern und einer Raumhöhe von 26 Metern besitzt das Bauwerk die Maße einer Kathedrale. Es dokumentiert die erfolgreiche Übertragung der im Natursteinbau entwickelten gotischen Konstruktionsprinzipien auf das Material des Ziegels. Dabei entstanden eigenständige Lösungen, die den innovativen Charakter des Münsters bis heute ablesbar machen.
Die Bundesingenieurkammer ehrt seit 2007 historisch bedeutende Ingenieurbauwerke mit dem Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Voraussetzung ist, dass sich die Bauwerke in Deutschland befinden und älter als 50 Jahre sind.



