Stralsunds Marienkirche: Einst höchster Turm der Welt bietet spektakuläre Aussicht
Marienkirche Stralsund: Einst höchster Turm der Welt

Stralsunds Marienkirche: Ein monumentales Erbe der Backsteingotik

Die Hansestadt Stralsund, das berühmte Tor zur Insel Rügen, glänzt mit einem schier unerschöpflichen Reichtum an historischen Sehenswürdigkeiten. Für einen perfekten Überblick empfiehlt sich der Aufstieg auf den höchsten Turm der Stadt: den Turm der St. Marienkirche am Neuen Markt. Stolze 366 Stufen – davon 226 aus Stein und 140 aus Holz – führen auf eine Höhe von 90 Metern zu einem Aussichtsplateau, das einen atemberaubenden Panoramablick über die Altstadt und die Ostsee bietet.

Ein Turm mit weltgeschichtlicher Dimension

Der heutige Turm misst 104 Meter, doch historischen Überlieferungen zufolge soll er zwischen 1549 und 1647 mit einer Höhe von 151 Metern das höchste Bauwerk der Welt gewesen sein. Im Jahr 1549 wurde die gotische Turmspitze fertiggestellt, die dieser imposanten Kirche zu dieser rekordverdächtigen Höhe verhalf. Leider wurde diese Spitze 1647 durch einen verheerenden Blitzschlag zerstört, sodass die genauen Maße heute nicht mehr vollständig gesichert sind. Dennoch bleibt die Marienkirche ein faszinierendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst.

Erstmals im Jahr 1298 urkundlich erwähnt, ist St. Marien die größte Pfarrkirche Stralsunds und ein Meisterwerk der spätgotischen Architektur in Mitteleuropa. Im Volksmund wird sie als „die Mächtige“ bezeichnet, was ihre dominante Stellung im Stadtbild unterstreicht. Von 1475 bis 1478 wurde intensiv am Turm gebaut, und 1485 erhielt er eine Kupferbedachung. Eine erste hohe Spitze stürzte bereits 1495 während eines Sturms ein, wurde aber wieder aufgesetzt und trug maßgeblich zur legendären Höhe bei.

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Architektonische Pracht und wechselvolle Geschichte

Das Bauwerk wurde überwiegend aus rotem Backstein errichtet, wobei die westlichen Strebetürme bis zu 36 Meter hoch mit Kalkstein verblendet sind. Im Sockelbereich kam Granit zum Einsatz. Die Kirche ist 100 Meter lang, das Mittelschiff erreicht eine Höhe von 32,9 Metern, und der Innenraum erstreckt sich auf bis zu 96 Meter Länge und 41 Meter Breite – ein gewaltiger Raumeindruck, den Besucher unbedingt vor dem Turmaufstieg genießen sollten.

Leider ist von der ursprünglich reichen Innenausstattung nur wenig erhalten geblieben. Sowohl der Bildersturm während der Reformation als auch ein großer Stadtbrand im Jahr 1647 vernichteten nahezu das gesamte Inventar. In der Folge diente die Kirche von 1807 bis 1810 französischen Besatzungstruppen als Kaserne und Heumagazin. Während des Bombenangriffs auf Stralsund am 6. Oktober 1944 erlitt das Gotteshaus weitere Schäden. Seit 1990 wurden jedoch umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt, darunter die Erneuerung der außergewöhnlich großen Kirchenfenster und die Restaurierung der berühmten Stellwagen-Orgel.

Praktische Informationen für Besucher

Der Aufstieg zum Turm der Marienkirche ist ganzjährig möglich, erfordert jedoch eine gewisse körperliche Fitness. Die aktuellen Öffnungszeiten vom 1. Mai bis 31. Oktober 2025 sind von Montag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr, wobei in der Wintersaison verkürzte Zeiten gelten. Der letzte Aufstieg erfolgt eine halbe Stunde vor Schließung. Der Eintrittspreis beträgt 5 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder.

Weitere Highlights der Hansestadt

Neben der mächtigen Marienkirche bereichern zwei weitere mittelalterliche Pfarrkirchen das Stadtbild: die prächtige Nikolaikirche am Alten Markt und die schmächtige Jakobikirche. St. Nikolai, die älteste Kirche Stralsunds aus dem Jahr 1234, unterstreicht mit ihrer dreischiffigen Basilika und Doppelturmanlage den einstigen Machtanspruch und Reichtum der Hansestadt. Auffällig sind ihre zwei unterschiedlichen Türme, von denen einer nach einem Brand 1662 eine Barockhaube erhielt.

St. Jakobi, die jüngste und kleinste der drei Kirchen, dient heute als Kulturkirche und Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen und mehr. Nach einer Phase der Vernachlässigung, in der sie über 40 Jahre als Baustofflager genutzt wurde, hat eine Stiftung ihren Erhalt gesichert.

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Die Altstadt von Stralsund, die 2002 gemeinsam mit Wismar in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde, beeindruckt mit über 800 denkmalgeschützten Häusern, darunter viele ehemalige Kaufmannshäuser. Seit der Wende 1990 wurden Hunderte Gebäude saniert, darunter 363 Einzeldenkmale. Moderne Attraktionen wie das Ozeaneum mit seinen Aquarien und die geschwungene Rügenbrücke ergänzen das historische Ensemble perfekt.

Stralsund ist bequem per Bahn von Berlin, Rostock und Hamburg aus erreichbar, mit dem Auto über die A 20/B 194, B 105 und B 96. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für alle, die die einzigartige Atmosphäre einer lebendigen Hansestadt an der Ostsee erleben möchten.