Skulpteur Jörg Steegmüller: Von Darth Vader bis Batmobile - Die Magie der Animatronics
Skulpteur Steegmüller: Die Magie hinter Darth Vader und Batmobile

Die wundersame Welt des Skulpteurs Jörg Steegmüller

Wenn Jörg Steegmüller seinen Ausstellungsraum betritt, erwacht die Filmgeschichte zum Leben. "Es war ein Fehler, hierherzukommen", tönt eine bekannte Stimme aus den Lautsprechern. Doch der 51-jährige Skulpteur bleibt gelassen. "Dem Kollegen darf man nichts glauben, der lügt!", erwidert er schmunzelnd dem elektronisch gesteuerten Darth Vader, den er selbst erschaffen hat.

Eine Werkstatt voller Wunder

Die Räumlichkeiten von Steegmüllers Firma sind ein Sammelsurium bekannter Gesichter aus Film und Fernsehen. Neben dem dunklen Lord aus Star Wars finden sich hier Kermit der Frosch, Räuber Hotzenplotz und zahlreiche andere originalgetreue Repliken. "Hier machen wir alles möglich. 'Geht nicht' gibt's nicht", erklärt der Unternehmer stolz.

Die eigentliche Werkstatt ist ein kreatives Chaos voller kurioser Objekte:

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  • Schubladen gefüllt mit künstlichen Augen und Gebissen
  • Dutzende körperlose Köpfe auf Regalen
  • Eine haarige Koboldfigur in der Ecke
  • Hunderte Pinsel, Stoffe und Puppen-Gliedmaßen auf Werkbänken

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht aktuell ein Batmobil im Miniaturformat. "Der Kunde will daraus vier Fahrsimulatoren mit Bildschirmen machen", erläutert Steegmüller das Projekt.

Vom Hartschaum zur animierten Figur

Das Batmobil beginnt als sogenanntes Muttermodell aus Hartschaum. Jörg bearbeitet den festen, aber leichten Kunststoff mit Spachtelmasse, um Unebenheiten auszugleichen. "So stelle ich sicher, dass alles glatt und versiegelt ist", erklärt er während der Arbeit.

Der weitere Prozess erinnert an eine ausgefeilte Backform-Technik:

  1. Auftragen von glasfaserverstärktem Harz auf das Modell
  2. Aushärten zu einer robusten, leichten Schale
  3. Herstellung der Negativform
  4. Produktion der Karosserien durch Ausgießen der Form
  5. Einbau von Gokart-Skeletten mit Lenkrädern und Pedalen
  6. Finaler mattschwarzer Lackauftrag

Vom Grafikdesigner zum Animatronics-Spezialisten

Eigentlich ist Jörg Steegmüller gelernter Grafikdesigner. Mit 20 Jahren begann er bei der Firma "Heimo animated attractions" in Baden-Württemberg, die damals zu den weltweit größten Animatronics-Herstellern gehörte. Vor 25 Jahren machte er sich mit "Steegmüller Skulpturen" in der Nähe von Stuttgart selbstständig.

Heute beschäftigt sein Unternehmen vier Festangestellte und fast 50 freie Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen:

  • Schneiderinnen
  • Modellbauer
  • Lackierer
  • Polsterer
  • Mechatroniker (für die Bewegungstechnik)

"Ich war schon als Kind sehr kreativ", erzählt Steegmüller. "Ich habe mir Geschichten ausgedacht, Hörspiele produziert, Comics gezeichnet und Puppen fürs Theater gebastelt." Diese frühe Leidenschaft prägt bis heute seine Arbeit.

Die Kunst der animierten Charaktere

Steegmüller bezeichnet sich selbst als Bildhauer, Puppenbauer und Modelleur für animatronisch-technische Figuren. "Aber da diese Berufsbezeichnung ziemlich lang ist, nenne ich mich oft einfach Skulpteur", gesteht er.

Die Herstellung einer animierten Figur kann über ein halbes Jahr dauern und beginnt stets mit einer gründlichen Charakterstudie:

  • Analyse typischer Bewegungen und Gesten
  • Entwicklung detaillierter Skizzen
  • Zusammenarbeit mit Synchronsprechern für die Stimme
  • Programmierung der Bewegungsabläufe

"Ich bin mit vielen deutschen Synchronsprechern befreundet", verrät der Skulpteur. "Wenn ich anrufe und frage, ob sie einem meiner Charaktere ihre Stimme verleihen wollen, sagen sie meistens zu."

Von Museen bis Freizeitparks

Steegmüllers Kundenstamm reicht von Museen über Filmproduktionen bis hin zu großen Freizeitparks. Der Europa-Park in Rust gehört zu seinen Hauptauftraggebern. Dort beeindruckt unter anderem "Thilo", ein großer Buckelwal, an dem Besucher in Booten vorbeifahren.

Auf die Frage nach dem Schönsten an seinem Beruf antwortet der Skulpteur: "Die Begeisterung in den Augen der Menschen, wenn sie meine Kreationen sehen. Mit meiner Arbeit will ich das Leben meiner Mitmenschen ein bisschen fröhlicher und lustiger machen."

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Doch der Beruf hat auch Herausforderungen: "Ich habe manchmal Stress durch kurze Abgabezeiträume. Außerdem bin ich ab und zu giftigen Materialien und Staub ausgesetzt, beides ist schlecht für die Gesundheit."

In Deutschland gibt es etwa 4500 Bildhauer, doch Steegmüller betont seine Einzigartigkeit: "Ich bin in Deutschland der Einzige mit diesem breiten Angebot. Meine Techniken habe ich von einem Bildhauer und vielen anderen Mentoren gelernt." Eine spezifische Ausbildung für sein Tätigkeitsfeld existiert nicht - vieles hat er sich im Laufe seines Lebens selbst beigebracht.

Was braucht man für diesen ungewöhnlichen Beruf? Steegmüller nennt drei essentielle Eigenschaften: Mal- und Zeichentalent, handwerkliches Geschick beim Bauen und vor allem eine große Portion Fantasie. Für Menschen ohne Geduld und Feinmotorik wäre der Beruf dagegen eher ungeeignet.