Karneval in Dargun: Büttenredner träumt von Spaßbad im Käsebecken und stichelt gegen Sparkurs
Darguner Karneval: Spaßbad-Träume und politische Sticheleien

Karneval in Dargun: Valentinstags-Tulpen und Träume vom Spaßbad

Mit einem zünftigen Einmarsch eröffneten die "Sandhäschen" die Karnevalsveranstaltung in Dargun. Die winterlichen Temperaturen konnten die ausgelassene Stimmung auf dem Marktplatz nicht trüben, wo die Bühne diesmal vor dem Rathaus aufgebaut war. Nur dank des Einsatzes der Stadt und des Bauhofes war die Feier im Freien überhaupt möglich geworden.

Bauer Robert: 18. Auftritt mit Charme und Kritik

Bauer Robert, alias Robert Fritzsche, wusste genau, wie er sein Publikum für sich gewinnen konnte. Zum Valentinstag brachte der 39-Jährige einen Strauß Tulpen mit auf den Markt und verteilte die Blumen an das närrische Volk, bevor er seine Büttenrede auf Plattdeutsch hielt. Es war bereits sein 18. Auftritt für den Darguner Karnevalverein.

"Ich bin mit Plattdeutsch aufgewachsen, ich habe es geliebt", erklärte Fritzsche zu seinem Werdegang als Büttenredner. Vor 17 Jahren, damals noch Landwirtschaftsstudent, hatte er die Rolle übernommen, nachdem sein Vorgänger Axel Bayerl aufgehört hatte und Dargun ein Jahr ohne Büttenrede ausgekommen war.

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Politische Sticheleien und Sparkurs-Kritik

Wie in jedem Jahr verband Bauer Robert in seiner Rede die große Politik mit lokalen Themen aus Dargun. Besonders hart traf es Bürgermeisterin Jana Böttcher, deren Sparkurs und Stellenabbau im Rathaus er scharf kritisierte. "Diejenigen, die nach der Rationalisierung übrig geblieben sind, müssen nun doppelt ran", spottete er.

Sogar das Rathaus bezeichnete er scherzhaft als Flüchtlingslager, da viele Mitarbeiter die Stadtverwaltung verlassen hätten. Die Bürgermeisterin rechtfertigte sich später in Reimform für ihren Kurs und meinte, den Darguner Bürgern fehle wohl der Mut zur Veränderung.

Vision: Vom Käsebecken zum Spaßbad

Angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt, besonders nach dem Ende der Molkerei, entwickelte Bauer Robert eine ungewöhnliche Idee. Er träumte von einem Spaßbad in den großen Käsebecken der ehemaligen Molkerei, die seiner Meinung nach perfekt für 50-Meter-Bahnen geeignet wären.

"Dargun hat alles, was man dafür braucht", argumentierte er und verwies auf die Abwärme von der Kläranlage und das vorhandene Brunnenwasser. Damit bekäme die Vision des ehemaligen Stadt-Oberhaupts neue Brisanz und könnte die Einnahmesituation der Stadt verbessern.

Tradition und Neuheiten beim Straßenkarneval

In der 43. Session des Darguner Straßenkarnevals gab es einige Besonderheiten. Das Prinzenpaar Nadine II. und Roberto I. fuhr trotz Minusgraden mit der Kutsche vor, um den Rathausschlüssel von der Bürgermeisterin zu übernehmen. Die Tanzgruppen, darunter die Funkengarde, begeisterten das Publikum mit ihren Darbietungen.

Erstmals trat der gesamte Darguner Karnevalverein in einheitlichen blauen Jacken auf, inklusive der Nachwuchsgruppen. Auch die Nachbarn aus Neukalen beteiligten sich am Umzug, bei dem die Narren ihre Wagen aufwendig geschmückt hatten.

Nachbarschaftlicher Schlagabtausch

Was in Fritzsches Büttenrede nicht fehlen durfte, war eine schadenfreudige Bemerkung in Richtung Neukalen. Im Vorjahr hatte der Neukalener Büttenredner Brian Kasch über die Fettleibigkeit der Darguner referiert - ausgerechnet er, der die Neukalener Bütt mit seinem eigenen Gewicht ausfüllte. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen", konterte Bauer Robert augenzwinkernd.

Trotz aller politischen Sticheleien und finanziellen Sorgen feierten die Darguner Narren ausgelassen und ließen sich von den winterlichen Verhältnissen nicht unterkriegen. Die Vision vom Spaßbad im Käsebecken bleibt als hoffnungsvoller Traum in Erinnerung.

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