Pop-Superstar Billie Eilish und Hollywood-Regisseur James Cameron haben erstmals zusammengearbeitet. Gemeinsam inszenierten sie den Konzertfilm „Billie Eilish – Hit Me Hard and Soft: The Tour (Live in 3D)“, der jetzt in den Kinos läuft. Trotz eines Altersunterschieds von 47 Jahren verstehen sich die beiden prächtig, wie ein gemeinsames Interview der Deutschen Presse-Agentur in London zeigt.
Zwei Regisseure, eine Vision
„Dass ich meine erste richtige Erfahrung mit James Cameron mache und mit ihm gemeinsam Regie führe, ist einfach unglaublich – und gleichzeitig eine völlig neue Erfahrung für mich“, sagt Eilish (24) bestens gelaunt. Der Generationenunterschied war offenbar kein Hindernis. „Wir sind beide daran gewöhnt, in unseren eigenen kreativen Welten alles selbst zu steuern – ich führe Regie bei meinen Projekten, ich habe die Show entwickelt, ich mache die Musik“, erklärt die Sängerin. „Und bei ihm ist es genauso. Es war interessant, zwei Menschen zusammenzubringen, die es gewohnt sind, allein die Kontrolle zu haben.“
Der 71-jährige Cameron tritt nicht als Vaterfigur auf, sondern als bescheidener Kollege. „So ein Typ bin ich nicht“, betont er. Eilish habe das letzte Wort gehabt, sie müsse mit dem Ergebnis zufrieden sein. „Ich wollte, dass du glücklich damit bist“, wendet er sich direkt an sie. „Das war mir am wichtigsten.“ Im Film scherzt er: „Wir werden schreiben: Regie Billie Eilish – und in klein: mit James Cameron.“ Tatsächlich stehen beide Namen gleichberechtigt in den Credits.
Konzertaufnahmen und Backstage-Interviews
Der Film zeigt Aufnahmen eines visuell spektakulären Konzerts sowie sehr persönliche Momente hinter den Kulissen. Cameron interviewt Eilish darin selbst und spricht mit ihr über die Beziehung zu den Fans. „Du nimmst deine innersten Gefühle und Konflikte und teilst sie mit anderen“, sagt er. „Und das findet bei ihnen Resonanz, weil sie selbst Dinge in ihrem Leben durchmachen, richtig? Dadurch entsteht eine Bindung. Und du nimmst das so ernst.“
Die gegenseitige Wertschätzung ist spürbar. „Du bist eine echte Performerin. Du bist aus vollem Herzen Performerin“, schwärmt Cameron. „Ich sage den Leuten immer: Ich habe den Film 'Titanic' gemacht, damit ich zur Titanic tauchen konnte, nicht, weil ich den Film drehen wollte. Und du schreibst diese unglaublichen Songs, damit du auftreten und diese Lieder auf der Bühne singen kannst.“
Emotionale Bindung zu den Fans
Der Film zeigt, wie emotional die Konzerte der Sängerin sind. Immer wieder sind weinende oder überwältigte – überwiegend weibliche – Zuschauer zu sehen. „Es ist sehr überwältigend“, berichtet Eilish. „Aber ich glaube, ich erkenne mich wirklich in den Fans wieder. Und wenn ich denke, dass mich das überwältigt, versuche ich mich daran zu erinnern, wie es für sie ist – weil ich wirklich weiß, wie sich das anfühlt.“ Eilish hat ihr eigenes Fan-Sein thematisiert, insbesondere die Bewunderung für Justin Bieber als Teenager. Beim Coachella-Festival stand sie kürzlich gemeinsam mit ihm auf der Bühne.
In Interviews erzählen Fans von ihrer Beziehung zu der Sängerin, deren Musik ihnen durch schwere Zeiten geholfen habe – die Rede ist von Selbstzweifeln, Mobbing und mentalen Problemen. „Ich liebe sie“, sagt eine junge Frau. Eine andere erzählt: „Ohne Billie wäre ich nicht mehr hier.“ Ihre Shows sollen ein sicherer Raum für alle sein, stellt die Sängerin klar. Viele Fans campierten schon Tage vorher vor der Konzerthalle.
Konzertfilme, exklusive Fanangebote und aufwendig inszenierte Tourneen gehören inzwischen bei vielen internationalen Popstars zum festen Bestandteil der Vermarktung. Der Konzertbesuch ist Teil eines großen Tourbetriebs: Die stark nachgefragten Tickets sind oft früh vergriffen, viele Fans nehmen zusätzliche Kosten für Anreise und Unterkunft in Kauf.
Einige Künstlerinnen und Künstler hätten ein kompliziertes Verhältnis zu ihren Fans, sagt die 24-Jährige. Für sie sei das anders. „Am Ende sind die Fans der wichtigste Teil von allem“, erklärt sie. Kunst entstehe überhaupt erst daraus, dass Menschen selbst Fans von Musik, Filmen oder Mode seien. „Der einzige Grund, warum ich Musik machen wollte, ist, dass ich Musik liebe.“



