Russell Crowe als Hermann Göring – was redet dieser Kerl da? In dem psychologischen Drama „Nürnberg“ verkörpert der Hollywoodstar den Nazi-Größen und wirkt dabei noch selbstgefälliger als seine Figur. Der Film, der auf dem Sachbuch „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai basiert, erzählt von den Gesprächen zwischen dem amerikanischen Psychiater Douglas M. Kelley (Rami Malek) und Hermann Göring vor dem Nürnberger Prozess 1945.
Ein Dolmetscher als Schlüsselfigur
Eine wichtige Figur des Films ist ein Dolmetscher, der die Gespräche zwischen Kelley und Göring übersetzt. Deutsche Zuschauer sind dafür dankbar, denn Crowes Deutsch ist mitunter schwer zu verstehen. Die englischen Untertitel bringen Klarheit. Die Selbstgefälligkeit, mit der Crowe in der Göring-Rolle auftritt, übertrifft noch die seiner Figur.
Kritik an der Inszenierung
Was Jonathan Glazer in „The Zone of Interest“ über den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß richtig machte, macht Drehbuchautor und Regisseur James Vanderbilt falsch. Statt Distanz zu Göring zu wahren, sucht er seine Nähe – es wirkt fast kumpelhaft. Vanderbilt erzählt nicht von der Banalität des Bösen, sondern scheint an dessen Genialität zu glauben. Er überhöht Göring fast zu einem Geistesverwandten von Hannibal Lecter.
Filmdetails
„Nürnberg“: Buch und Regie James Vanderbilt. Mit Russell Crowe, Rami Malek, Michael Shannon. Länge: 148 Minuten. Kinostart: 7. Mai. Der Film entwickelt sich zu einer Kolportage über das Kräftemessen zweier Männer. Als der Prozess gegen Göring und andere Nazis stattfindet, zeigt Vanderbilt Dokumentaraufnahmen aus den befreiten Konzentrationslagern. Diese zutiefst erschütternden Bilder machen noch deutlicher, wie kümmerlich sein eigener Film geraten ist.



