Armida-Quartett spielt Mozart für Milchkühe: Klassik im Kuhstall
Armida-Quartett spielt Mozart für Milchkühe

Es riecht nach Ammoniak, feuchtem Stroh und etwa 200 Wiederkäuern, die sich dicht an dicht hinter dem Gitter ihres Laufstalls drängen. Neugierig stecken sie ihre Köpfe durch das Metall und lauschen, immer mal wieder inbrünstig muhend, den Klängen von Mozart. Richtig gelesen: Wolfgang Amadeus Mozart, gespielt im Kuhstall, von einem der besten Streichquartette der Klassikwelt.

Auf Gut Hohen Luckow verkündeten die Musiker des renommierten Armida-Quartetts – Martin Funda, Johanna Staemmler, Teresa Schwamm und Peter-Philipp Staemmler – Ende April Programm und Schwerpunkt ihrer Residenz beim diesjährigen Festspielsommer Mecklenburg-Vorpommern, der vom 13. Juni bis zum 12. September MV-weit stattfindet.

Quartett öffnet Bühne für Freunde und Gäste

Das Quartett gründete sich 2006 und gilt international als eines der renommiertesten Streichquartette der Klassikwelt. Seit Jahren sind sie regelmäßig auch bei den Festspielen MV zu hören. Im diesjährigen Festspielsommer sind sie die „Preisträger in Residence“. Etwa 20 Konzerte werden sie bestreiten und können damit einen besonderen Schwerpunkt innerhalb der Festspiele setzen – nicht nur musikalisch.

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Das Quartett ist nämlich Botschafter des Vereins „Orchester des Wandels“ und hat eine „Green Charta“ für nachhaltiges Musikerleben entwickelt. „Wir als Menschen, die sich auf eine Bühne setzen, haben festgestellt, dass wir diese Plattformen, die wir haben, gerne auch mit dem füllen wollen, wofür wir uns wirklich verantwortlich fühlen“, erklärt Johanna Staemmler. „Für uns ist die Frage, wie ein lebenswerter Planet aussehen könnte, nicht zu trennen von unserer Verantwortung als Kulturschaffende und von unserem Kulturauftrag.“

Konzertfahrradtour mit dem Armida-Quartett

Gut Hohen Luckow, ein Betrieb mit etwa 3000 Milchkühen, der nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Herzen von MV betreibt, biete für diese Botschaft die ideale Kulisse, so Staemmler. Hier werde etwa am Sonntag, 19. Juli, eine „ökologisch-musikalische Erkundungstour“ stattfinden, die sich mit nachhaltigem Konzertleben beschäftigt.

Unter dem Titel „Brahms am Haff“ laden die vier Musiker vom 15. bis 17. Juli außerdem zu einer Konzertfahrradtour ein. „Wir hoffen, auch mit dem Publikum gemeinsam zu radeln und dann abends Konzerte zu spielen.“ Die Idee: Mobilität als Teil des ästhetischen Erlebnisses. „Kultur und Lebenswelt eben zusammen begreifen“, erklärt Staemmler.

Quartett erkundet seine Wurzeln zum 20. Geburtstag

Musikalisch ist das Ensemble vor allem bekannt für seine Präzision und intellektuelle Tiefe. Besonders ihre Mozart-Interpretationen gelten als herausragend. Die Gesamteinspielung der Streichquartette wurde von Kritikern als „wegweisend für die Mozart-Interpretation im 21. Jahrhundert“ gefeiert. Rund 20 Konzerte werden sie während des diesjährigen Festspielsommers, vom 13. Juni bis 12. September, bestreiten.

In diesem Jahr feiern die Musiker zudem ihr 20-jähriges Bestehen als Ensemble. Dafür laden sie Musikerfreunde nach MV ein, um mit ihnen gemeinsam zu feiern. Außerdem kehren sie zu ihren Wurzeln zurück und spielen am Mittwoch, 15. Juli, Brahms’ Streichquartett op. 51/1 in Ueckermünde. Das hat für die vier eine ganz besondere Bedeutung: „Es war eines unserer ersten Werke im Studium, das erste Brahms-Quartett, das wir gelernt haben und das erste Stück, das wir aufgenommen haben“, erinnern sie sich.

Uraufführung mit Elektronik in der Konzertkirche

Die Festspiele, seit 2020 unter Leitung von Ursula Haselböck, haben es sich seit 1990 zur Aufgabe gemacht, Kultur in die Fläche zu bringen. Mit einem Etat von rund 5,6 Millionen Euro, der sich zu knapp 85 Prozent allein aus Kartenverkäufen und Spenden zusammensetzt, finden rund 120 Konzerte an etwa 90 verschiedenen Spielstätten in MV statt – von Gutshaus bis Hofcafé. Im vergangenen Jahr wurden rund 75.000 Besucher gezählt. Allein der Festspielsommer verzeichnete 2025 67.000 Gäste.

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Eröffnet wird der Festspielsommer traditionell vom „Preisträger in Residence“, in diesem Jahr also dem Armida-Quartett, gemeinsam mit der NDR Radiophilharmonie in der Konzertkirche Neubrandenburg. Für die Eröffnung haben die Musiker den Komponisten Johannes Fischer gewinnen können, mit dem sie schon in verschiedenen Projekten zusammengespielt haben. Er hat für die Eröffnung eine Festspiel-Ouvertüre für Elektronik und Quartett geschrieben. „Zweifellos wird es sehr frisch, groovig und funkig“, lässt Primarius Martin Funda (erste Geige des Quartetts) blicken. „Wir haben große Lust, zu experimentieren und freuen uns, das Publikum auf unsere Reise mitzunehmen.“