Romely Pfund: 50 Jahre am Pult – Pionierin der DDR-Dirigentinnen
Romely Pfund: 50 Jahre als Dirigentin

Romely Pfund begeht im Mai ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Die Dirigentin, die 1987 als erste Frau in der DDR zur Chefdirigentin berufen wurde, feiert diesen besonderen Meilenstein. Besonders eng verbunden ist sie mit Neubrandenburg, wo sie neun Jahre lang wirkte und bleibende Spuren hinterließ.

Frühe Karriere und Durchbruch

Bereits mit 32 Jahren hatte Romely Pfund klare Vorstellungen. In einem Interview mit der Freien Erde im September 1987 sagte sie: „Wenn man mit klaren Vorstellungen vors Orchester tritt, weiß, was man will, dann wird man auch akzeptiert.“ Die Musiker des Neubrandenburger Orchesters wählten sie zur Chefdirigentin – ein Novum in der DDR. Ihr Premierenkonzert mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy, Mozart und dem DDR-Komponisten Siegfried Matthus wurde vom Publikum mit „lang anhaltendem herzlichem Beifall“ belohnt.

Ausbildung und erste Stationen

Romely Pfund wurde 1955 in Dresden geboren. Ihr Vater war Musiker, ihre Mutter Solotänzerin. Sie erhielt ab dem achten Lebensjahr Klavierunterricht und sammelte erste Erfahrungen als Dirigentin von Laienchören an der Erweiterten Oberschule. Von 1974 bis 1979 studierte sie an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden bei Professor Rudolf Neuhaus, der großen Wert auf Praxis legte. Schon im Studium arbeitete sie als Assistentin des Philharmonischen Chores und als Repetitorin. Nach dem Studium war sie am Theater der Altmark Stendal und am Landestheater Dessau tätig.

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Internationale Erfahrungen und Vorbilder

Im Sommer 1987 nahm sie am Tanglewood Music Festival in Massachusetts teil, wo sie mit Leonard Bernstein auf der Bühne stand. Weitere Vorbilder waren Kurt Masur und Seiji Ozawa. Diese Begegnungen prägten ihren Stil nachhaltig.

Wirken in Neubrandenburg

In Neubrandenburg initiierte sie die ersten Benefizkonzerte in der Marienkirche, die damals noch eine Ruine ohne Fußboden und Heizung war. „Wir waren immer ausverkauft, obwohl die Leute quasi im Dreck standen“, erinnert sie sich. Sie lockte Stars wie Justus Frantz in die Stadt. Auch privat fand sie ihr Glück: Sie lernte den Steuerberater Christian Schwandt kennen, heiratete ihn und bekam zwei Kinder. Schwandt wurde später Geschäftsführer der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz und ist heute Geschäftsführer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin.

Weitere Karriere und Jubiläum

Nach neun Jahren verließ sie Neubrandenburg und war unter anderem Generalmusikdirektorin der Bergischen Symphoniker und Operndirektorin am Landestheater Neustrelitz. Später lehrte sie an der Musikhochschule Lübeck. Insgesamt dirigierte sie 70 der 130 deutschen Orchester und leitete knapp 1400 Konzerte und 65 Musiktheaterproduktionen. Der Kontakt zur Neubrandenburger Philharmonie blieb bestehen. Solocellist Reinhard Bellmann lobt sie als stets „gut gelaunt und gut vorbereitet“ und betont ihren Beitrag zum Fortbestand des Orchesters.

Anlässlich ihres Jubiläums dirigiert Romely Pfund am 9. Mai im Theater Lübeck ein Konzert mit Werken von Haydn, Brahms und Bernstein. Ein Abschied von der Bühne ist das nicht: „Ich dirigiere nach wie vor sehr gerne. Mal schauen, was die Zeit bringt.“

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