Herrentag in Prenzlau: Orgelbauer triumphiert bei Highland Games im Kilt
Orgelbauer gewinnt bei Highland Games in Prenzlau

Für Julian Sander war es ein emotionaler Moment. „Ich fiebere seit acht Jahren diesem Tag entgegen“, sagt der Orgelbauer einer Firma aus Eberswalde. Von Anfang an war er an diesem Projekt beteiligt: Vom Abbau der Hill-Orgel in der West Parish Church im schottischen Kilbarchan über den Transport nach Prenzlau bis zum Einbau in die hiesige Marienkirche. Am Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt wurde die Orgel das erste Mal gespielt. Aus diesem Anlass verlegte die Stadt Prenzlau ihre traditionelle Herrentagsparty in die Innenstadt und gestaltete sie als Highland Games – ein schottisches Kräftemessen. Die Idee stammte von Kreiskantor Hannes Ludwig, und Orgelbauer Julian Sander wollte unbedingt mitmachen. Er besorgte sich sogar einen Kilt, den er nun zum ersten Mal trug.

Musik als Krafttraining

„Musik ist schwer“, sagt Sander und meint die wuchtigen Pfeifen, mit denen er und seine Kollegen zu tun hatten. Das Krafttraining zahlte sich aus: Beim Steinwerfen erreichte er 3,60 Meter und besiegte sechs Kontrahenten. Sein Gewinn: ein Freibier. Moderator Silvio Grensing würdigte den Einsatz des Orgelbauers für Prenzlau, was ihm zusätzlichen Applaus einbrachte.

Passend zum feierlichen Himmelfahrtstag zeigte sich das Wetter angemessen schottisch: Es stürmte und regnete immer wieder, dann schien gleichzeitig die Sonne, bevor alles erneut umschlug. Das Tauziehen musste wegen der rutschigen Wiese abgesagt werden. „Heute Morgen dachten wir noch, alles fällt ins Wasser“, sagte City-Managerin Susanne Ramm. Trotz der widrigen Bedingungen war über den Tag hinweg viel Publikum anwesend, das die Sportler anfeuerte.

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Baumstämme zu wuchtig

Auch das Baumstammwerfen musste gestrichen werden, da die aus dem Stadtwald ausgesuchten Stämme zu schwer waren. „Wir machen das auch zum ersten Mal“, meinte Ramm etwas wehmütig, denn für sie war es die letzte große Veranstaltung. Sie wurde zur Bürgermeisterin in Nordwestmecklenburg gewählt und tritt dort in zwei Wochen an.

Stattdessen fanden die Organisatoren schöne Findlinge im Stadtforst, die nicht nur geworfen, sondern auch gestoßen wurden. Peter Brenndörfer erreichte beeindruckende 6,20 Meter. „Ich wollte eigentlich nicht gewinnen“, sagte der Leistungssportler vom PSV Prenzlau etwas verschämt, „sondern nur die Leute zum Mitmachen animieren“. Später trug er seine Freundin Katrin Pasemann beim Frauentragen über einen Parcours, musste sich aber Orgelbauer Julian Sander mit seiner Melanie geschlagen geben.

Einzige Teilnehmerin setzt Zeichen

Das Frauentragen war die einzige Disziplin, bei der auch eine Frau antrat, um einen Kontrapunkt zu setzen. „Wir konnten uns das nicht nur mit ansehen!“, sagten Cordula und Eli, die aus Berlin kamen und eine Freundin in Prenzlau besuchten. Sie wunderten sich, dass nur Männer antraten, und wollten daher ein Zeichen setzen.

Dirk Zwilling, gebürtiger Holsteiner, kam ebenfalls aus Berlin und trug gerne Kilt. „Ich trage schon immer gerne Kilt und habe mehrere. Ich habe doch schöne Beine und kann sie zeigen“, scherzte er. Diesmal hielt er sie mit passenden Stulpen bedeckt. Er freute sich, für diesen Anlass seinen Kilt einpacken zu können, war er doch eigentlich für eine goldene Hochzeit nach Prenzlau gekommen. Am Wochenende will er dort aber Smoking tragen.

Dudelsack und Alphorn

Ebenfalls schottisch-kariert traten die Dudelsackspieler vom Clan MacLanborough auf, der ersten und einzigen Dudelsackband aus Mecklenburg-Vorpommern. Den lustigen Namen haben sie sich ausgedacht. Eine Hamburgerin brachte das Instrument einst in die Schweriner Region und baute dort die Band auf, die nun ihren Teil zu den Hill-Festtagen beitrug. Anders als ihre Herkunft vermuten lässt, reagieren Dudelsäcke empfindlich auf Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit, wie Thomas Schröder aus der Band erklärte.

Robuster waren da die wuchtigen Alphörner der Bläsergruppe aus Uster, der schweizerischen Partnerstadt Prenzlaus. „Wir waren einen ganzen Tag unterwegs, damit wir heute hier spielen können“, sagte Rudi Amstutz, der bereits einmal zu Besuch war. Zu Hause soll vor einer Woche sogar noch Schnee gelegen haben. Doch das macht Alphornbläsern nichts aus. Musik ist schwer – doch sie bringt viele Menschen zusammen, wie dieser Tag gezeigt hat.

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