Auschwitz-Überlebende fordern europaweite Maßnahmen gegen Kanye West
Das Internationale Auschwitz-Komitee hat sich nach der Einreiseverweigerung Großbritanniens für den US-Rapper Ye, ehemals bekannt als Kanye West, mit deutlichen Forderungen an andere europäische Staaten gewandt. Christoph Heubner, Vizepräsident des Komitees, äußerte sich während eines Besuchs in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und betonte die große Erleichterung unter Holocaust-Überlebenden weltweit.
Britische Entscheidung als Vorbild für Europa
Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer hatte am 7. April 2026 entschieden, dem 48-jährigen Musiker die Einreise ins Vereinigte Königreich zu verweigern. Diese Maßnahme wurde von den Veranstaltern eines Londoner Festivals, für das Ye als Act vorgesehen war, umgehend akzeptiert, nachdem sich bereits mehrere Sponsoren zurückgezogen hatten. Starmer hatte die ursprünglichen Pläne als zutiefst besorgniserregend bezeichnet.
Heubner erklärte, die Überlebenden hätten die britische Entscheidung mit großer Erleichterung und Zustimmung aufgenommen und dankten dem Premierminister ausdrücklich für seine klare Haltung. Dieser Schritt solle nun als Vorbild für andere europäische Länder dienen, in denen der Rapper Auftritte plant.
Geplante Konzerte in Polen und Italien sorgen für Besorgnis
Hintergrund der Forderungen sind angekündigte Auftritte des Rappers in Polen und Italien während der Sommermonate. Laut Heubner sind Konzerte für Juni und Juli im polnischen Chorzów sowie in der italienischen Region Emilia-Romagna vorgesehen. Die Auschwitz-Überlebenden hoffen nun, dass sowohl die Veranstalter als auch die jeweiligen Regierungen entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Die früheren Äußerungen des Künstlers haben nicht nur Überlebende des Holocaust und ihre Familien zutiefst verletzt, sondern können auch antisemitische Einstellungen in der Gesellschaft fördern, begründete Heubner die Forderungen. Er verwies dabei auf die lange Geschichte kontroverser Aussagen des Rappers.
Wiederholte antisemitische Vorfälle und jüngste Entwicklungen
Kanye West war in der Vergangenheit mehrfach mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er ein Lied mit dem Titel Heil Hitler, was international für Empörung sorgte. Anfang 2026 versuchte der Musiker in einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal zu relativieren und behauptete: Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit.
In der Anzeige führte er seine früheren Aussagen auf eine bipolare Störung zurück und bat um Entschuldigung. Diese Erklärung wird von den Auschwitz-Überlebenden jedoch nicht als ausreichend angesehen, insbesondere angesichts der geplanten Europa-Tournee.
Forderungen nach Konsequenzen über Grenzen hinweg
Das Internationale Auschwitz-Komitee betont, dass der Schutz der Würde von Holocaust-Überlebenden und die Bekämpfung von Antisemitismus keine nationalen Grenzen kennen dürfen. Die Organisation ruft daher alle europäischen Staaten auf, der britischen Entscheidung zu folgen und mögliche Einreisen des Rappers zu verhindern.
Zugleich appellieren die Überlebenden an die Veranstalter in Polen und Italien, die Einladungen an Kanye West zurückzuziehen und damit ein deutliches Zeichen gegen Hassrede und Antisemitismus zu setzen. Die Debatte um die Auftritte des Skandal-Rappers zeigt, wie sensibel der Umgang mit der Geschichte des Holocaust in Europa nach wie vor ist.



