Was für ein Abend! Bereits der Auftakt dieses Konzerts war mehr als ungewöhnlich. Genau in der Sekunde, als Armin Mueller-Stahl den bis auf den letzten Platz gefüllten Kino-Saal betreten hatte, erhob sich das Publikum spontan, voller Ehrfurcht und Respekt, von den Plätzen. So gab es diesmal schon ganz am Anfang Standing Ovations für den diesjährigen Ehrenpreisträger.
Ehrenplatz direkt unterhalb der Bühne
Armin Mueller-Stahl hat in seinem Leben schon oft auf der Bühne gestanden und sein Publikum begeistert. Doch diesmal hatte sich der gefeierte Schauspieler, Maler und Autor eigentlich gewünscht, das seit Wochen ausverkaufte Comeback-Konzert seiner berühmten Band vom bequemen Konzertsessel aus zu genießen. Zum Glück kam es anders.
Auf höflichen Einspruch und Einladung seines Freundes Günther Fischer nahm der Schauspieler im ersten Teil des Abends dann doch direkt unterhalb der Bühne seinen Platz ein, bereicherte und unterstützte die Musiker bei ihrem Programm mit einem Vortrag, der sein Talent als Sänger und Schauspieler erneut eindrucksvoll bestätigte.
Ursprünglich war von Fischer und seinen Musikern geplant worden, das Konzert mit zwei Instrumental-Nummern zu beginnen. Auf ausdrücklichen Wunsch des Ehrengastes gab es kurzfristig eine Programmänderung: So erklang zu Beginn das bekannte Motiv aus dem Defa-Kultfilm „Solo Sunny“. Ein Evergreen und Meisterstück aus der Feder des Komponisten Günther Fischer, der damit maßgeblich die melancholische und einzigartige Atmosphäre des 1980 entstandenen Films geprägt hat.
Nach zwei virtuos dargebotenen Instrumental-Passagen ging der Ball dann an den Poeten und Entertainer Mueller-Stahl, der mit Klavierbegleitung eine anrührende Variation seines wohl bekanntesten Gedichtes „Der Gaukler“ vortrug: „Ich bin schon Gaukler über siebzig, achtzig Jahr...“ Seit Jahrzehnten nutzt der Künstler das Motiv des Gauklers als Ausdruck seiner vielseitigen künstlerischen Unternehmungen, die Schauspiel, Malerei, Musik und Literatur miteinander verbinden. So sagt er über sich: „Musik, Literatur und Malen sind wichtige Dinge in meinem Leben. Zum Malen braucht man eine Leinwand. Zum Schreiben braucht man Ideen. Musik allerdings hat nichts zu tun mit konkreten Dingen. Sie kann dich befreien, gibt dir mehr Raum als jede andere Kunst.“
Begeistertes, aufmerksames Publikum: Das Zusammenspiel von Armin Mueller-Stahl und seinen Musikern bot großes Entertainment. Genau diese besondere Kraft der Musik war am Abend in jeder Sekunde zu spüren. Günther Fischer an Piano und Saxofon, Tobias Morgenstern am Akkordeon und Tom Götze am Kontrabass boten eine Weltklasse-Performance, vereinten höchste Kompositionskunst souverän mit der Freiheit der Improvisation. In einem der Bücher Armin-Mueller-Stahls heißt es: „Glück ist ein flüchtiges Gut, das man im Augenblick erfährt, kein Zustand für die Ewigkeit.“ Genau diese seltenen, nicht alltäglichen Momente waren während des Konzerts der Armin Mueller-Stahl-Band immer wieder spürbar, so bei der feinen Villon-Vertonung „Im Sommer war das Gras so tief“, dem Chanson „Sagst mir lächelnd ins Gesicht“ und dem melancholischen „Bild aus Kindertagen“.
Vom „Kinoerzähler“ bis zur legendären „Blauen Kuh“
Das Trio auf der Bühne erinnerte mit dem Soundtrack aus „Der Kinoerzähler“ auch an einen ganz besonderen Film in der langen Erfolgsgeschichte des Leinwand-Stars Mueller-Stahl. Und ganz zum Schluss hatte nach einer zweiten, längeren Version von „Solo Sunny“ auch die legendäre „Blaue Kuh“ ihren Auftritt, diesmal in einer Instrumentalversion zu Ehren eines Künstlers, der den diesjährigen Jahrgang des Schweriner Filmfestivals wohl so prägen dürfte, wie kein Ehrengast zuvor.



