Frankfurter Institution schließt: Zwangsräumung beendet 55-jährige Ära der Lesben-Bar La Gata
Zwangsräumung beendet 55-jährige Ära der Lesben-Bar La Gata

Frankfurter Institution schließt: Zwangsräumung beendet 55-jährige Ära der Lesben-Bar La Gata

Ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte geht zu Ende: Nach 55 Jahren musste die legendäre Lesben-Bar La Gata in der Seehofstraße am Montag zwangsgeräumt werden. Wirtin Erika Wild, von allen nur Ricky genannt, kämpfte bis zuletzt für ihre geliebte Kneipe, die seit ihrer Gründung im Jahr 1971 als wichtiger Zufluchtsort für lesbische Frauen in der Mainmetropole galt.

Monatelanger Kampf endet mit bitterer Niederlage

Die 84-jährige Erika Wild hatte in den vergangenen Monaten alle juristischen Mittel ausgeschöpft, um den Fortbestand ihrer Bar zu sichern. Sie organisierte Demonstrationen, startete eine Petition, die rund 6.600 Unterschriften sammelte, und zog vor Gericht. Doch ein letzter Eilantrag vor dem hessischen Landgericht scheiterte, wie das Team der Bar auf ihrer Instagram-Seite mitteilte.

„Ich fühle mich beschissen“, sagte die sichtlich mitgenommene Seniorin dem Journal Frankfurt. „Ich kann nicht mehr schlafen, die Räumung ist das Ende meines Kindes.“ Gesundheitslich angeschlagen musste sie am Montag mit ansehen, wie das Inventar ihrer Lebensaufgabe verladen wurde.

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Vermieterin kündigte ohne Angabe von Gründen

Die Hintergründe der Kündigung durch die Vermieterin bleiben im Dunkeln. Bekannt ist lediglich, dass diese Erika Wild zum 31. März gekündigt und mit Strafgeldern gedroht hatte, falls sie nicht freiwillig ausziehe. In der Unterstützer-Petition werden Profitinteressen als möglicher Grund genannt. Der Wirtin selbst wird keinerlei Fehlverhalten vorgeworfen.

Noch Mitte März hatte sich Erika Wild in einer Instagram-Videobotschaft hoffnungsvoll an „ihre lieben Mädels“ gewandt, die „so toll hinterm La Gata stehen“. Am Samstag lud sie ein letztes Mal zum Feiern in ihre urige Kneipe – ein emotionaler Abschied von einem Ort, der Generationen von Frauen Sicherheit und Gemeinschaft bot.

Vom BWL-Job zur Pionierin der queeren Szene

Die Geschichte von La Gata ist eng mit der Biografie ihrer Gründerin verbunden. Erika Wild hatte Anfang der 1970er Jahre bereits ihren BWL-Abschluss in der Tasche und einen gut bezahlten Job, als sie die Konzession für ihre Kneipe im damals konservativen Stadtteil Sachsenhausen beantragte. Ihr Vater, Chef beim Finanzamt, erfuhr erst durch diesen Schritt von ihrer Liebe zu Frauen.

„Du musst wissen, was du machst“, habe er ihr damals gesagt, wie die Frankfurter Rundschau in einem früheren Artikel berichtete. Wild wollte bewusst einen Ort schaffen, „wo lesbische Frauen sich Kussis geben, miteinander tanzen konnten, ohne dass jemand blöd guckte“.

Jahrzehntelanges Wohnzimmer der queeren Community

Über fünf Jahrzehnte hinweg war La Gata mehr als nur eine Kneipe. Die Wirtin hatte für ihre Gäste immer ein offenes Ohr, bot Rat und Unterstützung in schwierigen Zeiten. Viele Paare fanden in den urigen Räumen ihre Liebe, Prominente wie Eva Jacob von den Jacob Sisters gehörten zu den Gästen.

Trotz der traurigen Räumung bleibt ein beeindruckendes Lebenswerk: Erika Wild schuf einen sicheren Raum in einer Zeit, als queere Lebensweisen noch weitaus weniger akzeptiert waren als heute. Ihre Bar war ein wichtiger Teil der Frankfurter Stadtkultur und ein Zeugnis des Kampfes für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung.

Während die Möbel nun abtransportiert werden, bleibt die Erinnerung an einen Ort, der Generationen von lesbischen Frauen Heimat und Gemeinschaft bot – und der nun als letzte seiner Art in Deutschland schließt.

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