Feldarchäologen aus ganz Deutschland erkunden die Prignitz
In der vergangenen Woche wurde die Prignitz zum Schauplatz einer bedeutenden archäologischen Exkursion. Rund 70 Experten für Grabungstechnik und Feldarchäologie aus dem gesamten Bundesgebiet besuchten die Region, um sich vor Ort ein Bild von den herausragenden archäologischen Stätten zu machen. Der Sachbereich Denkmalschutz der Kreisverwaltung Prignitz hatte die Gelegenheit, diese Fachleute zu begrüßen und ihnen die historischen Schätze der Region näherzubringen.
Zentrale Archäologische Orte im Mittelpunkt
Die Exkursion fand im Rahmen der 4. Fachtagung des Verbandes für Grabungstechnik und Feldarchäologie e. V. (VGFA) statt, die in Brandenburg an der Havel abgehalten wurde. Am 16. April machten sich die Teilnehmer in mehreren Gruppen auf den Weg in die Prignitz, um die Zentralen Archäologischen Orte (ZAO) zu besichtigen. Neben dem Königsgrab Seddin und der Kuhburg bei Wüsten Vahrnow standen auch die Standorte Freyenstein und Wittstock/Dosse im benachbarten Landkreis Ostprignitz-Ruppin auf dem Programm.
Am Königsgrab Seddin und an der Kuhburg wurden die Gäste vom Prignitzer Kreisarchäologen Torsten Geue empfangen. An der Kuhburg erläuterte Geue, wie die mittelalterliche Anlage nach aktuellem Forschungsstand ursprünglich ausgesehen haben könnte. Besonders hervorzuheben ist das von 2020 bis 2025 umgesetzte Leader-Förderprojekt, das der touristischen Erschließung der Stätte dient.
Das Königsgrab Seddin: Ein bronzezeitliches Monument
Am ZAO-Standort Königsgrab Seddin berichtete Geue von der spektakulären Entdeckung der sagenumwobenen Grabkammer des „Königs Hinz“ im Jahr 1899. Er erklärte detailliert Aufbau und Funktion des um 800 v. Chr. errichteten Hügels, der als eine der bedeutendsten Grabanlagen der jüngeren Bronzezeit im nördlichen Mitteleuropa gilt. Seit 2020 finden am und um das Königsgrab jährlich archäologische Grabungen statt. Bereits 2016 wurde das Areal zum Grabungsschutzgebiet erklärt – einem der größten in Deutschland.
Weitere faszinierende Einblicke in die Geschichte des Grabes erhielten die Gäste von Jörg Hildebrandt, der sich seit über 40 Jahren als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger in der Prignitz engagiert. Seine langjährige Erfahrung und Leidenschaft für die Region bereicherten die Exkursion maßgeblich.
Moderne Methoden in der Archäologie
Ein weiterer Höhepunkt des Programms war ein Vortrag von Dr. Philipp Koyan von der Arbeitsgruppe Angewandte Geophysik der Universität Potsdam. Er stellte Methoden der Geomagnetik vor und erläuterte, an welchen Orten in der Prignitz diese in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich zum Einsatz kamen. Diese modernen Techniken tragen wesentlich dazu bei, verborgene historische Strukturen sichtbar zu machen und das Verständnis für die archäologischen Stätten zu vertiefen.
Begeisterung über den erfolgreichen Austausch
Gordon Thalmann, Leiter des Bereiches Bildung, Denkmalschutz und Kultur in der Kreisverwaltung Prignitz, zeigte sich begeistert vom Erfolg der Exkursion. „Es ist großartig, dass Grabungsexperten aus ganz Deutschland Interesse an den archäologischen Highlights der Prignitz zeigen. Die Rückmeldungen der Teilnehmer waren exzellent. Viele möchten den engen Austausch fortsetzen und die weiteren Entwicklungen in unserer Region im Blick behalten“, so Thalmann in einer Pressemitteilung.
Die Exkursion unterstreicht die überregionale Bedeutung der archäologischen Stätten in der Prignitz und fördert den fachlichen Dialog zwischen Experten. Die kontinuierliche Erforschung und Erschließung dieser Orte trägt dazu bei, das kulturelle Erbe der Region zu bewahren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.



