Falkner Gerd Borgwardt: Die Kunst der Beizjagd als immaterielles Kulturerbe
Falkner Borgwardt: Beizjagd als UNESCO-Kulturerbe

Falkner Gerd Borgwardt: Die Kunst der Beizjagd als immaterielles Kulturerbe

Ein Klassiker der Jagdkunst bleibt zeitlos faszinierend: In Demmin zeigt Falkner Gerd Borgwardt, wie die traditionelle Beizjagd mit Greifvögeln funktioniert – vom präzisen Gewichtsmanagement bis zum ersten Freiflug der majestätischen Falken.

Von der Schliefanlage zur Leidenschaft für Greifvögel

Alles begann im Jahr 1976, als Borgwardts Schwiegervater eine Schliefanlage betrieb – ein unterirdisches Gangsystem zur Ausbildung von Jagdhunden für die Fuchsjagd. In dieser Zeit lernte er den Falkner Friedrich Jabs kennen, der zwei Habichte für die Jagd abgerichtet hatte. „Ich war sofort begeistert und beschloss, mitzumachen“, erinnert sich Borgwardt. Nach seiner Jagdprüfung im Mai 1978 folgte noch im selben Herbst die Falknerprüfung. In der DDR hatten Falken damals eine untergeordnete Rolle, da sie nahezu ausgestorben waren, sodass primär mit Habichten gejagt wurde.

Historische Bedeutung und kaiserliche Einflüsse

Die Falknerei blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück und war besonders beim Adel hoch angesehen. Kaiser Friedrich II. aus dem Adelsgeschlecht der Staufer gilt als einer der bedeutendsten Falkner der Geschichte. Sein Werk „De arte venandi cum avibus“ („Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“) dient Falknern bis heute als wertvolles Nachschlagewerk. Interessanterweise wurde die Falknerei in der DDR nicht als feudalistisches Überbleibsel betrachtet, sondern als Teil des nationalen Kulturerbes gepflegt.

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Aufwendiges Training für die perfekte Jagd

„Die Jagd mit Wanderfalken unterscheidet sich grundlegend von der mit Habichten“, erklärt Borgwardt. Die Vorbereitung ist äußerst aufwendig und beginnt mit der gezielten Fütterung auf das ideale Jagdgewicht:

  • Der männliche Falke (Terzel) sollte 700 Gramm wiegen
  • Das weibliche Tier (Weib) bringt optimalerweise 1000 Gramm auf die Waage

Nach Erreichen des Zielgewichts folgen mehrere Trainingsschritte:

  1. Anlegen der Lockschnur zur Konditionierung auf die Falknerfaust
  2. Einführung einer Beuteattrappe unter Schutzhaube
  3. Erste Übungsflüge an langer Schnur im Freigelände
  4. Erster Freiflug mit Sender auf dem Rücken des Vogels

UNESCO-Anerkennung und regionale Jagdpraxis

Im Jahr 2021 erhielt die Falknerei die prestigeträchtige Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO. An dem multinationalen Antrag beteiligten sich Staaten von Marokko und Portugal über Deutschland und Polen bis hin zu Saudi-Arabien, der Mongolei und Südkorea. In Mecklenburg-Vorpommern erstreckt sich die Jagdsaison von September bis Mitte Januar. Borgwardts Revier umfasst die Tollense und angrenzende Gräben, wo seine Falken vor allem Stockenten jagen.

Engagement und aktuelle Herausforderungen

Als einer von nur 37 Falknern in Mecklenburg-Vorpommern fungiert Borgwardt auch als offizieller Prüfer für Neueinsteiger. Darüber hinaus engagiert er sich in der Horstsuche für Seeadler, Fischadler und Wanderfalken sowie bei Beringungsaktionen. „Die größten Bedrohungen für unsere Greifvögel sind aktuell die Vogelgrippe und die zunehmende Zahl von Windrädern“, warnt der erfahrene Falkner. Besonders emotional erinnert er sich an die Auswilderung von Wanderfalken in Bäumen ab 1995: „Als ich im Jahr 2000 erstmals ein baumbrütendes Falkenpaar in einem Kunsthorst beobachtete, schlug mein Herz deutlich schneller.“

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