Rettungsversuche für gestrandeten Buckelwal vor Wismar werden eingestellt
Die dramatischen Rettungsbemühungen für den in der Wismarbucht festsitzenden Buckelwal wurden endgültig eingestellt. Nach intensiven Versuchen, den Meeressäuger zu befreien, haben die Verantwortlichen beschlossen, das Tier an seinem jetzigen Liegeplatz in Ruhe sterben zu lassen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete die Situation als „einzigartige Tragödie“ und sprach von einem sehr emotionalen Tag für alle Beteiligten.
Sperrzone eingerichtet – Wal soll zur Ruhe kommen
Um dem Buckelwal einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, wurde eine Sperrzone eingerichtet. „Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie. Die hat er sich aber so ausgesucht“, erklärte Minister Backhaus. Der Wal liegt weiterhin in der Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht vor der Insel Poel, wo er seit dem Nachmittag in flachem Wasser festsitzt.
Bereits seit Anfang März war der Buckelwal den Behördenangaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst sogar im Hafen von Wismar. Die aktuelle Lage stellt jedoch den traurigen Höhepunkt dieser Odyssee dar.
Letzte Chance vertan – Wissenschaftler bestätigen aussichtslose Lage
Der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, betonte, dass man davon ausgehe, dass das Tier sterben werde. Die Aussichten auf eine erfolgreiche Befreiung seien extrem gering geworden. „Die Reaktion auf uns, auf unsere Präsenz, war quasi null“, beschrieb Baschek die verzweifelte Situation.
Die Gesundheitszustandsanalyse des Wales ergab alarmierende Befunde:
- Der Wal ist deutlich geschwächt
- Seine Atemfrequenz war am Vormittag sehr unregelmäßig
- Teilweise betrugen die Atemabstände mehr als vier Minuten
- Die Brustflossen sind nah am Körper angelegt
Bedingungen verschlechtern sich weiter
Die Umstände in der Bucht werden sich laut Expertenaussagen noch weiter verschlechtern. Der Wasserstand wird voraussichtlich um etwa 10 bis 15 Zentimeter sinken, was die Situation für den bereits geschwächten Wal zusätzlich erschwert. Zwar liegt das Tier durch den sinkenden Wasserstand jetzt etwas freier, doch genau dies macht Rettungsversuche noch riskanter.
„Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei empfinden würden“, erklärte Baschek die schwierige Entscheidung. „Der Ansatz der maximalen Ruhe und der Respekt vor der Natur gebietet es auch, irgendwann dann mal ihn gehen zu lassen.“
Realistisch betrachtet hatte der Wal am Morgen seine letzte Gelegenheit zur Rettung. „Die konnte er nicht nutzen“, resümierte der Meeresexperte mit Bedauern. Die Entscheidung, die Rettungsversuche einzustellen, fiel somit aus ethischen und praktischen Erwägungen, um dem Tier unnötiges Leiden zu ersparen.



