Mit seiner Rolle im Residenztheater kehrte Günther Maria Halmer noch einmal auf eine große Münchner Bühne zurück. Im AZ-Interview sprach er damals über die besondere Herausforderung der Kroetz-Inszenierung – und darüber, was ihn an dieser letzten großen Theaterarbeit gereizt hat. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von 83 Jahren gestorben.
Rückkehr an die alte Wirkungsstätte
Es war eine seiner letzten großen Theaterrollen: Am Münchner Residenztheater spielte Günther Maria Halmer in den „Gschichten vom Brandner Kaspar“ in einer Inszenierung von Franz Xaver Kroetz. Im Gespräch mit der Abendzeitung sprach der Schauspieler über diese Rückkehr auf die Bühne, die Arbeit an der Figur und darüber, was ihn an dem Stoff besonders reizte.
Halmer, der an der Otto-Falckenberg-Schule studiert hatte, gab sein Debüt am Residenztheater bereits 1970. „Ich hatte damals als Bayer immer einen großen Vorteil, durfte als Schüler schon 1969 an den Kammerspielen in Stücken wie Martin Sperrs ‚Jagdszenen aus Niederbayern‘ mitspielen“, erinnerte er sich. „Mit diesen ganzen tollen Schauspielern wie Therese Giehse, Hans Brenner, Monica Bleibtreu, Walter Sedlmayr und Gustl Bayrhammer. Da hat man mich dann entdeckt, so als Bayer.“
Herausforderung im Alter
Die Rückkehr ans Residenztheater war für Halmer eine bewusste Entscheidung, die Komfortzone zu verlassen. „Ich wohne im Chiemgau, muss jeden Tag 80 Kilometer zu den Proben und dann zu den Aufführungen fahren und danach wieder zurück“, erklärte er. „Natürlich könnte ich auch in München übernachten, aber ich schlafe lieber in meinem eigenen Bett. Da fragt man sich halt, ob man das noch bringt und ob man sich das zumuten will.“
Ausschlaggebend war der Reiz der Rolle: „Ich wollte bewusst meine Komfortzone verlassen, die sehr gemütlich ist, und mich dieser Herausforderung stellen. Es ist ja auch reizvoll, im Alter nicht faul und feig zu sein, sondern sich was zu trauen.“
Der Brandner Kaspar bei Franz Xaver Kroetz
Das Stück, das Franz Xaver Kroetz frei nach Motiven von Franz von Kobell schrieb, unterscheidet sich deutlich von früheren Fassungen. „Bei Kroetz geht es schon zur Sache zwischen Mensch und Tod“, betonte Halmer. „Das ist nicht so eine lustige Kumpelei, sondern ziemlich ernsthaft. Das finde ich sehr reizvoll.“
Der Schauspieler warnte das Publikum vor zu großen Erwartungen an einen heiteren bayerischen Abend: „Wenn die Menschen da reingehen und ein Weißwurst-Frühstück auf der Bühne erwarten, werden sie vielleicht ein bisschen erstaunt sein. Das wird kein Abend, bei dem man in der zweihundertsten Vorstellung in Tracht kommt und eine Blaskapelle spielt, und danach gehen alle in den Biergarten und trinken eine Maß.“
Die Beziehung zum Tod
Halmer selbst hatte eine ambivalente Haltung zum Tod. „Ich bin nicht mehr so gläubig, wie ich es als Kind war“, gestand er. „Aber ich habe Cousins, die streng katholisch sind. Als einer von ihnen 80 wurde, habe ich ihn gefragt: ‚Hast du Angst vorm Tod?‘ Er hat gesagt: ‚Nein, ich freue mich drauf. Da wird es erst schön.‘ Um diesen Glauben habe ich ihn beneidet.“
Sein Brandner Kaspar habe eine riesige Angst vor dem Tod. „Der Brandner ist alt geworden, leben mag er nicht mehr, aber sterben auf gar keinen Fall. Ich glaube, das ist eine Haltung, die viele Menschen haben.“
Die Premiere der Inszenierung musste wegen Erkrankung verschoben werden, fand dann aber am 18. Juni 2025 statt. Günther Maria Halmer starb am 15. Juni 2025 im Alter von 83 Jahren.



