Romely Pfund begeht im Mai 2026 ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum als Dirigentin. Die 1955 in Dresden geborene Künstlerin war 1987 die erste Frau, die in der DDR zur Chefdirigentin berufen wurde. Prägend waren für sie die neun Jahre an der Spitze der Neubrandenburger Philharmonie. Ihre Karriere begann mit einem klaren Ziel: „Wenn man mit klaren Vorstellungen vors Orchester tritt, weiß, was man will, dann wird man auch akzeptiert“, sagte sie 1987 in einem Interview.
Frühe Jahre und Ausbildung
Romely Pfund wuchs in einer musikalischen Familie auf: Ihr Vater war Musiker, ihre Mutter Solotänzerin. Bereits mit acht Jahren erhielt sie Klavierunterricht und sammelte erste Erfahrungen als Dirigentin von Laienchören an der Erweiterten Oberschule. Von 1974 bis 1979 studierte sie an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. Ihr wichtigster Lehrmeister war Generalmusikdirektor Professor Rudolf Neuhaus, der großen Wert auf Praxis legte. „Ich habe schon im Studium selbstverständlich durchgehend gearbeitet“, erinnert sie sich. Sie arbeitete als Assistentin des Philharmonischen Chores und als Repetitorin und stand erstmals vor einem großen Orchester.
Erste Engagements
Bereits in ihrem letzten Studienjahr 1979 begann ihr Engagement am Theater der Altmark Stendal, wo sie ab 1981 als 1. Kapellmeisterin tätig war. Ab 1983 führte sie diese Funktion auch am Landestheater Dessau aus. Diese frühen Stationen legten den Grundstein für ihre spätere Karriere als Chefdirigentin.
Durchbruch in Neubrandenburg
1987 wurde Romely Pfund zur Chefdirigentin der Neubrandenburger Philharmonie berufen – als erste Frau in der DDR. Ihr Premierenkonzert umfasste Werke von Mendelssohn-Bartholdy, Mozart und Siegfried Matthus, einem Vertreter der modernen Klassik. Das Publikum honorierte die Leistung mit „lang anhaltendem herzlichem Beifall“. In Neubrandenburg initiierte sie die ersten Benefizkonzerte in der damals noch unfertigen Marienkirche, die später zur Konzertkirche ausgebaut wurde. „Wir waren immer ausverkauft, obwohl die Leute quasi im Dreck standen“, erinnert sie sich. Diese Aufbruchsstimmung wünscht sie sich auch für die heutige Zeit.
Begegnung mit Leonard Bernstein
Wenige Wochen vor ihrem Start in Neubrandenburg nahm sie am Internationalen Tanglewood Music Festival in Massachusetts teil. Dort stand sie mit der Dirigenten-Legende Leonard Bernstein auf der Bühne und dirigierte die Haydn-Sinfonie Nr. 102. Dieses Erlebnis prägte sie nachhaltig. Weitere Vorbilder waren Kurt Masur und Seiji Ozawa.
Privates Glück und Familie
In Neubrandenburg lernte Romely Pfund ihren Mann Christian Schwandt kennen, einen Steuerberater, der später Geschäftsführer der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz und Theaterdirektor in Lübeck wurde. Das Paar heiratete und bekam Anfang der 1990er Jahre zwei Kinder. „Lange frei gemacht habe ich wegen der Kinder aber nicht“, sagt sie.
Weitere Karrierestationen
Nach neun Jahren verließ Pfund Neubrandenburg. Sie war Generalmusikdirektorin der Bergischen Symphoniker (1998–2009) und Operndirektorin am Landestheater Neustrelitz (2009–2013). Anschließend lehrte sie als Dozentin an der Musikhochschule Lübeck. Insgesamt dirigierte sie 70 von 130 deutschen Orchestern, leitete knapp 1400 Konzerte und 65 Musiktheaterproduktionen. Der Kontakt nach Neubrandenburg blieb stets bestehen.
Jubiläumskonzert und Ausblick
Anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums dirigiert Romely Pfund am 9. Mai 2026 im Theater Lübeck ein Konzert mit Werken von Joseph Haydn, Johannes Brahms und Leonard Bernstein. „Ich dirigiere nach wie vor sehr gerne. Mal schauen, was die Zeit bringt“, versichert sie. Ein Abschied von der Bühne ist das Konzert nicht.



