Erfurt enthüllt Gedenkstele für Buchenwald-Überlebenden Gert Schramm
Gedenkstele für KZ-Überlebenden Schramm in Erfurt enthüllt

Gedenkstele für Gert Schramm in Erfurt eingeweiht

Die Stadt Erfurt hat am zehnten Todestag von Gert Schramm eine Gedenkstele zu Ehren des Buchenwald-Überlebenden enthüllt. Der 1928 in Erfurt geborene Schramm überlebte als einer der wenigen schwarzen Gefangenen das Konzentrationslager Buchenwald und setzte sich später als Zeitzeuge gegen Rassismus und Rechtsextremismus ein.

Ein Leben zwischen Verfolgung und Engagement

Gert Schramms Biografie ist geprägt von der rassistischen Verfolgung im Nationalsozialismus. Sein Vater war ein amerikanischer Ingenieur aus Kalifornien, der für den Bau einer Eisenbahnbrücke nach Erfurt gekommen war und dort Schramms Mutter kennenlernte. Den Vater sollte Gert Schramm nie persönlich treffen – dieser wurde von den Nazis nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

1943 nahm die Gestapo den damals 15-jährigen Schramm an seinem Arbeitsplatz in Bad Langensalza fest. Bereits in der Schule war er durch einen Lehrer, den Schramm später als „150-prozentigen Nazi“ beschrieb, diskriminiert worden. Nach Monaten im Polizeigefängnis wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.

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Zeitzeuge und Träger des Bundesverdienstkreuzes

Nach der Befreiung Buchenwalds am 11. April 1945 kehrte Schramm zunächst nach Langensalza zurück. In den folgenden Jahren lebte er sowohl in West- als auch in Ostdeutschland und hielt seine Lebensgeschichte im Buch „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann. Mein Leben in Deutschland“ fest, das mittlerweile vergriffen ist.

Als engagierter Zeitzeuge berichtete Schramm in Schulen über sein Schicksal und setzte sich bis zu seinem Tod 2016 gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus ein. Für dieses Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zuletzt lebte er in Eberswalde in Brandenburg.

Kontroverse um Straßenbenennungen

Die Erinnerung an Gert Schramm war in den vergangenen Jahren mit Diskussionen um die Kolonialgeschichte Erfurts verknüpft. Aktivisten der Initiativen Decolonize Erfurt und Schwarze Menschen in Deutschland forderten, das Nettelbeckufer in Gert-Schramm-Ufer umzubenennen. Joachim Nettelbeck war Obersteuermann auf Versklavungsschiffen und gilt als Verfechter rassistisch-imperialistischer Ideologien.

Die Stadt entschied sich jedoch gegen eine Umbenennung und gab stattdessen 2023 einem Abschnitt der benachbarten Karlstraße den Namen Gert-Schramm-Straße. Bei der Einweihung der Gedenkstele äußerte Schramms Sohn Bernd den Wunsch, dass die Straße, in der sein Vater geboren wurde, ebenfalls seinen Namen tragen sollte.

Symbol gegen Rassismus und Faschismus

„Die Stele ist ein Zeichen, dass man gegen Rassismus und Faschismus vorgehen sollte“, sagte Bernd Schramm bei der Einweihungszeremonie. Er bedankte sich für die Bemühungen um das Erinnern an seinen Vater und betonte, dass das Gedenken auch eine Warnung sein sollte, damit sich solche Verbrechen nie wiederholen.

Annegret Schüle, Leiterin des für die Stelen-Gestaltung verantwortlichen Erinnerungsorts Topf & Söhne, hob die besondere Tragik von Gert Schramms Biografie hervor: „Ihm wurde die Chance genommen, seinem Vater noch einmal zu begegnen.“ Die Gedenkstele steht nun als sichtbares Zeichen der Erinnerungskultur in Erfurt.

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