Bitterfeld/MZ. Der Traum von einer überregionalen Musicalspielstätte im Bitterfelder Kulturpalast steht auf der Kippe. Oberbürgermeister Armin Schenk (CDU) hat angekündigt, das mit Kohlemilliarden finanzierte Millionenprojekt stoppen zu wollen. Nun wurde ein Termin für die Sondersitzung des Stadtrats gefunden, in der über die Zukunft des Traditionshauses entschieden werden soll.
Sondersitzung am 9. Juni
Nach langer Suche einigten sich der Oberbürgermeister und der Vorsitzende des Stadtrats Bitterfeld-Wolfen auf den 9. Juni als Datum für die Sondersitzung. Zuvor wird das Thema am 28. Mai im Haupt- und Finanzausschuss behandelt. Auslöser ist der Antrag des OB, die Umbaupläne aufzugeben und das Vorhaben nicht weiterzuverfolgen. Diese jähe Wendung sorgt nicht nur in den Ratsfraktionen, sondern auch in der Stadtgesellschaft für heftige Debatten.
Gutachten stellt Kosten in Frage
Eine gutachterliche Stellungnahme von Uta van den Broek nährt massive Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts. Demnach seien die bisher angenommenen Baukosten viel zu niedrig angesetzt. Die vom potenziellen Musicalproduzenten Willem Metz genannten Sitzplätze seien bautechnisch gar nicht erreichbar. Zudem liege die von ihm angegebene Laufzeit des Musicals von sieben Jahren weit unter der Fördermittelzweckbindung von 15 Jahren. Auch die Konsequenzen aus dem Störfallgutachten würden anders ausfallen als von Metz dargestellt.
Der OB zog daher die Reißleine, denn die Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) kann noch bis zum 30. Juni vom Kaufvertrag zurücktreten. In der Sondersitzung sollen van den Broek und Metz ihre Argumente vortragen, damit die Stadträte eine fundierte Entscheidung treffen können. Deshalb war das Thema bereits von der Tagesordnung der regulären Stadtratssitzung genommen worden.
Eigentlich hatte der Stadtrat mit einem Grundsatzbeschluss und der Entscheidung, dass die Steg den Kulturpalast kauft, die Weichen in Richtung Wiederbelebung gestellt. Nun droht das Aus für das Millionenprojekt.



