Rostock erinnert an die fast vergessene Geburtsstunde des Buchdrucks im Norden
Rostock feiert ein bedeutendes kulturelles Jubiläum: Vor genau 550 Jahren, am 9. April 1476, stellten die Michaelisbrüder im Michaeliskloster das erste gedruckte Buch der Stadt fertig. Dieses historische Ereignis markiert die Gründung der ersten Druckerei in Mecklenburg und nach Lübeck die zweitälteste im gesamten deutschen Norden. Vom 23. bis 26. April laden die Universitätsbibliothek Rostock und die Evangelisch-methodistische Kirche zu den Michaelisklostertagen ein, um an diese fast vergessene Pionierleistung zu erinnern.
Das erste Rostocker Buch: Ein lateinischer Klassiker
Die Michaelisbrüder, die im 15. Jahrhundert die erste Druckerei in Rostock eröffneten, vollendeten vor 550 Jahren eine Ausgabe von Werken des spätantiken Autors Laktanz in lateinischer Sprache. Dieses Werk gilt als das erste in Rostock gedruckte Buch und legte den Grundstein für eine reiche Drucktradition in der Hansestadt. Die Michaelisklostertage finden bewusst am historischen Ursprungsort in der Altbettelmönchstraße 3/4 statt, wo heute die Evangelisch-methodistische Kirche das ehemalige Kloster mit Leben erfüllt.
Vorträge, Workshops und ein Marktplatz der Buchkultur
Anlässlich des Jubiläums bieten die Veranstalter zahlreiche Vorträge, Rundgänge und Workshops rund um das Thema Buch. Annika Bostelmann von den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock informiert: „Auf einem ‚Marktplatz der Buchkultur‘ im Gemeindesaal können Besucher an Büchertischen stöbern und bei Kaffee und Kuchen dem musikalischen Programm lauschen.“ Alle Einnahmen der Veranstaltung kommen einem guten Zweck zugute und werden der Rostocker Tafel übergeben, die im Michaeliskloster ihre Ausgabestelle hat.
Sonderausstellung und digitale Zugänglichkeit
Bereits seit Ende März ist die Sonderausstellung „Druck. Macht. Bildung“ im Kulturhistorischen Museum Rostock zu sehen, die sich dem Thema 550 Jahre Buchdruck und Medien widmet. Dr. Steffen Stuth, Museumsleiter, erläutert: „Wir zeigen die ersten in Rostock gedruckten Bücher im Original und demonstrieren gleichzeitig, wie diese Werke aus dem 16. Jahrhundert heute in digitalen Datenbanken zugänglich gemacht werden.“ Die Ausstellung spannt einen Bogen vom ersten Buchdruck der Michaelisbrüder über Zeitungsgründungen im 19. Jahrhundert bis zur digitalen Medienrevolution der Gegenwart.
Installation und Vorträge zu zensierten Werken
Ab dem 20. April ergänzt die Installation „Bücher unter Druck“ im Hauptgebäude der Universität Rostock das Programm. Diese erzählt von Autoren, deren Werke im Laufe der Geschichte zensiert, verboten oder bekämpft wurden. Zwei spezielle Vorträge rücken dieses Thema in den Mittelpunkt des Buchdruckjubiläums und beleuchten die gesellschaftliche Bedeutung von Druckerzeugnissen. Zahlreiche originale Drucke der Michaelisbrüder aus dem Bestand der Universitätsbibliothek sind aktuell sowohl in der Sonderausstellung als auch im Rahmen der Michaelisklostertage zu besichtigen.



