Berliner Dom: Die Hohenzollerngruft öffnet nach sechsjähriger Sanierung
Nach einer aufwendigen, sechsjährigen Sanierung öffnet die historische Hohenzollerngruft im Berliner Dom an diesem Wochenende wieder ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Dieses bedeutende Bauvorhaben stellt das größte Projekt am Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg dar, wie Domsprecherin Eva Hepper im Vorfeld der Eröffnung betonte. „Die Sanierung war in jeder Hinsicht außerordentlich herausfordernd“, erklärte sie.
Einblick in die bedeutende Grablege
Die Hohenzollerngruft auf der Museumsinsel dient als zentrale Begräbnisstätte des ehemaligen Kaiserhauses. Hier finden sich 91 Särge aus fünf Jahrhunderten, die Angehörige des Hauses Hohenzollern beherbergen, darunter der erste Preußenkönig Friedrich I. und seine Gemahlin Sophie Charlotte. Bemerkenswert ist, dass etwa ein Drittel dieser Särge Kindergräber sind, was die Gruft zu einer der größten europäischen Grablegen macht.
Erbaut im Jahr 1905, war die Gruft erst ab 1999 für Besucher zugänglich. Aufgrund massiver Kriegszerstörungen musste sie jedoch vollständig geschlossen werden, wie Dombaumeisterin Sonja Tubbesing erläuterte. Die rund 1.400 Quadratmeter große Anlage erforderte eine umfassende Sanierung, da steigende Besucherzahlen das Raumklima beeinträchtigten. Feuchtigkeit und Wärme führten zu Schäden an den Särgen und förderten Schimmelpilzbildung.
Neue Attraktionen und barrierefreier Zugang
Die Sanierung brachte zahlreiche Verbesserungen mit sich:
- Ein neuer Rundweg durch die Gruft
- Eine moderne Klimaanlage zur Erhaltung der historischen Substanz
- Ein Aufzug für barrierefreien Zugang
- Ein neu gestalteter Vermittlungsraum mit Informationen zur Geschichte der Hohenzollern und Kindersterblichkeit
- Ein interaktiver runder Tisch mit Touchpads für detaillierte Informationen zu den einzelnen Särgen
Besucher können sich nun frei zwischen den 91 neu positionierten Särgen bewegen. Anschließend bietet sich die Möglichkeit, den Rundgang fortzusetzen, etwa zur beeindruckenden Kuppel des Doms. Allerdings gibt es bis ganz nach oben keinen Aufzug, da dies laut Architektin Claudia Kruschel zu komplex geworden wäre.
Praktische Informationen für Besucher
Nach mehr als zehn Jahren Planung und sechs Jahren Bauzeit öffnet die Gruft am Samstag mit einem Tag der offenen Tür. Von 10 bis 18 Uhr können Interessierte die neugestaltete Anlage kostenlos besichtigen. In Anlehnung an die Einweihung des Doms im Jahr 1905 wird traditionelle Erbsensuppe serviert – genau wie damals, als Kaiser Wilhelm II. diese Speise im Lustgarten vor dem Dom anbot, wie Domprediger Stefan Scholpp berichtete.
Am Sonntag findet ein festlicher Gottesdienst statt. Mit der Wiedereröffnung steigt jedoch die Domerhaltungsgebühr von bisher 10 auf 15 Euro. Tickets sind sowohl online als auch vor Ort erhältlich.
Kosten und Finanzierung des Großprojekts
Die Baukosten beliefen sich auf etwa 29,5 Millionen Euro – deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagten 17,3 Millionen Euro. Diese Kostensteigerung resultierte aus mehreren Faktoren:
- Der Baubeginn fiel in den ersten Corona-Lockdown
- Steigende Bau- und Energiekosten infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine
- Eine Verlängerung der Bauzeit
Die Finanzierung setzt sich wie folgt zusammen: Der Bund steuerte über 10 Millionen Euro bei, das Land Berlin mehr als 9 Millionen Euro, und der Berliner Dom trug einen Eigenanteil von etwa 9,3 Millionen Euro.
Historischer Hintergrund der Hohenzollern
Das Adelsgeschlecht der Hohenzollern prägte über mehrere Jahrhunderte die deutsche Geschichte – zunächst als brandenburgische Kurfürsten, später als preußische Könige und schließlich als deutsche Kaiser. Seit dem 18. Jahrhundert stellten sie die Monarchen Preußens und nach der Reichsgründung 1871 die deutschen Kaiser. Mit der Ausrufung der Republik 1918 ging der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. ins Exil. Interessanterweise wurde er nicht in der Hohenzollerngruft bestattet, sondern starb und wurde in den Niederlanden beigesetzt.
Die Wiedereröffnung der Hohenzollerngruft markiert nicht nur den Abschluss eines bedeutenden Sanierungsprojekts, sondern bietet Besuchern nun auch einen modernen, informativen Zugang zu einem wichtigen Kapitel deutscher Geschichte.



