Nachlass der DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington geht an Dresdner Kulinarik-Archiv
DDR-Kochbuchautorin: Nachlass geht an Dresdner Archiv

Kulinarisches Erbe der DDR: Winnington-Nachlass in Dresden archiviert

Kurz vor dem ersten Todestag der bekannten DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington wird ihr umfangreicher Nachlass offiziell Teil des Deutschen Archivs der Kulinarik in Dresden. Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) erhielt die wertvolle Sammlung als Schenkung von Maraike Wittbrodt und Lilly Böhm, Tochter und Enkelin der verstorbenen Autorin.

Einblick in die ostdeutsche Küchenkultur

Der Nachlass umfasst eine beeindruckende Sammlung von mehr als 150 Kochbüchern aus der persönlichen Arbeitsbibliothek von Ursula Winnington. Besonders bemerkenswert ist ein handgeschriebenes Kochbuch ihrer Großmutter aus dem 19. Jahrhundert, das Winnington selbst als Auslöser ihrer lebenslangen Kochleidenschaft bezeichnete. Diese historische Verbindung zur familiären Küchentradition verleiht dem Archivmaterial eine besondere Tiefe.

Neben den Büchern enthält die Sammlung zahlreiche Publikationen der Autorin aus den Jahren 1964 bis zu ihrem letzten Werk im Jahr 2012. Winnington veröffentlichte ihre Rezepte und kulinarischen Betrachtungen in renommierten Zeitschriften wie „Das Magazin“, „Guter Rat“ und „Sibylle“. Insgesamt hinterließ die Autorin mehr als 1.250 dokumentierte Rezepte in acht eigenständigen Kochbüchern sowie in regelmäßigen Kolumnen.

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Persönliche Korrespondenz und Leserinteraktion

Ein besonders faszinierender Teil des Nachlasses besteht aus umfangreicher Korrespondenz aus den Jahren 1971 bis 1999. Darunter finden sich zahlreiche Leserbriefe, die den regen Austausch zwischen der Autorin und ihrer Leserschaft dokumentieren. Interessant sind auch die Schriftwechsel mit dem VEB Exzellent Dresden, dem Hersteller der in der DDR beliebten Worcestershire-Sauce, die Einblicke in die Lebensmittelproduktion jener Zeit geben.

Ursula Winnington, die im Mai 2015 im Alter von 96 Jahren in Berlin verstarb, prägte mit ihren Werken die kulinarische Landschaft Ostdeutschlands nachhaltig. Ihre Rezepte reichten von traditionellen Gerichten wie der Mecklenburger Götterspeise bis hin zu internationalen Klassikern wie dem französischen Boeuf Bourguignon, was ihre weltoffene Herangehensweise an die Kochkunst unterstreicht.

Bedeutung für Forschung und Öffentlichkeit

Lilly Böhm, Enkelin der Autorin, betonte in einer Mitteilung der SLUB: „Das Archiv ist eine bedeutende Quelle für vielfältigste Forschung und hochinteressant für Freundinnen und Freunde der schönen Kunst des Kochens.“ Sie fügte hinzu, dass ihre Großmutter besonders erfreut gewesen wäre, dass ihr Nachlass nun neben denen des DDR-Fernsehkochs Kurt Drummer und des Gastronomiekritikers Wolfram Siebeck aufbewahrt wird.

Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB, erklärte: „Mit dieser Schenkung können wir weitere bedeutende Zeugnisse zur Geschichte der Kochkunst in der DDR aufnehmen und der Forschung zugänglich machen.“ Das Deutsche Archiv der Kulinarik wurde 2022 gemeinsam von der SLUB und der Technischen Universität Dresden gegründet und entwickelt sich zunehmend zu einem Zentrum für kulinarische Forschung.

Zugänglichkeit und Präsentation

Der Nachlass wird derzeit bibliothekarisch erschlossen und für wissenschaftliche Recherchen aufbereitet. Die Büchersammlung soll zudem im „FoodStudio“ der SLUB Dresden öffentlich präsentiert werden, wo Interessierte Einblick in das kulinarische Erbe der DDR erhalten können. Diese öffentliche Zugänglichkeit unterstreicht den kulturhistorischen Wert der Sammlung, die nicht nur Rezepte, sondern auch ein Stück ostdeutscher Alltagsgeschichte bewahrt.

Die Integration des Winnington-Nachlasses in das Dresdner Archiv markiert einen wichtigen Schritt zur Bewahrung und Erforschung der kulinarischen Traditionen Ostdeutschlands. Die charmanten kulturhistorischen Ausflüge in Winningtons Werken, wie Böhm es beschreibt, werden künftigen Generationen ein differenziertes Bild der ostdeutschen Lebensart vermitteln und gängige Vorstellungen bereichern.

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