„Der Magier im Kreml“: Ein Film über Putins Aufstieg und die Aushöhlung der Demokratie
„Der Magier im Kreml“: Putins Aufstieg und Demokratieverfall

„Der Magier im Kreml“: Eine schonungslose Analyse von Putins Machtergreifung

Der französische Regisseur Olivier Assayas hat mit „Der Magier im Kreml“ einen Film geschaffen, der weit mehr ist als nur eine politische Biografie. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Giuliano Da Empoli zeigt der Film den Aufstieg Wladimir Putins vom Kabinettschef Boris Jelzins zum quasi unabwählbaren Präsidenten Russlands – eine Entwicklung, die viele als „größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnen würden.

Jude Law als Wladimir Putin: Pokerface und politisches Kalkül

Jude Law verkörpert Wladimir Putin mit bemerkenswerter Präzision. Sein Spiel zeigt den russischen Präsidenten nicht als eindimensionalen Bösewicht, sondern als blitzgescheiten Taktiker, der mit Charme und kühlem Kalkül operiert. In einer Schlüsselszene lässt Putin nacheinander verschiedene gesellschaftliche Gruppen antanzen: rechtsradikale Motorradgangs, neoliberale Wirtschaftsmagnaten, nostalgische Kommunisten. Alle verlassen sein Arbeitszimmer im Kreml mit dem überzeugenden Gefühl, er sei ihr Mann.

Paul Dano als der wahre „Magier im Kreml“

Interessanterweise ist der titelgebende „Magier im Kreml“ gar nicht Putin selbst, sondern sein schillernder Berater, gespielt von Paul Dano. Diese Figur ist angelehnt an den realen Wladislaw Surkow und fungiert als eine Art Ein-Mann-Think-Tank, der die strategische Konstruktion einer totalitären Herrschaft aus einer jungen Demokratie orchestriert. Der Film zeigt, wie extrem geschickt und intelligent eine Gesellschaft ins Totalitäre geführt werden kann.

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Lehrstunden in Demokratieverfall

Assayas' Film ist eine meisterhafte Studie darüber, wie Demokratien systematisch ausgehöhlt werden können. Am Beispiel Russlands erlebt der Zuschauer, wie Freiheit schrittweise für vermeintliche Sicherheit aufgegeben wird und wie sich politische Macht in einer einzigen Person konzentrieren lässt. Besonders eindrücklich ist die Szene, in der Putin zum G20-Gipfel nach Washington eingeladen ist und am Straßenrand warten muss, während der US-Präsident eskortiert wird – eine demütigende Erfahrung, die sein Streben nach internationaler Anerkennung verstärkt.

Eine rationale Erklärung politischer Entwicklungen

Der Film bietet keine einfachen Antworten, sondern eine rationale Erklärung der politischen Entwicklungen in Russland. Er stellt unbequeme Fragen: Warum ist es so gekommen? Welche Rolle spielte der Westen dabei? Was wurde wann vielleicht falsch gemacht? Dabei bleibt der Film nicht haltungslos, sondern zeigt den puren Machiavellismus des 21. Jahrhunderts in all seiner erschreckenden Konsequenz.

Spiegel unserer eigenen Gesellschaft

Besonders bemerkenswert ist, wie der Film unsere westliche Gesellschaft und ihre Schwächen spiegelt. Putin und sein Berater erkennen früh, dass das Internet weniger ein Informations- als vielmehr ein Hysterisierungs- und Trash-Raum ist, den man klug bespielen kann – auch mit Fake-News. Diese Erkenntnis nutzen sie geschickt für ihre politischen Zwecke.

Ein Film für alle politischen Lager

Das Faszinosum von „Der Magier im Kreml“ liegt darin, dass sowohl sogenannte „Putinversteher“ als auch konsequente Gegner seiner Politik den Film mit Gewinn anschauen können. Man verlässt den Kinosaal mit einem vertieften Verständnis der politischen Mechanismen, ohne dem autokratischen Herrscher jemals Recht geben zu müssen.

Olivier Assayas hat mit diesem Film eine aufklärerische Sternstunde des politischen Kinos geschaffen – unbequem, mahnend und von belebender Irritation. „Der Magier im Kreml“ ist nicht nur ein Film über Russland, sondern eine allgemeingültige Warnung vor den Gefahren, die Demokratien weltweit bedrohen.

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