Von Bach bis Webber: Musikalische Passionen am Karfreitag in München
Am Karfreitag herrscht in München traditionell ein musikalischer Hochbetrieb, der in diesem Jahr mit vier bemerkenswerten Aufführungen aufwartete. Von den tiefgründigen Werken Johann Sebastian Bachs bis hin zum modernen Musical von Andrew Lloyd Webber bot die Stadt ein vielfältiges Programm, das sowohl klassische als auch zeitgenössische Interpretationen der Passionsthematik präsentierte. Unsere Rezensenten haben die Aufführungen der Matthäuspassion, der Johannespassion und von 'Jesus Christ Superstar' besucht und berichten über ihre Eindrücke.
Bachs Matthäuspassion unter Christian Kabitz in der Isarphilharmonie
Das Bach Collegium München unter der Leitung von Christian Kabitz gestaltete die Matthäuspassion in der Isarphilharmonie mit einer bemerkenswerten Mischung aus Schönheit und Innigkeit. Durch die räumliche Trennung der beiden Chöre und Orchester entstand ein stereophoner Klangeffekt, der den theologischen Aussagen besondere Plastizität verlieh. Kabitz dirigierte mit subtilen Tempiwechseln und kraftvollen Akzenten, während Solisten wie Martin Platz als Evangelist und Hanno Müller-Brachmann in den Bassarien herausragten. Das Publikum, volksnah gemischt, reagierte begeistert auf diese intensive, aber nicht überwältigende Interpretation.
Die Johannespassion im Prinzregententheater
Im Prinzregententheater führte Johanna Soller den Münchener Bach-Chor durch eine intime Aufführung der Johannespassion. Der Chor zeigte sich in famoser Form, und Solisten wie Gerrit Illenberger als Christus und Daniel Behle als Evangelist schufen eine packende Erzählung. Die Inszenierung betonte das Leiden und die menschlichen Konflikte, wobei der Chor klangschön und textverständlich agierte. Diese Aufführung bewies, dass auch die Johannespassion eine tiefgreifende Alternative zur Matthäuspassion bieten kann.
Zweite Matthäuspassion mit Philippe Herreweghe
Philippe Herreweghe und das Collegium Vocale Gent präsentierten in der Isarphilharmonie eine weitere Matthäuspassion, die durch historische Aufführungspraxis geprägt war. Mit nur 24 Sängern füllten sie den Raum mit einem klaren, stereophonen Klang, der selbst feinste Silben verständlich machte. Höhepunkte waren die Szenen zwischen Evangelist Guy Cutting und Christus Florian Boesch, die emotionale Tiefe vermittelten. Trotz leichter Energieeinbrüche im zweiten Teil erhielt die Aufführung verdienten Jubel, insbesondere für die herausragenden Sänger.
'Jesus Christ Superstar' im Deutschen Theater
Als Alternative zu den traditionellen Bach-Passionen wagte das Deutsche Theater eine halbszenische Version von Andrew Lloyd Webbers 'Jesus Christ Superstar'. Unter der Regie von Lukas Perman überzeugte die Produktion mit schlichten Kostümen und einer starken musikalischen Darbietung. Drew Sarich als Jesus und Serkan Kaya als Judas boten intensive Interpretationen, unterstützt von einem elfköpfigen Ensemble. Nach anfänglicher Kraftbetonung fand die Aufführung nach der Pause zu einem ausgewogenen Ausdruck und löste ohrenbetäubenden Beifall aus, der auf eine mögliche neue Tradition hoffen lässt.
Insgesamt zeigten die Karfreitagsaufführungen in München, wie vielfältig und lebendig die musikalische Auseinandersetzung mit der Passionsthematik sein kann. Von den klassischen Meisterwerken Bachs bis zum modernen Rockmusical boten sie tiefgründige und emotionale Erlebnisse für ein breites Publikum.



