Goethe-Institut gerät in Antisemitismus-Sturm
Erneut steht eine deutsche Kulturinstitution wegen des Vorwurfs der Förderung von Israel-Hass in der Kritik. Nach der Berlinale und der documenta trifft es nun das renommierte Goethe-Institut, Deutschlands Aushängeschild für internationale Kulturarbeit. In der litauischen Hauptstadt Vilnius veranstaltete das Institut gemeinsam mit dem dortigen Zentrum für zeitgenössische Kunst und der Berliner Akademie der Künste die Ausstellung „Glocken und Kanonen“, die bis März dieses Jahres lief.
Künstlerin mit umstrittenen Social-Media-Posts
Der Skandal entzündete sich an der Beteiligung der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif, die 1983 geboren wurde und in Berlin lebt. Die Künstlerin hatte sich in mehreren Beiträgen in sozialen Medien antisemitisch und antisraelisch geäußert. Laut Recherchen des Westdeutschen Rundfunks sprach sie von der „Blutlust Israels“, bezeichnete Israel als „zionistisches Gebilde“ und teilte Boykottaufrufe gegen den jüdischen Staat sowie Symbole, die mit der Hamas in Verbindung gebracht werden.
Das Auswärtige Amt, das das Goethe-Institut im laufenden Jahr mit knapp 230 Millionen Euro fördert, reagierte umgehend und bestellte die Kulturinstitution ein. Eine Sprecherin des Ministeriums betonte gegenüber Medien, dass solche Veranstaltungen keinerlei Zweifel an der entschiedenen Ablehnung von Antisemitismus und Israel-Hass durch die Bundesregierung aufkommen lassen dürften.
Öffentliche Rüge und Forderungen nach Konsequenzen
Die zuständige Fachabteilung im Auswärtigen Amt unter Außenminister Johann Wadephul von der CDU nahm das Thema mit größtem Nachdruck auf. Dem Goethe-Institut wurde unmissverständlich klargemacht, dass eine deutlich größere Sorgfalt bei der Planung und Konzeption von Veranstaltungen mit Kooperationspartnern notwendig sei und auch erwartet werde. In diplomatischen Kreisen gilt diese Erklärung als eine öffentliche Ohrfeige für die traditionsreiche Institution.
Das Goethe-Institut zeigte sich reumütig und bedauerte den Vorfall. Eine Sprecherin erklärte, dass Antisemitismus und die Leugnung des Existenzrechts Israels von der Institution nicht geduldet würden. Einige Posts auf dem Instagram-Account von Basma al-Sharif seien mit den Werten des Goethe-Instituts unvereinbar, insbesondere die Leugnung des Existenzrechts Israels. Die umstrittenen Beiträge seien dem Institut vor der Ausstellung nicht bekannt gewesen.
Internationale Reaktionen und politische Forderungen
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, übte scharfe Kritik an der Entscheidung des Goethe-Instituts, der Filmemacherin eine Bühne zu bieten. Er warf der Institution vor, mit dieser Entscheidung allen Juden eine unmissverständliche Botschaft zu senden: „Ihr seid hier unerwünscht.“ Der eigentliche Auftrag, den kulturellen Austausch zu fördern, verdrehe sich dadurch ins Gegenteil.
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, forderte Konsequenzen für die staatliche Kulturförderung. Er verlangte, dass staatliche Akteure in der Kulturpolitik verpflichtet werden sollten, Antisemitismus aktiv zu bekämpfen. Wer dieser Pflicht nicht nachkomme, solle auch keine staatlichen Gelder mehr erhalten. Diese Debatte wirft grundsätzliche Fragen über die Verantwortung von Kulturinstitutionen und die Grenzen der künstlerischen Freiheit auf.



