Harry G als falscher Wiesnwirt: Kammeroper München spottet mit Offenbach-Adaption
Harry G als Wiesnwirt: Offenbach-Operette über München

Münchner Leben: Eine spöttische Operetten-Hommage an die Stadt

Die Kammeroper München verwandelt Jacques Offenbachs "Pariser Leben" in eine bissig-liebevolle Hommage an die bayerische Landeshauptstadt. Unter dem Titel "Münchner Leben" entsteht eine Operetten-Produktion, die historische Ereignisse mit zeitgenössischer Kritik verbindet und ab dem 28. März im Prinzregententheater zu sehen sein wird.

Preußische Besatzer und bajuwarische Tiere

Die Handlung beginnt im Jahr 1866, kurz nachdem Preußen Bayern im Deutschen Krieg besiegt hat. Oberregierungsrat Gröbner aus Berlin reist nach München, um aus der Stadt einen "Zoo für die wilden bajuwarischen Tiere" zu machen. Diese historische Konstellation bildet den Ausgangspunkt für eine turbulente Geschichte über Betrug, Identität und Münchner Eigenheiten.

Aris Alexander Blettenberg, Musikchef der Kammeroper München seit 2024, erklärt: "'Pariser Leben' bildet zu etwa zwei Dritteln die Grundlage unseres Stücks. Die Konstellation ist identisch: Zwei Fremde kommen am Hauptbahnhof an und werden von Betrügern durch die Stadt geführt."

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Harry G als falscher Wiesnwirt mit Zukunftsvision

Als besonderer Gast tritt Markus Stoll auf, besser bekannt als seine grantelnde Kunstfigur Harry G. Er spielt den falschen Wiesnwirt Korbinian Breznknödel, der in den "Preißn" ein lukratives Geschäft wittert.

"Ich wittere ein Geschäft bei den Preißn!", erklärt Stoll seine Rolle. "Mein Charakter stellt sich vor, wie die Wiesn in 150 Jahren aussehen wird. Ich bin Herr Stoll, der einen Wiesnwirt spielt, der ein bisserl an Harry G erinnert."

Der gebürtige Regensburger verteidigt seine Authentizität: "Meine Mutter ist aus Hausham, ich habe in Innsbruck studiert und lebe seit 20 Jahren in München. Ich vereinige das Beste aus allen Welten."

Historische Figuren und zeitgenössische Bezüge

Neben König Ludwig II. gehört auch die historische Hochstaplerin Adele Spitzeder zum Personal der Operette. Für die Szenen mit dem Märchenkönig griff Blettenberg auf Musik aus Offenbachs "Le roi Carotte" zurück, die an Richard Wagner erinnert.

"Die Geschichte spielt zwar 1866, aber projizierte Fotos von Tobias Melle stellen einen Bezug zur Gegenwart her", erklärt Blettenberg. "Und weil die Handlung am Hauptbahnhof beginnt, ergibt sich eine gewisse Aktualität ganz zwanglos."

Kritischer Blick auf Wiesn-Traditionen

Die Produktion nimmt auch Münchner Traditionen kritisch unter die Lupe. Markus Stoll äußert sich skeptisch zur "Oiden Wiesn": "Ich finde verrückt, dass neben der normalen Wiesn eine Oide Wiesn steht, die eigentlich eine Neue Wiesn ist. Dort spielen wir den Leuten - mit hoffentlich hygienisch gereinigten Steinkrügen - Nostalgie vor."

Beide Protagonisten zeigen ein ambivalentes Verhältnis zum Oktoberfest. Während Blettenberg als "Zugeroaster" den Irrsinn fasziniert, bevorzugt Stoll die "normale Wiesn mit ihren Extremen" gegenüber der gespielten Nostalgie.

Musikalische Herausforderungen und Premieren-Termine

Blettenberg betont die musikalischen Herausforderungen: "Offenbach ist sehr, sehr schwer. Die Musik braucht dieselbe Präzision wie Mozart. Sie sieht in den Noten einfach aus, aber das macht sie so schwierig. Man muss als Interpret sehr genau sein."

Die Operette benötige Tempo in Musik und Dialogen: "Die Gags müssen wie Ohrfeigen klatschen, und das zwei Stunden lang."

Für Markus Stoll bedeutet die Teilnahme eine neue Erfahrung: "Als Solo-Künstler, der kurz vor dem 1.000. Auftritt steht, beeindruckt mich dieses Zusammenspiel total. Ich werde als Überraschungsgast auftauchen, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält."

"Münchner Leben" ist am 28. und 29. März sowie am 21., 22., 29. und 30. April im Prinzregententheater zu sehen. Karten sind ab 66 Euro erhältlich.

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