Heino begeistert in Wittenberge: Volksmusiklegende mit Botschaft und Standing Ovations
Das Kultur- und Festspielhaus Wittenberge erlebte am Donnerstagabend einen außergewöhnlichen Abend, als Heino, die lebende Legende der deutschsprachigen Musik, vor ausverkauftem Haus auftrat. Der Saal war nicht nur voll besetzt, sondern die Stimmung war von Beginn an ausgelassen und euphorisch. Bereits nach den ersten beiden Titeln hallten „Heino, Heino“-Rufe durch den Raum, die den gesamten Abend über nicht verstummten.
Jung und Alt feiern gemeinsam
Heino, der sich selbst als „Deutschlands Volkssänger Nr. 1“ bezeichnet, präsentierte Klassiker aus nahezu sieben Jahrzehnten Musikgeschichte. Mit Hits wie „Caramba, caracho, ein Whisky“, „Schwarze Barbara“ und „Blau blüht der Enzian“ heizte er dem Publikum derart ein, dass sich viele Besucher von ihren Plätzen erhoben und begeistert mitsangen. Besonders bemerkenswert war die Altersvielfalt im Publikum: Neben den älteren Fans fanden sich auch zahlreiche junge Menschen, die Deutschlandfahnen mit einem stilisierten Heino-Bild als Bundesadler schwenkten.
Zu diesen gehörten der 28-jährige Marcel aus Wittenberge und sein Freund John-Luca (25) aus der Nähe von Bielefeld. „Wir sind beide Fans von Heino“, erklärten die Jugendlichen. „Das ist doch ordentliche Stimmungsmusik – und sie ist auf Deutsch gesungen.“ Diese Aussage unterstreicht die Anziehungskraft, die der Sänger auch auf die jüngere Generation ausübt.
Persönliche Geschichten und glückliche Gewinner
Im Vorfeld des Konzerts hatte der „Prignitzer“ zwei mal zwei Karten verlost. Zu den Gewinnern gehörten Jeannine und Heino Böning aus Wittenberge, die gerade ihren 30. Hochzeitstag feierten. „Meine Eltern haben sich wohl etwas dabei gedacht, dass sie mir diesen Namen gegeben haben“, meinte Heino Böning schmunzelnd. Beide sind leidenschaftliche Fans des Volksmusiksängers.
Carmen Wolter hatte ebenfalls zwei Karten ergattert, um Bewohner der Lebenshilfe, mit denen sie arbeitet, zu begleiten. „Ich selbst bin eigentlich kein Fan, aber die Musik ist nicht schlecht. Ich bin als Betreuerin dabei“, so Wolter. „Viele Bewohner der Lebenshilfe finden diese Musik toll.“ Diese Episode zeigt, wie Heinos Musik verschiedene Bevölkerungsgruppen verbindet.
Musikalische Vielfalt und symbolträchtige Momente
Heino bot nicht nur seine eigenen Lieder, sondern auch Volksmusik-Klassiker wie „Lustig ist das Zigeunerleben“ – ein bewusstes Statement angesichts der Diskussion um das „Z-Wort“ – und „Rosamunde“. Mit „Fiesta Mexicana“ erinnerte er an seinen früheren Kollegen Rex Gildo. Besonders beeindruckend war die Leistung des 87-Jährigen, der rund zwei Stunden ohne Pause auf der Bühne stand. Gelegentliche Blicke auf den Monitor, das Abwischen von Schweiß und Trinkpausen schadeten der Stimmung keineswegs.
Im Laufe des Abends zog Heino eine Lederjacke an, die Musik wurde rockiger, und er präsentierte neue Titel wie „Ein Gläschen am Morgen“. Auch den umstrittenen Party-Hit „Layla“, dem Sexismus vorgeworfen wird, stimmte er an. Diese gezielten Tabubrüche unterstreichen seine Botschaft: „Ich lasse mich nicht verbiegen.“
Ein klares Statement für deutschsprachige Musik
Manager Helmut Werner brach auf der Bühne eine Lanze für deutschsprachige Musik und für die deutsche Nationalhymne, die Heino als Abschlusslied vortrug. Vor der während des gesamten Konzerts sichtbaren Deutschlandfahne erhob sich der gesamte Saal. Fast wie ein Staatsakt endete das Konzert mit lautem Jubel und donnerndem Applaus. „Er ist der einzige Künstler, der sich das traut“, betonte Werner.
Die Botschaft kam an: Heino steht zu dem, was er verkörpert, und seine Fans danken es ihm mit Standing Ovations. Ans Aufhören denkt der Sänger nicht – sein Vertrag im „Bierkönig“ auf Mallorca wurde bis zu seinem 100. Geburtstag verlängert. Ein Abend, der zeigte, dass Heino nicht nur Musik, sondern auch Haltung präsentiert.



