Frankfurter Kino zieht sich aus Jüdischen Filmtagen zurück - Kritik an "fatalem Signal"
Die Astor Film Lounge wird bei den 6. Jüdischen Filmtagen im Oktober in Frankfurt nicht mehr als Veranstaltungsort zur Verfügung stehen. Dieser Rückzug hat in der Mainmetropole eine Welle der Empörung ausgelöst und wird von verschiedenen Seiten scharf kritisiert.
Wirtschaftliche Gründe und Sicherheitsbedenken als Begründung
Die Geschäftsführung der Astor-Kinos begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Überlegungen. Die Veranstaltung im Jahr 2024 habe sich nach eigenen Angaben "wirtschaftlich nicht getragen". Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf Sicherheitsaspekte - vergangene Veranstaltungen hätten nur unter Polizeischutz stattfinden können. In einer internen E-Mail war sogar von einer "heißen Lage" die Rede.
Jüdische Gemeinde spricht von "Kapitulation vor antisemitischem Druck"
Die Jüdische Gemeinde Frankfurt reagierte geschockt auf die Entscheidung. In einer Stellungnahme heißt es: "Wenn jüdisches Leben und jüdische Präsenz aus Angst vor möglichen Reaktionen zurückgedrängt werden, dann bedeutet das faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck." Die Gemeinde befürchtet, dass dieser Schritt ein gefährliches Präzedenz schaffen könnte.
Stadtverwaltung und Bürgermeisterin äußern deutliche Kritik
Auch die Frankfurter Stadtverwaltung positionierte sich klar gegen den Rückzug des Kinos. Es entstehe der Eindruck, dass antisemitische Entwicklungen hingenommen würden und jüdische Perspektiven an Unterstützung verlieren. Die Hessenschau berichtet, dass Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (61, Bündnis 90/Die Grünen) von einem "fatalen Signal" gesprochen habe. Die Stadt Frankfurt ist selbst Mitveranstalterin der Jüdischen Filmtage und sieht sich in ihrer kulturellen Verantwortung herausgefordert.
Kinobetreiber verteidigt Entscheidung und sucht Dialog
Tom Flebbe (29), Co-Geschäftsführer des Familienunternehmens, das neben der Frankfurter Astor Film Lounge auch den Zoo Palast in Berlin betreibt, weist die Kritik gegenüber Medien zurück. "Der Theaterleiter hat sich unglücklich ausgedrückt. Das spiegelt weder seine noch unsere Haltung wider", so Flebbe. Gleichzeitig betont er: "Es tut uns wahnsinnig weh, wie das jetzt ankommt. Das trifft uns extrem. Ich werde den Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde suchen und über das Thema sprechen. Wir haben andere Veranstaltungen mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde geplant."
Breitere gesellschaftliche Debatte über jüdisches Kulturleben
Der Vorfall hat eine grundsätzliche Debatte über die Sicherheit jüdischer Kulturveranstaltungen in deutschen Städten ausgelöst. Experten befürchten, dass wirtschaftliche Erwägungen und Sicherheitsbedenken zunehmend die Programmgestaltung kultureller Einrichtungen beeinflussen könnten. Die Jüdischen Filmtage in Frankfurt gelten als wichtiges Forum für den Austausch und die Sichtbarkeit jüdischer Perspektiven im deutschen Kulturleben.
Die Entscheidung der Astor Film Lounge wirft grundsätzliche Fragen auf:
- Wie können kulturelle Einrichtungen jüdisches Leben sichtbar machen, ohne Sicherheitsrisiken einzugehen?
- Welche Verantwortung tragen private Unternehmen bei der Förderung kultureller Vielfalt?
- Wie reagiert die Stadtgesellschaft auf antisemitische Bedrohungsszenarien?
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob alternative Veranstaltungsorte für die Jüdischen Filmtage gefunden werden können und wie sich der Dialog zwischen Kinobetreiber und Jüdischer Gemeinde entwickelt.



