Kunstverein startet im Maschinenhaus Wiligrad durch: Neuer Ort für Ausstellungen nach 35 Jahren im Schloss
Kunstverein Wiligrad startet im Maschinenhaus neu

Neustart für den Kunstverein: Vom Schloss ins Maschinenhaus Wiligrad

In Wiligrad vollzieht sich ein bedeutender Wandel für die Kunstszene. Nach 35 Jahren im historischen Schloss Wiligrad hat der Kunstverein sein neues Domizil im frisch sanierten Maschinenhaus bezogen. Dieser Umzug markiert nicht nur einen Ortswechsel, sondern einen kompletten Neuanfang für die kulturelle Institution.

Abschied vom Schloss nach 35 erfolgreichen Jahren

Seit dem Jahr 1991 war das Schloss Wiligrad die Heimat des Kunstvereins. In dieser Zeit organisierte der Verein etwa 250 Ausstellungen und etablierte sich als feste Größe in der regionalen Kunstlandschaft. Die Nachricht, dass das Land als Eigentümer das Schloss sanieren lassen würde und der Verein ausziehen müsse, löste zunächst helle Aufregung aus. Für Hanka Polkehn, die Vorsitzende des Kunstvereins, und ihre Mitstreiter bedeutete dies einen tiefen Einschnitt.

„Es war ein Stresstest für unseren Verein, der zeitweise sogar kurz vor der Auflösung stand“, erinnert sich Polkehn. Die Sorgen waren vielfältig: Das Maschinenhaus bietet weniger Ausstellungsfläche als das Schloss, verfügt über viele kleine Räume und Zwischenwände und hatte bisher nicht die gleiche Anziehungskraft auf Besucher.

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Das Maschinenhaus: Ein denkmalgeschütztes Industriegebäude mit Geschichte

Das Maschinenhaus, das nun zum neuen Kunstort wird, blickt selbst auf eine bewegte Geschichte zurück. Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg ließ das Gebäude im Jahr 1895 zusammen mit anderen Wirtschaftsgebäuden errichten, um das Schloss und eine Dampfwäscherei mit Strom und Wärme zu versorgen. Zu jener Zeit galt die Anlage als hochmodern.

Der Kunstverein plant, diesen historischen Aspekt stärker in den Fokus zu rücken. „Es wird große Informationstafeln und eine Dauerausstellung zur Geschichte dieses Ortes geben“, verrät Hanka Polkehn. „Herzog Johann Albrecht war beispielsweise in der Kolonialgesellschaft aktiv. Viele Besucher finden solche historischen Zusammenhänge äußerst interessant. Wir wollen hier eine Lücke schließen.“

Erste Ausstellung überzeugt Besucher und Verein

Die erste Ausstellung im neuen Domizil mit dem Titel „Die Welt ironisch ertragen“ ist bereits angelaufen und läuft noch bis zum 3. Mai. Zur Eröffnung Anfang März drängten sich zahlreiche Besucher in den hübschen Backsteinbau, die Neugier auf den neuen Ausstellungsort war groß.

Die Reaktionen fielen durchweg positiv aus. „Das Feedback bei der Eröffnung war ausgezeichnet“, berichtet Hanka Polkehn. „Ich hörte Sätze wie: ‚Die Kunst wirkt hier im Maschinenhaus besser als im Schloss. Die Ausstellung passt perfekt in diese Räumlichkeiten.‘ Irgendwie hat in dem Moment niemand das alte Schloss vermisst.“

Zwei Künstler, zwei kontrastreiche Positionen

Die aktuelle Ausstellung vereint zwei höchst unterschiedliche künstlerische Positionen. Zum einen zeigt sie die liebevoll geschnitzten Holzfiguren des im vergangenen Jahr verstorbenen Hamburger Künstlers Georg Schulz. Seine amüsant dargestellten Menschen, die er durch Beobachtungen auf der Straße inspirierte, lassen Betrachter unwillkürlich schmunzeln.

„Man wird das Gefühl nicht los, diese Figuren schon einmal gesehen zu haben“, beschreibt Hanka Polkehn die Wirkung von Schulz' Werken.

Im Kontrast dazu stehen die satirischen Plakate von Klaus Staeck. Der als politischer Flüchtling aus der DDR anerkannte Künstler und Jurist sieht es als seine Hauptaufgabe an, für Demokratie einzutreten. Mit beißender Ironie und Angriffslust legt er dabei den Finger in die Wunden der Gesellschaft. Viele seiner Werke haben ihm kostspielige Gerichtsverfahren – vorwiegend wegen Verleumdung – eingebracht, die er nach eigenen Angaben jedoch nie verloren hat.

Versteigerung und weitere Ausstellungen geplant

Am letzten Tag der aktuellen Ausstellung, dem 3. Mai, lädt der Kunstverein zu einer besonderen Veranstaltung ein: Wer ein Plakat von Klaus Staeck erwerben möchte, hat an diesem Sonntag die Gelegenheit dazu. Der Verein veranstaltet eine Versteigerung, bei der Interessenten das ein oder andere Poster ersteigern können.

Für das restliche Jahr 2026 hat der Kunstverein ein ambitioniertes Programm zusammengestellt:

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  • 9. Mai bis 5. Juli: „Schimmernde Steine“ mit Schmuck, Installationen und Grafik
  • 11. Juli bis 30. August: „Paare. Resonanz.“ mit Keramik aus Mecklenburg und Schleswig-Holstein
  • 5. September bis 25. Oktober: „Schreiten und Schweben“ mit Plastiken von Rolf Bibl und Malerei von Matthias Kanter
  • 14. November bis 20. Dezember: 36. Kunstbörse mit bis zu 100 Künstlern aus zehn Bundesländern

Ein Ausflugstipp für die Osterzeit und darüber hinaus

Die aktuelle Ausstellung „Die Welt ironisch ertragen“ bietet sich ideal für einen Osterspaziergang in Wiligrad an. Das Maschinenhaus befindet sich nur wenige Schritte vom Schloss entfernt – schräg gegenüber – und ist damit leicht zu finden. Der Kunstverein plant jedoch noch ein zusätzliches Hinweisschild aufzustellen, um Besuchern die Orientierung zu erleichtern.

Hanka Polkehn hofft, dass sich nicht nur zur Kunstbörse, die sich über die Jahre zu einem echten Verkaufsmagneten in der Vorweihnachtszeit entwickelt hat, sondern zu allen Ausstellungen im Maschinenhaus viele Kunstinteressierte, Ausflügler und Schöngeister auf den Weg machen werden.

Maschinenhaus Wiligrad: Wiligrader Straße 16a, Lübstorf
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr
Kontakt: [email protected], Telefon: 038678801, www.kunstverein-wiligrad.de