Spargelzeit in Brandenburg: Tradition und Moderne vereint
Seit 1861 wird im sandigen Boden rund um Beelitz Spargel angebaut, und heute gilt dieses Edelgemüse aus Brandenburgs wichtigstem Anbaugebiet als echtes Kulturgut. Die offizielle Eröffnung der Saison erfolgte am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein durch die Beelitzer Spargelkönigin Emely Friedrich und Agrarministerin Hanka Mittelstädt von der SPD. Rechtzeitig zu Ostern sind die ersten Stangen vom Feld geholt worden, und die Saison dauert bis zum Johannistag am 24. Juni.
Erntemengen und Anbauflächen in Deutschland
Spargel ist die Gemüseart mit der größten Anbaufläche in Deutschland, obwohl diese Fläche seit Jahren kontinuierlich schrumpft. Laut dem Statistischen Bundesamt sank die Erntemenge im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent auf insgesamt 103.900 Tonnen bundesweit. In Brandenburg, das neben Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu den bedeutendsten Anbaugebieten zählt, wurden im vergangenen Jahr fast 19.000 Tonnen geerntet. Ein großer Teil des importierten Spargels stammte 2025 aus Ländern wie Spanien, Mexiko und Griechenland.
Preisentwicklung und Marktdynamik
Die Betriebe in der Region erwarten einen guten Ertrag. „Wir werden eine gute Ernte einfahren“, sagt Jürgen Jakobs, der Vorsitzende des Beelitzer Spargelvereins. Zu Beginn der Saison kostet das Kilogramm Spargel zwischen 15 und 18 Euro. Wenn das Angebot später in der Saison zunimmt, wird der Preis voraussichtlich sinken. „Wir werden uns wieder bei 10 bis 12 Euro einpendeln“, erklärt der erfahrene Spargelbauer. Er betont jedoch die große Marktmacht der Discounter, die den Spargel vertreiben und die Preise stark beeinflussen. „Die drücken uns schon im Preis, wo es geht.“
Im Hofladen des Spargelhofs Jakobs in Beelitz-Schäpe sind verschiedene Güteklassen erhältlich: Spargelbruch kostet derzeit 8,95 Euro pro Kilogramm, ganze Stangen 15,50 Euro und die Premiumklasse 17,95 Euro. Für Spargelliebhaber, die Geld sparen und gleichzeitig die aufwendige Handarbeit der Ernte erleben möchten, bietet der Spargelhof Elsholz die Möglichkeit, selbst Spargel zu stechen. Nach einer Terminvereinbarung können Interessierte mit ausgeliehenem Spargelmesser, Spargelkorb und Handschuhen aufs Feld gehen und die selbst geernteten Stangen für 5,55 Euro pro Kilogramm erwerben.
Kostensteigerungen und Herausforderungen im Anbau
Die Landwirtschaft spürt derzeit die Folgen des Iran-Kriegs, insbesondere durch steigende Dieselpreise. Für den Beelitzer Spargelhof Jakobs bedeuten diese Preiserhöhungen „alle 10 Tage 5.000 Euro Mehrkosten“, so Jakobs. „Wir als Bauern haben schon ein bisschen die Sorge, dass wir die Kosten, die wir halt haben, schwer umgelegt bekommen.“ Zudem steigen die Personalausgaben erheblich, da der gesetzliche Mindestlohn zu Jahresbeginn von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde angehoben wurde und bis 2027 auf 14,60 Euro steigen soll. Die Agrarbranche fordert Ausnahmen für Saisonkräfte im Obst- und Gemüsebau, die überwiegend aus Osteuropa stammen.
Um Einsparungen zu realisieren, setzen die Betriebe verschiedene Maßnahmen um. „Früher haben wir den Hof zweimal die Woche kehren lassen, jetzt wird er einmal die Woche gekehrt“, schildert Jakobs ein konkretes Beispiel. Die Spargelreihen sind üblicherweise mit Folien bedeckt, um die Bodentemperatur und damit das Wachstum des Spargels zu steuern.
Unterschiede zwischen weißem und grünem Spargel
In Deutschland ist der weiße, sogenannte Bleichspargel am beliebtesten, während in Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien vor allem grüner Spargel konsumiert wird. Spargel wird oft als „königliches Gemüse“ bezeichnet, eine Bezeichnung, die aus der Vergangenheit stammt, als es als Delikatesse dem Adel vorbehalten war. „Früher war bleich auch nobel und Spargel in Königshäusern sehr beliebt“, erklärt Jakobs. Geschmacklich unterscheiden sich die beiden Varianten deutlich: Grüner Spargel schmeckt „eher ein bisschen nach Brokkoli“, während weißer Spargel ein feines Aroma und einen milderen Geschmack aufweist.
Anbaumethoden und ihre Auswirkungen
Der Unterschied zwischen grünem und weißem Spargel liegt in der Anbau- und Erntemethode. Weißer Spargel wächst im Damm, meist unter Folien und ist vor Licht geschützt. Sobald die Stangen aus der sandigen Erde herauswachsen und dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, verfärben sie sich zunächst violett und dann grün, da durch die Sonne der grüne Farbstoff Chlorophyll gebildet wird. Grüner Spargel, der in südeuropäischen Ländern häufiger vorkommt, soll im Laufe der Spargelsaison auch in Beelitz angeboten werden.
Die Erntehelfer ernten weiße Stangen, bevor sie durch die Oberfläche brechen, was an feinen Rissen in der Erdoberfläche erkennbar ist. Dabei wird vorsichtig Erde entfernt und der Spargel mit einem speziellen Messer gestochen, bevor das Loch wieder mit Erde zugeworfen und geglättet wird. Die Ernte von grünem Spargel ist weniger aufwendig, da er über der Erde einfach mit einem scharfen Messer abgeschnitten wird. Auch bei der Zubereitung gilt grüner Spargel als einfacher, da er weniger geschält werden muss als weißer Spargel.
Gesundheitliche Vorteile und kulinarische Vielfalt
Spargel gilt als sehr gesund: Er besteht größtenteils aus Wasser, enthält kaum Fett und wenige Kalorien bei einer guten Nährstoffdichte, wie aus Informationen des Bundeszentrums für Ernährung hervorgeht. Die kulinarischen Varianten sind äußerst vielfältig. Manche genießen Spargel am liebsten mit Schnitzel, andere mit Fisch oder Rührei. Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth empfiehlt sogar Spargelpizza.
Aber Spargel findet sich auch in ungewöhnlichen Formen wie Eis und Likör. Mit Lausitzer Handarbeit wird er täuschend echt aussehend, aber überraschend süß kreiert: Drei Stangen aus weißer Schokolade mit Nougatfüllung sind für 10 Euro erhältlich.
Events und Aktivitäten rund um den Spargel
Um Tempo geht es beim Spargel-Wettschälen, bei dem Besucher ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen können, beispielsweise beim Klaistower Spargelfest am 3. Mai. In Beelitz wird jedes Jahr im Juni ein bunter Umzug organisiert, der dem Gemüse gewidmet ist. Das mehrtägige Spargelfest zieht zuletzt mehrere zehntausend Besucher an. Für alle, denen das Schälen zu Hause zu lästig ist, bieten viele Hofläden an, die Stangen direkt vor Ort schälen zu lassen.



