Lutherhaus Wittenberg bleibt bis Mitte 2027 geschlossen
Das historische Lutherhaus in Wittenberg, das ehemalige Wohnhaus des Reformators Martin Luther, wird für umfangreiche Sanierungsarbeiten noch bis voraussichtlich Mitte 2027 geschlossen bleiben. Die umfassende Modernisierung des denkmalgeschützten Gebäudes umfasst energetische Maßnahmen, Barrierefreiheit und den Schutz wertvoller historischer Objekte.
Umfassende Sanierung mit historischer Verantwortung
Thomas Müller, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, betont: „Mit der energetischen Sanierung schaffen wir ein stabiles Raumklima, das den empfindlichen historischen Exponaten zugutekommt.“ Derzeit arbeiten Trockenbauer, Zimmerleute, Energietechniker und Heizungsmonteure in den leeren Räumen des Gebäudes. Das Projekt wird mit rund 15,6 Millionen Euro von Bund, Land und Stiftung gefördert.
Besondere Herausforderungen stellen sich bei der Dachsanierung: Tobias Espinosa, Projektleiter der Sanierung, erklärt: „Die teils jahrhundertealten Deckenbalken wurden in den 1980er Jahren mit toxischen Holzschutzmitteln behandelt. Diese Schadstoffbelastung muss fachgerecht entfernt werden.“ Zudem muss eine mehr als 500 Jahre alte Mauer hinter dem ehemaligen Direktorenhaus gesichert werden.
Historische Entdeckungen während der Bauarbeiten
Die Sanierungsarbeiten bringen unerwartete historische Funde ans Licht. Bei Untersuchungen im Erdgeschoss entdeckten Archäologen originalen Fußboden aus dem 16. Jahrhundert. Thomas Müller zeigt sich beeindruckt: „Auf diesen Steinen könnte durchaus der Reformator selbst gestanden haben.“ Die enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ermöglicht eine fachgerechte Dokumentation und Erhaltung dieser historischen Zeugnisse.
Das Lutherhaus war von 1511 bis 1546, also 35 Jahre lang, der Lebensmittelpunkt Martin Luthers und seiner Familie. Hier verfasste der Reformator seine berühmt gewordenen 95 Thesen und entwickelte seine theologischen Ideen, die die Reformation prägten.
Neue Strukturen und digitale Angebote
Neben der Sanierung des bestehenden Gebäudes entsteht ein Neubau anstelle des in den 1930er Jahren errichteten Zweckbaus, der vor einigen Monaten abgerissen wurde. Dieser soll Räume für Veranstaltungen, Büros und das Archiv bieten. Ein neuer Eingangsbereich mit Klimaschleuse und ein großzügigeres Foyer mit Museumsshop werden die Besucherinfrastruktur verbessern.
Während der Bauzeit bleibt die historische Lutherstube im ersten Obergeschoss zwar unverändert, ist aber nicht zugänglich. Als Übergangslösung wird eine App entwickelt, die einen interaktiven digitalen Besuch der Stube ermöglicht. „So können Interessierte die historische Atmosphäre virtuell erleben, bis das Original wieder besucht werden kann“, erläutert Müller die Pläne.
Neue Ausstellungskonzepte und Übergangsangebote
Parallel zur Sanierung laufen Vorbereitungen für eine neue Dauerausstellung, die nicht nur Martin Luther und seine Entwicklung, sondern auch sein gesellschaftliches Umfeld beleuchten soll. Im ersten Obergeschoss werden Luther und der Thesenanschlag im Mittelpunkt stehen, während die zweite Etage den weltgeschichtlichen Folgen der Reformation gewidmet sein wird.
In der Übergangszeit bietet das nahegelegene Augusteum die Sonderausstellung „BuchstäblichLuther. Facetten eines Reformators“ an. Diese zeigt Glanzstücke der Sammlung, darunter die erste Gesamtausgabe der deutschen Bibel, Luthers persönliche Kutte und mehrere Porträts von Lucas Cranach dem Älteren. Im vergangenen Jahr zählte diese Ausstellung bereits rund 20.600 Besucherinnen und Besucher.
Historische Bedeutung des Lutherhauses
Das Gebäude erhielt Martin Luther 1511 als Geschenk vom sächsischen Kurfürsten. Nach seinem Tod erwarb die Universität Wittenberg das Haus 1564. 1883 öffnete schließlich das reformationsgeschichtliche Museum seine Pforten. Seit 1996 gehören die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg zusammen mit der Schloss- und Stadtkirche in Wittenberg zum UNESCO-Welterbe.
Die aktuellen Sanierungsarbeiten stellen somit nicht nur eine bauliche Modernisierung dar, sondern auch einen Beitrag zur Bewahrung eines kulturellen Erbes von weltweiter Bedeutung. Die Kombination aus historischer Substanz, moderner Technik und digitalen Vermittlungsformen soll das Lutherhaus für kommende Generationen als lebendigen Erinnerungsort erhalten.



