BILD-Kolumnist Harald Martenstein füllt die Wühlmäuse: Eine Lesung zwischen Humor und Lebensweisheit
An einem sonnigen Samstagnachmittag, dem 18. April, hätten über 500 Berlinerinnen und Berliner die Zeit im Freien verbringen können. Stattdessen entschieden sie sich für einen Besuch im restlos ausverkauften Berliner Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“. Dort erwartete sie der preisgekrönte Autor und Kolumnist Harald Martenstein, der sein Publikum zwei Stunden lang in den Bann zog.
25 Jahre Kolumnistenerfahrung und aktuelle BILD-Kolumne
Martenstein, seit Jahresbeginn Autor der BILD-Kolumne „Mail von Martenstein“, blickt auf eine 25-jährige Karriere als Kolumnist bei der Zeit und dem Tagesspiegel zurück. In seiner Lesung wechselte er geschickt zwischen den Büchern seiner selbsternannten „Udo-Jürgens-Trilogie“, deren Titel von Songs des verstorbenen Musikers inspiriert sind. Besonders amüsant gestaltete sich der Auftritt, als er aus seinem Werk „Gute Nacht Señorita“ vorlas und dabei das absurde Auftrittsverbot eines Damenchors wegen „kultureller Aneignung“ aufs Korn nahm.
Wissenschaft, Alltagsabsurditäten und persönliche Einblicke
Der 72-jährige Autor verband in seiner Darbietung humorvolle Alltagsbeobachtungen mit persönlichen Reflexionen. Er berichtete von der unfreiwilligen musikalischen Früherziehung seines elfjährigen Sohnes mit Rammstein-Songs und zitierte mit martialischer Tonlage Textzeilen wie „Bauchfett in die Biotonne. Der Penis sieht jetzt wieder Sonne“. Zugleich streute er nachdenkliche Momente ein, etwa beim Schilderung des Besuchs bei seiner demenzkranken Mutter oder seiner Gedanken zur eigenen Sterblichkeit.
Besonderen Anklang fand seine neueste BILD-Kolumne, in der er bedauerte, dass die Kiwi neuerdings als rechtsextrem gilt – eine Anspielung auf eine Wissenschaftlerin, die an der beliebten Frucht lediglich zwei Geschlechter erkennen konnte. Martenstein gelang es dabei meisterhaft, aktuelle gesellschaftliche Debatten und sogenannte „woke Absurditäten“ charmant-witzig zu thematisieren.
Die ungewöhnliche Lebenserwartungsrechnung des Autors
Ein Höhepunkt des Nachmittags war Martensteins herzzerreißend komische Präsentation seiner persönlichen Lebenserwartungsberechnung. Nach wissenschaftlichen Studien, so der Autor, werde er 100,5 Jahre alt. Diese Rechnung basiert auf einem interessanten Ansatz: Als Raucher müsse er sieben Lebensjahre abziehen, doch als glücklicher Mensch dürfe er zehn Jahre hinzurechnen. Sein daraus abgeleitetes Fazit sorgte für großes Amüsement im Publikum: Glückliche Raucher leben länger als unglückliche Nichtraucher!
Die Kunst, über Ärger lachen zu können
Harald Martenstein schreibt und liest vielen Menschen aus der Seele. Seine besondere Gabe besteht darin, alltägliche Ärgernisse und gesellschaftliche Absurditäten so charmant und witzig zu erzählen, dass das Publikum am Ende darüber lachen kann. Diese Fähigkeit, humorvoll mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen, macht das Dasein leichter – vergleichbar mit einem sonnigen Samstagnachmittag in Berlin.
Die Lesung bewies erneut, warum Martenstein zu den gefragtesten Kolumnisten Deutschlands zählt. Sein Talent, zwischen Tiefgang und Leichtigkeit, zwischen persönlicher Reflexion und gesellschaftlicher Satire zu pendeln, begeisterte das Berliner Publikum nachhaltig und hinterließ den Eindruck eines außergewöhnlichen kulturellen Erlebnisses.



