Basketball-Ikone Dirk Nowitzki warnt vor Exodus deutscher Talente durch US-College-Deals
Die Basketball-Legende Dirk Nowitzki hat in der Debatte um die finanziellen Mega-Angebote für junge Talente an US-Colleges deutlichen Handlungsbedarf angemahnt. Der 47-Jährige äußerte sich besorgt über die Auswirkungen der sogenannten NIL-Deals auf den deutschen Nachwuchs-Basketball.
NIL-Deals verändern die internationale Basketball-Landschaft
„Das NIL hat alles verändert im College und damit auch die internationale Szene für Jugendbasketball“, erklärte Nowitzki in einer Medienrunde in Berlin. Hinter der Abkürzung NIL verbirgt sich „Name, Image and Likeness“ – ein System, das es College-Athleten seit einem Gerichtsurteil 2021 ermöglicht, durch Marketing- und Werbemaßnahmen Geld zu verdienen.
Für deutsche Basketball-Vereine hat diese Entwicklung dramatische Folgen. „Es ist schade, dass jetzt mit 18 Jahren die ganzen Talente wegrennen“, sagte Nowitzki. Viele junge Spieler könnten in den USA ein Vielfaches dessen verdienen, was ihnen deutsche Clubs bieten könnten.
Verständnis für die Entscheidung der jungen Spieler
Gleichzeitig zeigte der NBA-Champion von 2011 Verständnis für die Entscheidungen der Nachwuchsspieler. „Wenn du in Würzburg so und so viel verdienen kannst und durch das NIL kriegst du das Zehnfache, Zwanzigfache, ist es natürlich schon klar, wofür sich die Kids dann entscheiden.“
Nowitzki betonte auch die sportlichen Vorteile eines College-Aufenthalts: „Am College gibt es sehr, sehr gute Programme, die haben sehr viele Ressourcen – die Hallen, die Trainingsmöglichkeiten, die Coaches. Es ist schon alles vorhanden, sodass man sich da sehr, sehr gut entwickeln kann.“
„Das System ist noch ein bisschen zu wild“
Kritisch sieht der Basketball-Star jedoch die aktuelle Entwicklung: „Im Moment ist das System noch ein bisschen zu wild.“ Nowitzki erwartet, dass in den kommenden Jahren weitere Regulierungen notwendig werden, möglicherweise sogar eine Gehaltsobergrenze ähnlich der NBA-Salary-Cap.
„Die Spieler hüpfen von einem College aufs nächste, weil da ein bisschen mehr bezahlt wird“, beschrieb Nowitzki die aktuelle Situation. Die Colleges würden sich mittlerweile fast wie Profimannschaften verhalten, was zu einer ungesunden Dynamik führe.
Deutsche Vereine schlagen Alarm
Die deutschen Basketball-Clubs beobachten die Entwicklung mit großer Sorge. Dragan Tarlac, Sport-Geschäftsführer der Basketballer des FC Bayern, warnte: „Wir erleben einen unaufhaltsamen Exodus, die Fiba und die nationalen Verbände können den Teams aus Mangel an Strukturen nicht helfen.“
Auch Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda bestätigte die Problematik: „Das Geld am College ist unschlagbar.“ Die finanziellen Unterschiede zwischen den Angeboten in Deutschland und den USA seien so gravierend, dass viele Talente kaum eine andere Wahl hätten.
Nowitzki äußerte sich anlässlich seiner bevorstehenden Aufnahme in die Hall of Fame des Basketball-Weltverbandes Fiba. Der deutsche Basketball-Pionier bleibt damit auch nach seiner aktiven Karriere eine wichtige Stimme in der internationalen Basketball-Diskussion.



