Das Ende einer Münchner Institution: Auktionshaus Neumeister schließt nach 70 Jahren
Nach fast sieben Jahrzehnten geht eine Ära zu Ende: Das renommierte Münchner Kunstauktionshaus Neumeister in der Barer Straße beendet seinen Geschäftsbetrieb. Die Entscheidung markiert das Aus für eine der bekanntesten Adressen des deutschen Kunsthandels, die seit 1958 den Namen von Rudolf Neumeister trug.
Von der Spitzenliga zum Abschied
Unter der Führung von Rudolf Neumeister stieg das Unternehmen in die Spitzenliga der internationalen Versteigerer auf. Zu den prominenten Kunden zählten Operndiva Maria Callas und Reeder Aristoteles Onassis. Auch jordanische Royals wie König Hussein und Kronprinz Hassan sowie Soraya, die Frau des persischen Schahs, gehörten zum illustren Kundenkreis – nicht zuletzt weil Neumeister auch Honorarkonsul von Jordanien war.
Seit 2008 führte Tochter Katrin Stoll das Familienunternehmen als alleinige Geschäftsführerin. Nun beendet sie den Betrieb zum Ende Oktober dieses Jahres. „Die Zeit bei Neumeister hat mich unglaublich bereichert: durch die Kunst, aber auch durch die wunderbaren Menschen, denen ich begegnet bin“, erklärt Stoll.
Gründe für das Ende
Mehrere Faktoren führten zur Schließungsentscheidung:
- Die Erbengemeinschaft der Familie löst sich auf, weshalb auch das Gebäude in der Barer Straße 37 verkauft wurde
- Katrin Stolls Kinder haben sich für andere Berufswege entschieden
- Eine Weiterführung des Unternehmens ist daher nicht mehr geplant
Rund zwanzig Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. Stoll betont jedoch: „Für die Beendigung des Geschäftsbetriebes soll niemand einen Nachteil erleiden. Hierfür stehe ich persönlich ein.“
Das besondere Profil von Neumeister
Was das Auktionshaus auszeichnete, war sein breites Spektrum:
- Alte Meister
- Moderne und zeitgenössische Kunst
- Graphik, Antiquitäten, Silber, Porzellan und Schmuck
Eine Art „Hausheiliger“ war Carl Spitzweg, von dem zahlreiche Werke über Neumeister neue Eigentümer fanden. Neben klassischen Versteigerungen etablierte Katrin Stoll thematische Auktionen wie „Vintage Culture“, „Plastic Fantastic“ zur Kulturgeschichte des Kunststoffs oder „Chair Affair“ mit ausschließlich Sitzmöbeln.
Aufarbeitung der eigenen Geschichte
Besonders bemerkenswert war der Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Nach einem Archivfund zum Vorgängerunternehmen Weinmüller, das 1958 übernommen worden war, deckte Neumeister Verstrickungen in die NS-Zeit auf.
Innerhalb weniger Wochen digitalisierte das Unternehmen seinen gesamten Datensatz und machte ihn öffentlich zugänglich. „Ich sah immer eine große Verpflichtung des Kunsthandels, Licht ins Dunkel zu bringen, um in Restitutionsfällen zu fairen und gerechten Lösungen zu kommen“, erklärt Stoll und fordert „genaues Hinschauen statt Wegschauen.“
Letzte Auktion und Vermächtnis
Die letzte Sommerauktion findet am 24. Juni statt, Einlieferungen werden noch bis Mitte Mai angenommen. Zu den Höhepunkten der jüngeren Vergangenheit zählte 2022 die Versteigerung des kompletten Modenachlasses von Schauspielerin Hannelore Elsner mit mehr als 1400 Stücken.
„In einer Zeit, in der Kunstwerke kühl wie Aktien gehandelt werden und es nur um Gewinnmaximierung geht, haben wir auch mit Leidenschaft für die Kunst und ihre gestalterische Kraft gearbeitet“, beschreibt Stoll die Philosophie ihres Hauses. Mit Neumeister verschwindet nicht nur ein Auktionshaus, sondern eine Institution, die Münchens Kulturleben über Generationen mitgeprägt hat.



