Moskauer Gericht verurteilt deutschen Karnevalisten Jacques Tilly in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft
Moskau: 8,5 Jahre Haft für Karnevalist Tilly in Abwesenheit

Harter Richterspruch aus Moskau: Karnevalist Jacques Tilly in Abwesenheit verurteilt

Die russische Justiz hat ein umstrittenes Urteil gegen den deutschen Bildhauer und Karnevalisten Jacques Tilly gefällt. Ein Gericht in Moskau verurteilte ihn in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft, einer Geldstrafe von rund 2.000 Euro und einem vierjährigen Arbeitsverbot. Die Anklagepunkte umfassten die Verletzung religiöser Gefühle und die Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte.

Hintergrund: Karnevalswagen mit politischer Satire

Der Prozess gegen Tilly drehte sich hauptsächlich um seine Karnevalswagen, die Kremlchef Wladimir Putin und den russischen Angriffskrieg in der Ukraine kritisierten. Besonders im Fokus stand ein Wagen aus dem Jahr 2024, der Putin und Patriarch Kirill in einer homosexuellen Oralverkehr-Szene darstellte. Diese Darstellung wurde von drei Zeuginnen, die sich als gläubige Christinnen bezeichneten, als Verletzung ihrer religiösen Gefühle angeprangert.

Die Staatsanwältin hatte ursprünglich neun Jahre Haft, ein vierjähriges Arbeitsverbot und eine höhere Geldstrafe beantragt. Die Pflichtverteidigerin forderte hingegen einen Freispruch, da es an Beweisen mangele und der Kontakt zu Tilly nicht hergestellt werden konnte. Die deutsche Botschaft in Moskau beobachtete den Prozess, konnte jedoch keine Vermittlung leisten.

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Politische Implikationen und internationale Kritik

Das Urteil steht im Kontext einer Reihe von Verurteilungen in Russland gegen Kriegsgegner der Invasion in die Ukraine. International wird dies oft als Teil einer Willkürjustiz kritisiert. Tilly muss zwar keine Auslieferung aus Deutschland fürchten, könnte jedoch bei Reisen in Länder, die mit Russland kooperieren, Probleme bekommen, falls Moskau eine Fahndung bei Interpol beantragt.

Während des Verfahrens wurden auch Vorwürfe der Propaganda von Homosexualität und der Beleidigung des russischen Präsidenten erhoben, wobei letzterer im Urteil nicht mehr konkret genannt wurde. Tilly, bekannt für seine satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug, hat bereits mehrfach Putin thematisiert, etwa in Darstellungen, die den Kremlchef in blutigen Szenen zeigen.

Die Zeuginnen gaben an, sich freiwillig gemeldet zu haben, nachdem sie die umstrittenen Darstellungen online gesehen hatten. Die Verteidigung betonte, dass ohne eine direkte Kommunikation mit Tilly seine Motive nicht beurteilt werden könnten, was die Fairness des Prozesses in Frage stellt.

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